Was wäre, wenn … niemand mehr Fleisch äße?

Geschrieben von am 16/07/2018 in brand eins mit 0 Kommentare

Ein Szenario.

(Andere Folgen der „Was wäre, wenn…?“-Kolumne aus brand eins HIER lesen.)

Manche Menschen ernähren sich ihrer Gesundheit zuliebe vegetarisch. Andere essen kein Fleisch, weil sie das Töten von Tieren nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Ein weiteres Motiv für den Verzicht sind die ökologischen Folgen von Fleischverzehr und Massentierhaltung. Doch was würde passieren, wenn niemand auf der Welt mehr Fleisch äße?

Mit fast 15 Prozent der schädlichen Emissionen ist die Fleischindustrie laut den Vereinten Nationen mitverantwortlich für den Klimawandel – und zwar mehr noch als Transport und Verkehr. Eine vierköpfige Durchschnittsfamilie in den USA beispielsweise verursacht durch ihren Fleischkonsum mehr Treibhausgase als durch ihre beiden Autos. Eine Studie der Universität Oxford kommt zu dem Ergebnis, dass eine fleischlose Ernährung 60 Prozent weniger Emissionen verursacht als eine fleischhaltige.

 

 

 

Dabei gibt es jedoch große Unterschiede zwischen einzelnen Nahrungsmitteln: Kopfsalat etwa schneidet laut einer Studie der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh in der Klimabilanz dreimal schlechter ab als Schweinebauch. Brokkoli, Auberginen, Reis, Kartoffeln, Spinat oder Weizen dagegen stünden in ihrer Klimabilanz erheblich besser da. Ähnlich sieht es beim Wasserverbrauch aus: Rindfleisch benötigt in der Erzeugung pro Kilokalorie rund 20-mal so viel Wasser wie Getreide. Nüsse aber verbrauchen pro Kilokalorie mehr Wasser als Hühner- oder Schweinefleisch.

Wenn niemand mehr Fleisch isst, werden laut einer Studie der Niederländischen Umweltprüfungsagentur rund 2,7 Milliarden Hektar Weideland frei sowie rund 100 Millionen Hektar Land, das derzeit für den Anbau von Futtermitteln genutzt wird. Diese Fläche entspricht knapp dem afrikanischen Kontinent. Doch könnte man mit all dem Getreide und Soja, das bei der Fleischerzeugung verfüttert wird, den Hunger auf der Welt beenden?

„Das ist zu einfach gedacht“, sagt Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. „Dass Menschen heutzutage hungern, liegt kaum daran, dass anderswo viel Fleisch gegessen wird. Sondern daran, dass sie zu wenig Kaufkraft haben, ihre Regierung eigennützig oder korrupt handelt oder dass sie durch Wetterphänomene wie El Niño schlechte Ernten einfahren.“ Letzteres sei allerdings mit dem Klimawandel verknüpft – weltweites Vegetariertum könne langfristig dabei helfen, die Zahl von Erntekatastrophen zu verringern.

Gleichzeitig würden sowohl die Preise für Land erheblich sinken als auch die Getreidepreise. „30 Prozent des weltweiten Getreides wird derzeit an Schweine und Geflügel verfüttert“, sagt Hofstetter. „Werden diese 30 Prozent frei, sinkt der Preis – wenn auch nicht grenzenlos, denn wenn Getreide im Vergleich zu den Energiepreisen zu billig wird, wird es zum Heizen genutzt.“ Besonders die sehr armen Bewohner großer Städte würden von einem niedrigeren Getreidepreis profitieren. „Denn die essen sowieso kaum Fleisch und könnten sich Brot, Reis oder Maisfladen besser leisten.“ Für die Landwirte – sowohl in Europa als auch in Entwicklungs- und Schwellenländern – wäre eine solche Preisentwicklung nach unten nachteilig.

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Foto: Lukas BudimaierUnsplash

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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