Im Bett mit Madonna: Produzent und Zoot-Woman-Chef Stuart Price im Interview

Geschrieben von am 30/10/2009 in Neon mit 0 Kommentare

Wenn der Londoner Produzent STUART PRICE einen Fehler macht, ist das bald im Radio zu hören – als Welthit.

Mit Ihrer Elektropopband Zoot Woman begeistern Sie Kritiker – als Produzent, etwa von Seal, prägen Sie Massenkompatibles. Keine Angst, wegen Letzterem als uncool zu gelten?

Überhaupt nicht! Wenn Seal einen guten Song liefert, ist das interessanter, als wenn jemand, der superhip ist, uninspiriertes Zeug zeigt!

Kennen Sie eigentlich den Ausdruck »Earworm «?

Ich ahne, was er bedeutet!

Erst gab es das Wort »Ohrwurm« nur im Deutschen, jetzt bürgert es sich auch auf Englisch ein …

Ein Lied, das einem nicht mehr aus dem Kopf geht? Brillantes Wort!

Verraten Sie uns, wie man einen schreibt?

Ohrwürmer entstehen aus Fehlern. Als Pianist weiß ich, wie eine Tastenkombination klingen wird, bevor ich sie spiele – und bin schon gelangweilt. Aber wenn ich einen Fehler mache, Töne anders spiele – bam! Wird es spannend.

Stuart Price (links) und seine Gelegenheits-Band Zoot Woman

Stuart Price (links) und seine Gelegenheits-Band Zoot Woman

Stimmt es, dass Sie fast das komplette Album »Confessions On A Dancefloor« in Ihrer Wohnung aufgenommen haben?

Ja, Madonna kam jeden Tag um 14 Uhr in meine Dachkammer – ich war noch nicht wach, sie hatte schon Sport getrieben, ihre Kinder versorgt und mit acht Anwälten gesprochen. Sie war übrigens ein guter Gast. Einmal hat sie Kaffee auf meinem Teppich verschüttet. Ich wollte großzügig wirken und sagte: »Och, das macht doch nichts« – da flitzte sie schon los, holte Handtücher, machte sie nass und tupfte den Kaffee auf. Bis nichts mehr zu sehen war.

Haben Ihre Nachbarn nicht mitbekommen, wer da ein und aus ging?

Ich wohne nicht in der besten Gegend, da fiel allein schon ihr Auto auf. Nach einer Weile kamen Fragen: »War das Madonna im Treppenhaus?« Ich musste alles abstreiten: »Nö, nur eine Freundin … Ja, sieht ihr etwas ähnlich, ich weiß … Der Chauffeur? Sie verdient halt ganz gut.«

Vom Produzenten Phil Spector wird erzählt, er habe Waffen eingesetzt, um im Studio mehr aus den Musikern herauszuholen. Was haben Sie für Tricks?

Ich kitzle Rivalitäten hervor. Merke ich, dass es zwischen Gitarrist und Schlagzeuger Spannungen gibt, gieße ich Öl ins Feuer – dann wachsen beide über sich hinaus.

Sprechen Sie gerade von den Killers?

So viele Bands mit Schlagzeug und Gitarre habe ich ja noch nicht produziert!

Interview: Christoph Koch
Erschienen in:
NEON

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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