Was wäre, wenn … es eine verbindliche Frauenquote gäbe?

Geschrieben von am 28/05/2020 in brand eins mit 0 Kommentare

Ein Szenario.

(Andere Folgen der „Was wäre, wenn…?“-Kolumne aus brand eins HIER lesen.)

Noch vor zehn Jahren war Verschlüsselung vor allem etwas für Unternehmen, Behörden und IT-Profis. Die private Internetnutzung, also E-Mails, Websites, Apps und WLAN-Netze, blieb häufig unverschlüsselt. Das hat sich verändert – durch die Enthüllungen Edward Snowdens 2013 über flächendeckende staatliche Überwachung und durch zunehmende Cyberkriminalität.

Grundsätzlich würde eine solche Quote die Freiheit der Firmen bei der Personalauswahl einschränken. Die wohl am häufigsten geäußerte Befürchtung – dass mas- senweise unqualifizierte Frauen in Führungspositionen landeten – dürfte sich hingegen nicht bewahrheiten. Zum einen bedeutet eine solche Quote in der Regel nicht, dass Frauen ausschließlich aufgrund ihres Geschlechts eine Position bekommen, sondern dass sie bei gleicher Qualifikation so lange den Vorzug erhalten, bis sie in gleichem Maße in einer Gruppe repräsentiert sind wie Männer. Zum anderen gibt es keinen Grund zur Annahme, qualifizierte Frauen seien schwieriger zu finden als qualifizierte Männer: Bei den Universitätsabschlüssen liegt der Frauenanteil in vielen Fachbereichen längst höher als 50 Prozent, Mädchen bekommen bessere Noten als Jungen und machen häufiger Abitur.

„Es ist ein Mythos, dass immer die objektiv beste Person für eine Stelle oder eine Beförderung ausgewählt wird“, sagt Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass sowohl Männer als auch Frauen dazu neigen, Menschen auszuwählen, die ihnen ähnlich sind. Das passiert unbewusst und liegt unter anderem am ,unconscious bias‘, einer unbewussten Wahrnehmungsverzerrung, die dazu führt, dass wir Personen allein aufgrund ihres Geschlechts bestimmte Fähigkeiten zuschreiben.“

Eine Quote könnte diese „nicht wahrnehmbare Befangenheit“ überwinden und den Kreislauf aus Männern, die Männer in Führungspositionen befördern, durchbrechen.

Welche Auswirkungen die 50-Prozent-Quote hätte, hinge davon ab, wie viel Zeit die Firmen bekämen, sie zu verwirklichen. Je kürzer die Übergangsphase, desto stärker wären die kurzfristigen Folgen für den Arbeitsmarkt. „Auch weil das bedeuten würde, dass in einigen Bereichen erst mal lange kein Mann mehr befördert werden könnte, bis Ausgeglichenheit herrscht“, sagt Wrohlich. Das kann dazu führen, dass sich junge Männer gegen gewisse Branchen entscheiden – falls absehbar ist, dass sie dort nicht mehr zum Zug kommen. Langfristig führe die Quote aber zu einer Gesellschaft, „in der es völlig normal ist, dass Frauen und Männer Führungsaufgaben gleichermaßen übernehmen können. Je mehr sichtbare Vorbilder es für Frauen gibt, umso mehr Vorurteile werden abgebaut.“ Diese gebe es auch unter Frauen, die einander oft weniger zutrauten.

Wie würde sich eine Quote auf die Firmen und ihre Wirtschaftsleistung auswirken? 

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Foto:
CoWomen / Unsplash

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Die Vermessung meiner Welt" & "Your Home Is My Castle") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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