Barbecue und Nacktbaden: Das Sommerfest von A bis Z

Geschrieben von am 09/07/2004 in Neon mit 0 Kommentare

Von A bis Z: die 26 Tipps, wie man in den kommenden Monaten ein perfekter Gastgeber wird.

Anlage
Bei Partys bis 20 Leuten reicht ein batteriebetriebener Ghettoblaster völlig aus. Sind es mehr Leute, die auch noch tanzen sollen, kommt man um eine DJ-Anlage kaum herum. Feiert man im eigenen Garten, kann man mit dem Verlängerungskabel den Strom nach draußen legen (Kabeltrommeln immer ganz abrollen, da sie sonst überhitzen können). Feiert man abseits der Zivilisation, liefert ein -> Dieselgenerator den nötigen Strom. Wem das zu stressig ist, kann auch die Autotüren aufmachen und ein wenig aufdrehen – so lange die Batterie mitmacht.

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Barbecue
Vier Stunden vorher sollte das Fleisch mindestens eingelegt werden. Für die Marinade ausschließlich Öl verwenden. Wein und Bier entziehen dem Fleisch Eiweiß und lassen es zäh werden. Milchprodukte verbrennen leicht und hinterlassen einen Kohlegeschmack, ebenso Zwiebeln und Kräuter – deshalb vor dem Grillen entfernen. Angestochenes Fleisch trocknet schneller aus, statt einer Gabel lieber eine Grillzange verwenden. Die richtige Temperatur ist dann erreicht, wenn man es aushält, seine Hand drei Sekunden über den Grillrost zu halten. Fertig ist das Fleisch, wenn es sich bei Druck mit der Grillzange genau anfühlt wie der eigene entspannte Handballen.

ClipArts
Knallende Champagnerkorken, tanzende Menschen und fliegende Noten aus der ClipArt-Sammlung von Word druckt nur auf seine Einladung, wer sichergehen will, dass alle kapieren, dass er keinen Geschmack hat.

Dieselgenerator
Schweres Gerät, das mit Diesel betankt wird und dann mehrere Stunden lang Strom für Beleuchtung, -> Anlage, Getränkekühlung etc. erzeugt. Da der Generator relativ laut ist und auch nicht sonderlich gut riecht, sollte er so weit weg wie möglich von der Party aufgestellt werden, also lieber noch eine Kabeltrommel mehr einpacken.

Essen
Natürlich kann man auch im Sommer mit öden Partyklassikern wie Nudelsalat, Fladenbrot und Chili den Hunger der Gäste stillen. Natürlich kann man auch im Sommer auf den Putz hauen und sich ein Feinkostcatering im Garten aufbauen lassen. Natürlich kann man auch im Sommer ein Flipstüten- und Chipsrolleninferno entfachen. Im Grunde gibt es auf einem Sommerfest aber nur eine wirklich statthafte Art der Nahrungszubereitung: den Grill oder ein Lagerfeuer anfachen – und dann vom kompletten Lamm bis zu Gemüse (geeignet: Zucchini, Auberginen, Paprika, Maiskolben) alles darauf grillen, was die Gäste wünschen (-> Barbecue, -> Holzkohle).

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Feinheiten
Wer beim Grillen Eindruck schinden will, verstärkt das Aroma durch Holzspäne in der -> Holzkohle. Der Grillweltmeister Hans-Joachim Fuchs empfiehlt Kirschholz zu Lamm und Schwein, Buche zu Rind und Wacholder zu Fisch. Die Holzspäne bekommt man in ausgesuchten Baumärkten. Im Idealfall liegt das Fleisch nicht direkt über der Kohle, sondern diagonal versetzt – so kann herabtropfendes Fett nicht in die Glut gelangen und krebserregende Kohlenwasserstoffe erzeugen, die sich auf dem Fleisch ablagern. Selbst auf kleinen Grills kann man »indirekt grillen«: einfach eine Kastenbackform mit Wasser in die Mitte stellen und die Kohle darum verteilen.

