Was wäre, wenn … reichere Rentnerinnen und Rentner die ärmeren unterstützten?

Written by on 17/03/2026 in brand eins with 0 Comments

Ein Szenario.

Unter älteren Menschen nimmt in Deutschland die Armut zu. Und mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, daran aus eigener Kraft etwas zu ändern. Deshalb hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) den „Boomer-Soli“ vorgeschlagen: Menschen mit hohen Renten und Pensionen sollen einen Teil davon schlechtergestellten Rentnerinnen und Rentnern abgeben. Was wäre, wenn diese Sonderabgabe verpflichtend wäre?


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742.410 Personen bezogen im März 2025 Grundsicherung im Alter – ihre Rente war so gering, dass sie nicht das Notwendigste zum Leben abdeckte. Das sind nur rund vier Prozent der etwa 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner, doch die Zahl der Fälle ist seit 2021 um 30 Prozent gestiegen. Deutlich höher ist die Zahl der armutsgefährdeten Ruheständler: Dazu zählen alle, die weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens in Deutschland beziehen. 2024 war fast jede fünfte Person über 65 Jahren betroffen (19,4 Prozent), 2013 waren es nur 14,9 Prozent. Im EU-Vergleich ist die deutsche Quote besonders hoch.

„Es war seit Jahren absehbar, dass die Armut und die Armutsgefährdung im Alter zunehmen werden“, sagt Ute Klammer, geschäftsführende Direktorin am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Das hänge auch mit der zunehmend ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen zusammen. Gerade für alleinerziehende und „haushaltsorientierte Frauen“, die überwiegend unbezahlte Arbeit leisten, entstünde häufig ein massives Armutsrisiko – insbeso ndere nach dem Tod des Ehepartners oder einer Scheidung. Das Gleiche gelte für Ostdeutsche mit langen Phasen der Arbeitslosigkeit nach der Wende, von denen viele jetzt in Rente gehen. „Auch durch den großen Niedriglohnsektor, den wir seit mehreren Jahrzehnten haben, reicht für viele die Rente nicht zum Leben. Der Mindestlohn seit 2015 ändert das nur begrenzt.“

An dieser ungleichen Verteilung will der Boomer-Soli ansetzen: Das DIW schlägt eine Sonderabgabe von zehn Prozent auf alle Alterseinkünfte vor – zusätzlich zu den Steuern, die darauf bereits anfallen. Da es sich um eine Abgabe handelt, wäre es erlaubt, die Einnahmen zweckgebunden den Rentnerhaushalten mit den niedrigsten Einkommen zukommen zu lassen.

Zwei Varianten werden dabei diskutiert: 1. Einkünfte aus Kapital, Vermietung und Verpachtung werden nicht berücksichtigt. Außerdem soll es einen Freibetrag von 902 Euro geben, bis zu dem kein Boomer-Soli anfällt. 2. Werden Kapital- und Mieteinkünfte zum Einkommen gezählt, würde der Freibetrag auf 1.048 Euro steigen. Laut DIW müsste dann das Fünftel der einkommensstärksten Haushalte im Schnitt auf drei bis vier Prozent des Einkommens verzichten. Für das Fünftel der Haushalte mit den niedrigsten Renten würde das dagegen zehn bis elf Prozent mehr Geld bedeuten.

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Text: Christoph Koch
Foto: Alexas_Fotos auf Unsplash

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About the Author

About the Author: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, GEO, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Digitale Balance" & "Was, wäre wenn ...?") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs, bei Mastodon @christophkoch@masto.ai .

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