Was wäre, wenn … Inlandsflüge verboten wären?

Geschrieben von am 19/08/2019 in brand eins mit 0 Kommentare

Ein Szenario.

(Andere Folgen der „Was wäre, wenn…?“-Kolumne aus brand eins HIER lesen.)

Ob für 25 Euro in der Economy Class von Berlin nach Stuttgart zum Familienbesuch oder zum Geschäftstermin von München nach Hamburg in der Business Class: Jeden Tag fliegen Tausende Menschen von einer deutschen Stadt zur anderen. Für Klimaschützer sind diese Flüge eine durch nichts zu rechtfertigende Umweltsünde – für Passagiere oft eine Zeitersparnis. Doch was wäre, wenn solche Strecken nicht mehr mit dem Flugzeug zurückzulegen, wenn Inlandsflüge verboten wären?

Das hängt zunächst davon ab, ob das Verbot nur Deutschland beträfe – was man schnell als Verzerrung des europäischen Wettbewerbs werten könnte – oder ob die EU Inlandsflüge in jedem Land verböte. Zudem käme es stark darauf an, was genau untersagt wäre: Wäre es Airlines verboten, Flüge zwischen zwei Flughäfen desselben Landes durchzuführen? Oder wäre es Passagieren untersagt, Flüge zu buchen, die beispielsweise an einem deutschen Flughafen beginnen und enden?

Was wie Haarspalterei klingt, macht einen gravierenden Unterschied: Verbietet man innerdeutsche Flüge, wären auch keine Zubringerflüge zu Langstreckenverbindungen möglich. „Dieses Hub-and-Spoke- Prinzip, mit nationalen Zubringerflügen zu einem oder mehreren Drehkreuzflughäfen, ist durchaus sinnvoll“, sagt Torsten Fleischer, Mobilitätsexperte beim Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (Kitas).
Im Falle eines Verbots wäre es denkbar, dass Fluglinien ihre Drehkreuze direkt hinter die Grenze verlegen. „Die Lufthansa könnte beispielsweise ihre Präsenz in Zürich oder Wien, wo sie durch Swiss und Austrian ohnehin vertreten ist, ausbauen“, sagt Fleischer. Dürften die Airlines weiter innerdeutsche Zubringerflüge anbieten, aber Passagiere keine rein deutschen Verbindungen buchen, wäre kaum zu verhindern, dass diese beispielsweise ein Ticket Berlin – Frankfurt – Madrid buchen, aber nur den innerdeutschen Teil der Route nutzen. Aus Preisgründen wird diese Praxis, Skiplagging genannt, teilweise schon jetzt angewendet, auch wenn Fluggesellschaften sie meist offiziell untersagen.

23,5 Millionen Menschen sind 2018 innerhalb Deutschlands geflogen. Im Gegensatz zu den international Reisenden, deren Zahl binnen zehn Jahren um mehr als 40 Prozent stieg, ist die Zahl der Inlandspassagiere seit 2007 minimal rückläufig. Wie viele innerdeutsche Passagiere zu internationalen Zielen weiterfliegen (oder von dort kommen), variiert stark nach Verbindung: Bei den 194 800 Passagieren, die 2017 von Stuttgart nach Frankfurt flogen, lag die Zubringerquote bei 96 Prozent. Auf der Strecke Hannover – München flogen 49 Prozent der 268 600 Einsteiger weiter.

Wäre es möglich, die innerdeutschen Flüge durch Zugfahrten zu ersetzen?

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Foto: Ross Parmly / Unsplash

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Die Vermessung meiner Welt" & "Your Home Is My Castle") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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