Gastgeber
A) Der/die Penible
Verschickt Einladungen, in denen jeder Gast genau instruiert wird, was er mitzubringen hat. Fertigt vorher eine Liste mit Liedern an, die er/sie zu spielen gedenkt, einschließlich einer ausgetüftelten CD-Nummerierung. Wenn es regnet: Bringt der von ihm/ihr vorher eingeteilte Fahrdienst alle in einen Ersatzraum, den er/sie vorbereitet hat, da die Regenwahrscheinlichkeit zehn Tage vor dem Fest über 20 Prozent lag.
B) Der Star
Das Essen kommt von einem Szenegastronomen, die Musik vom angesagtesten DJ der Stadt, die Gäste aus ganz Deutschland angereist. Der Star weiß, wie man feiert, trotzdem hält sich die Stimmung in Grenzen – zu sehr sind alle von so viel Perfektion erschlagen und halten sich gehemmt an ihren perfekt gemixten Drinks fest. Wenn es regnet: Tut es nicht, der Star kennt schließlich überall die richtigen Leute.
C) Der/die Chaot/in
Macht am Nachmittag vor dem Fest mit seinem/ihrem Partner Schluss, und nachdem die eigenen Eltern ihren Garten als Ausweichort zur Verfügung stellen, überwirft sich der/die Chaot/in auch noch mit ihnen. Der dritte -> Ort ist schließlich ein öffentlicher Park, wo sich schon diverse Hundeclubs zum Grillen verabredet haben. Von denen kann man aber immerhin Senf, Besteck, Korkenzieher, Salz, etc. ausleihen – der/die Chaot/in hat dergleichen natürlich nicht dabei. Wenn es regnet: Sind alle froh, dass sie endlich in die nahe gelegene Bar gehen und sich kühles Bier und warmes Essen bestellen können.
D) Der Schnorrer
Verschickt ähnliche Mitbringaufforderungen wie Typ A – mit dem Unterschied, dass der Schnorrer selbst überhaupt nichts zur Party beiträgt oder mitbringt. Was ihn jedoch nicht davon abhält, von jedem Gast, den er nicht schon seit dem Kindergarten kennt, einen »kleinen Unkostenbeitrag« einzufordern. Wenn es regnet: Schickt der Schnorrer alle mit einem bedauernden Schulterzucken nach Hause – packt aber alle mitgebrachten Speisen und Getränke ins eigene Auto.
E) Die Diva
Hat einen kleinen Kreis an männlichen Helfern um sich geschart, der sich bei den Vorbereitungen gegenseitig überbietet. Ihr Herz gehört natürlich trotzdem einem spanischen Model, das in London lebt und sie während der Party sechsmal auf dem Handy anruft. Wenn es regnet: Steht sie von zwei Schirmen geschützt unter einem Baum und ruft den Jungs Kommandos zu, die gerade alles zusammenpacken.

Holzkohle vs Briketts
Der älteste Streit der Grillpartygeschichte. Eierkohlen oder Briketts brennen (bzw. glühen) länger und heißer als Holzkohle, die man also öfter nachfüllen muss. Profigriller geben ihr dennoch den Vorzug, da die Briketts Bindestoffe enthalten, die den Geschmack beeinträchtigen.

Illumination
Kerzen sind zwar romantisch, aber gerade bei einem größeren Gelände etwas unpraktisch. Lampions oder Fackeln eignen sich besser, denn zumindest dort, wo gegessen wird, sollte es nicht zu dunkel sein. Auch der Weg von der Straße zur Party sollte beleuchtet sein, wenn man nicht will, dass die Gäste durch Gärten trampeln, in Teiche fallen oder über Stufen stolpern. Fackeln sollte man nur verwenden, wenn keine Kinder oder Haustiere auf der Party herumlaufen. Billige Wachsfackeln brennen nicht nur sehr unschön ab, sondern hinterlassen oft auch hartnäckige Flecken auf dem Boden. Nachfüllbare Fackeln mit einem kleinen Flüssigkeitsbehälter sind zwar etwas teurer, lohnen sich aber bei mehrfacher Verwendung.

Jukebox
»Summer in the City« überlassen wir lieber den ARD-Vorabendserien. Hier sind die guten Sommerlieder fürs Partytape: Phoenix – Summer Days / Wham! – Club Tropicana / Dodgy – Staying Out For The Summer / Kid Alex – St. Tropez / Pavement – Summer Babe (Winter Version) / R.E.M. – Nightswimming / Jonathan Richman – That Summer Feeling / The Gogos – Vacation / The Bangles – Bitchen Summer / Sportfreunde Stiller – Wellenreiten / Beach Boys – All Summer Long / Weezer – Island in the Sun / Sly & The Family Stone – Hot Fun In The Summertime / Die Moulinettes – Das war eine schöne Party / Manfred Krug – Baden Gehn.

Kleider, versteckte
Sind beim nächtlichen Baden immer wieder der totale Bringer. Hey, Moment! Wärst du cool, wärst du selbst mitgeschwommen. Geht also doch nicht.

Leihen
Bierbänke, Stehtische, Zapfanlagen etc. bekommt man oft bei demselben Getränkelieferanten, der auch für das Bier verantwortlich ist. Geschirr, Stühle und Ähnliches kann man manchmal von Vereinen gegen eine geringe Gebühr ausleihen. Und wer im Freundeskreis rumfragt, wird erstaunt sein, wie viele Leute einen dieser hässlichen viereckigen Pavillons (»Aber er ist halt so praktisch.«) im Keller haben.

Mücken
Der beste chemische Mückenschutz ist laut Stiftung Warentest noch immer das gute alte Autan Family. Wer statt dessen eher auf natürlichen Schutz setzen will, reibt sich mit Lavendelöl ein. Das hält aber nur etwa eine Stunde vor. Ebenfalls in der Apotheke gibt es Lorbeeröl zu kaufen: Es vertreibt nicht nur Mücken, sondern auch Wespen und andere Insekten, wenn man es in einige kleine Schälchen gießt und die im Garten verteilt.

