App-Zocker: Wie manche Entwickler die App-Stores manipulieren und damit viel Geld verdienen

Geschrieben von am 25/09/2019 in Wollt grad sagen mit 0 Kommentare

Wer in Apples App-Store nach einer Wetter-App sucht, findet auf Rang 3 (Stand 17.5.2019) eine, die mehr schlecht als recht funktioniert. Im Querformat läuft sie gar nicht, man wird mit Werbung bombardiert, und die meisten Funktionen sind an das Abschließen eines überteuerten Abos geknüpft. Bei einer anderen erfolgreichen Wetter-App ein ähnliches Spiel: Die Texte sind hanebüchen übersetzt – „Es wird in der Zukunft nicht regnen, bitte gehen sie frei!“ – und man wird gedrängt, ein Abo für fünf Euro pro Monat abzuschließen. Wie kommt es, dass solche unseriösen Angebote mit 4,5 Sternen bewertet sind und prominent platziert werden?

Mysteriöse Zeichen

Viele der Schummel-Apps arbeiten mit Sonderzeichen im Titel. So heißt ein Taschenrechner mit Abo-Falle beispielsweise „Dèr Taschenrechner“, eine Wetter-App nennt sich „Wetter°“. Der Grund: Der App-Store präsentiert Apps mit Schlagworten im Titel, nach denen häufig gesucht wird, prominenter. Da die korrekt geschriebenen Wörter schon lange vergeben sind – unter anderem an Apples eigene Apps – tricksen unseriöse Anbieter mit Sonderzeichen, um eine prominente Platzierung zu bekommen.

Billige Tricks

Abzock-Apps sind billig in der Produktion: Eine Wetter-App, die nur durch Werbung Geld einspielt, gibt es bereits für 18 Dollar, eine Version, die auch als Abo-Falle funktioniert, kostet 90 Dollar.

Nonstop nerven

Erstaunlich lukrativ ist ein permanentes Bombardement mit Werbung – auch vollflächiger, die den ganzen Bildschirm einnimmt. „Es ist schockierend zu sehen, wie viel die Leute tolerieren“, schreibt der Programmierer David Barnard, der sich mit den Manipulationstechniken beschäftigt hat, in seinem Blog. „Und es steckt viel Geld drin: Der Tausender-Kontakt-Preis für Vollscreen-Ads ist drei- bis fünfmal so hoch wie für Banner und andere Werbung.“ Zusätzlich wird Geld verdient, indem die Apps den Standort ihrer Nutzer an möglichst viele Werbeanbieter weiterverkaufen.

Das Winziggedruckte

Richtig Geld bringen überteuerte Abos ein. Der entsprechende Button wird „Start“ genannt, mit dem Knopfdruck beginnt ein kostenloses Probe-Abo. Dieses verwandelt sich nach drei oder sieben Tagen automatisch in ein kostenpflichtiges und überteuertes. Dieser Hinweis steht in der kleinstmöglichen Schriftart in schwer lesbarem Grau möglichst weit von der Schaltfläche entfernt, auf die der Nutzer klicken soll. Zehn Euro pro Monat für eine mäßig funktionierende Wetter- oder Taschenrechner-App, die noch dazu ihren Nutzer ausspäht, ist reine Beutelschneiderei. Die Anbieter spekulieren auf unaufmerksame oder unerfahrene Leute, die zu spät merken, dass sie in die App-Falle getappt sind.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Die Vermessung meiner Welt" & "Your Home Is My Castle") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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