Wenn Ihnen auf einer Website Werbung begegnet, die Sie interessiert, kann es dafür einen guten Grund geben: Sie wurden ausspioniert.
1. Onlinewerbung damals und heute
Früher war das Werbegeschäft im Internet noch einfach, es galt das Prinzip Zeitungsinserat. Eine Anzeige wurde gegen Geld auf einer Website platziert und verkauft. Dann hoffte man, dass die Leser die Reklame auch wahrnahmen.
Wie die Dinge sich doch ändern! Heute arbeiten Werber mit einer Methode, die sich Real Time Bidding nennt. Damit wird jeder Besucher einer Seite in Sekundenbruchteilen meistbietend verschachert. Den Preis bestimmt unter anderem das Profil des Nutzers: Wie lukrativ ist seine Aufmerksamkeit? Für welche Konsumgüter interessiert er sich besonders? Wie viel Geld hat er? Wie oft kauft er online ein?
Erstellt werden diese Profile durch sogenannte Tracking Cookies, die den Surfer auf seinem Weg durchs Netz verfolgen. Gewöhnliche Cookies sind kleine Dateien, die beim Besuch einer Website auf dem eigenen Rechner gespeichert werden, um zum Beispiel den Nutzer wiederzuerkennen, wenn er ein zweites Mal eine Seite aufruft. Tracking Cookies hingegen werden in der Regel nicht direkt von der aufgerufenen Seite gesendet, sondern von Drittanbietern, die versuchen, auf so vielen Seiten wie möglich präsent zu sein, um den Menschen so präzise wie möglich auf seinem Weg durchs Web zu verfolgen.
Auf 49 der 50 populärsten US-Seiten hat das “Wall Street Journal” solche Spione entdeckt. Mancherorts wirken oft mehr als 100 davon gleichzeitig. Laut einer Studie der Beratungsfirma Krux werden solche Instrumente immer häufiger installiert. Ihr Einsatz habe sich in den vergangenen zwei Jahren um jeweils 400 Prozent gesteigert. Und oft seien nicht mal die Seitenbetreiber selbst im Bilde, wer alles die Daten ihrer Besucher abgreife.
Die Liste reicht von Google, dessen Analyse-Tools im Hintergrund vieler Websites laufen, bis zu Facebook oder Twitter, die mit ihren Like- oder Tweet-Buttons ebenfalls allgegenwärtig sind – und dabei Daten sammeln, ob der Knopf zum Weiterempfehlen nun geklickt wird oder nicht. Dazu kommen immer mehr Firmen, für die das Tracking nicht Nebenjob ist, sondern Geschäftsmodell. Mehr als 300 gibt es inzwischen davon, fanden die Krux-Forscher heraus. Vor zwei Jahren waren es nur etwa halb so viel. Eine davon ist die Berliner Firma Nugg.ad.

2. Die Datensammler sind überall
Wenn Stephan Noller, 42, zeigen will, wie harmlos seine Firma und ihr Geschäft mit den Nutzerdaten im Grunde sind, holt er im Berliner Büro den Cookie-Printer aus dem Schrank. Ein kleiner Würfel, etwa zehn Zentimeter Kantenlänge, mit einem @-Zeichen vorne drauf.
Das Gerät soll sichtbar machen, was sonst verborgen bleibt: was Nugg.ad alles über einen Internet-Surfer weiß. “Werbung ist nach wie vor die größte Einnahmequelle im Netz und wird das auch auf lange Sicht bleiben”, sagt Noller. “Wir helfen dabei, dass sie effizienter wird für den, der sie schaltet, und weniger nervig, für den, der sie sieht.” Manche glauben ihm das, vorzugsweise diejenigen, die selbst im und mit dem Internet ihr Geld verdienen.
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