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Niemals
Das Grillgut mit Bier ablöschen: Den Geschmack nimmt das Fleisch eh nicht mehr auf, die Asche, die die Aktion aufwirbelt bleibt aber kleben.

Ort
Bevor man im Hof eines Mietshauses feiert, die Erlaubnis einholen und andere Mieter per Aushang informieren. In öffentlichen Parks ist Grillen oft nicht gestattet und wird streng kontrolliert.

Plastikbesteck
Müllintensiv, hässlich, stumpf. Besser: richtiges Besteck von Freunden, Partyservice, Verein oder Großküche ausleihen.

Qualm
Entsteht vor allem, wenn frisches Holz – wie just abgerissene Äste – verwendet wird. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig für genügend trockenes Brennmaterial zu sorgen. Feuermachen selbst ist dann nicht mehr schwer: zuerst einen Ring aus Steinen bilden (wichtig vor allem bei trockenem Untergrund). Dann Zeitungspapier oder Stroh zusammenknüllen und auf einen Haufen legen. Um diesen Haufen dünne, trockene Äste zu einer Pyramide aufstellen. Mit einem langen Stöckchen, an dessen Ende Papier gewickelt ist, das Innere der Pyramide anzünden, durch Pusten anfachen, und wenn die kleineren Stöcke Feuer gefangen haben, größere Holzstücke nachlegen.

Rost
Ihn am nächsten Tag zu säubern, geht leichter, wenn man ihn nach dem Grillen noch warm in feuchtes Zeitungspapier einwickelt.

Strömung
Kann Bierflaschen wegtreiben, die zum Kühlen ins Flusswasser gelegt wurden. Kann genauso gut von knauserigen Gastgebern als Ausrede benutzt werden, wenn das Bier zu früh alle ist.

Temperatur
Bier lagert am besten bei 5 bis 8 Grad, die optimale Trinktemperatur liegt bei 8 bis 10 Grad. Eine Badewanne mit kaltem Wasser, nasse Tücher oder Plastikbeutel mit Eiswürfeln eignen sich zur Lagerung besser als eine Gefriertruhe.

Unterstützung
Bei mehr als 20 Leuten sollte man sich überlegen, ob man sich nicht beim Vorbereiten, Einkaufen, Schleppen, Aufbauen, Grillen und Aufräumen helfen lässt: entweder von Freunden (die man aber fairerweise nicht erst am Tag der Party informieren sollte) oder von Leuten, die man dafür bezahlt: Partyservice oder Jobvermittlung.

Vorsicht
– Lagerfeuer nur in ausreichendem Abstand zu Bäumen oder Häusern anzünden.
– Den Grill nicht unbedingt genau neben dem DJ-Pult und der Tanzfläche aufstellen.
– Auch wenn der schwere Rotwein auf der Party im Winter richtig gut wegging: diesmal lieber auf andere Getränke setzen.
– Bei Partys in freiem Gelände können auch ungeladene Gäste kommen. Darauf achten, dass auch gegen Ende noch ein paar Leute da sind, die kräftig und nüchtern genug sind, ihnen zu sagen, dass sie die CDs besser wieder zurücklegen.

Wachwerden
Was am Abend noch eine hochromantische und naturverbundene Idee zu sein schien, wird im Morgentau schnell unangenehm: Der wärmende Alkohol (-> Zapfhahn) verschwindet und lässt einen pochenden Kopfschmerz zurück, der Mund fühlt sich an wie das Innere eines Skischuhs, und freundliche Weinbergschnecken haben glänzende Schleimspuren auf dem Handrücken hinterlassen. Oder war das am Ende dieser seltsame Typ, der seinen Schlafsack nur zwei Meter weiter drüben ausgerollt hat? Egal wie warm der Sommer ist, morgens um halb sechs friert man immer. Deshalb: Auch wenn’s naturfern und unromantisch ist – lieber noch am Abend heimfahren.

Xylophon
Bitte ebenso meiden wie Wandergitarre, Bongos und Maultrommel.

Y-Chromosom
Der Teil des menschlichen Erbguts, der einem zuruft: »Kümmere dich ums Feuer! Steh immer mitten im Rauch, egal wie du nachher stinkst! Quatsch, du brauchst keine Alufolie, außen schwarz, innen rot, so ist es richtig!«

Zapfhahn
So bekommt man ihn ins Fass rein: Den hölzernen Zapfhahn vor dem Anstich eine Weile ins Wasser legen. Den Dichtungsring anfeuchten, darauf achten, dass der Hahn geschlossen ist und dann so gerade wie möglich in die untere Fassöffnung drehen. Danach zwei bis drei beherzte Schläge mit dem Hammer – fertig. Den ersten Schwung Bier wegschütten, er schmeckt immer komisch.

Text & Fotos: Christoph Koch
Erschienen in: NEON

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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