Was wäre, wenn … die Menschheit nicht mehr existierte?

Geschrieben von am 28/11/2018 in brand eins mit 0 Kommentare

Ein Szenario.

(Andere Folgen der „Was wäre, wenn…?“-Kolumne aus brand eins HIER lesen.)

Die Freiheitsstatue ist im Sand versunken, Efeu und Lianen haben New Yorks Brücken eingehüllt, Giraffen grasen zwischen eingestürzten Wolkenkratzern – so sehen Endzeitszenarien in Katastrophen- und Science-Fiction-Filmen aus. Diese Bilder beruhen auf einer realistischen Annahme: Gibt es keine Menschen mehr, holt sich die Natur den Planeten Schritt für Schritt zurück. Aber was genau würde passieren, wenn die Menschheit eines Tages tatsächlich nicht mehr existierte? Wie würde sich der Planet verändern? Wann wären unsere Spuren getilgt?

„Es ist nicht wirklich eine Frage, ob die Menschheit irgendwann ausstirbt, sondern eher eine Frage, wann“, sagt Luc Bussiere, Biologe und Umweltwissenschaftler an der schottischen Universität Stirling. „99,9 Prozent aller Arten, die bislang auf der Erde gelebt haben, gab es irgendwann nicht mehr. Und es ist extrem unwahrscheinlich, dass der Mensch eine Ausnahme darstellt, auch wenn wir das gerne glauben wollen, weil wir uns für etwas Besonderes halten.“

 

 

Viele mögliche Folgen hängen davon ab, was – wenn es einmal so weit sein wird – der Grund für das Verschwinden der Menschheit ist. Dennoch lassen sich einige Aussagen treffen, wie die Erde sich ohne unsere Zivilisation entwickeln wird. „An dem Tag, an dem die Menschheit verschwindet, beginnt die Natur augenblicklich mit dem Hausputz“, schreibt der Wissenschaftsautor Alan Weisman in seinem Buch „Die Welt ohne uns“. „Sie putzt unsere Häuser vom Antlitz der Erde. Alle werden sie verschwinden.“ Weisman hat mit Dutzenden von Experten gesprochen und zahlreiche Orte bereist, an denen der Mensch war und sich wieder zurückgezogen hat. Gewöhnliche Holzhäuser halten seinen Recherchen zufolge „50, bestenfalls 100 Jahre“. Und künftig ließe nicht nur der Frost-Tau-Wechsel Asphalt und Beton aufplatzen. In wärmeren Gefilden würden das vor allem die Samen von Blumen und Bäumen übernehmen. Sie dringen durch Risse ein, keimen, und das von Zelle zu Zelle nach oben transportierte Wasser kann in den Spitzen der Sprösslinge einen Druck erzeugen, der so hoch ist, dass die Pflanzen Asphalt aufbrechen können.

 

Andere Veränderungen wären nur eine Frage von Stunden oder Tagen: So müssen beispielsweise 50 Millionen Liter Grundwasser jeden Tag daran gehindert werden, in die New Yorker U-Bahnschächte zu fließen, bei Regen noch mehr. Ohne Menschen, die das Pumpsystem überwachen, würde das U-Bahn-Netz in 36 Stunden volllaufen. Die meisten Atomkraftwerke würden ohne menschliche Aufsicht und Wartung binnen einer Woche überhitzen, wodurch enorme Mengen Radioaktivität in die Luft und in nahe Gewässer gelangten. Bereits nach rund einem Jahr würden jedoch wieder Tiere an die Orte zurückkehren, an denen Reaktoren abgebrannt oder geschmolzen sind.

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Foto: Robert Ruggiero (Unsplash)

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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