Ein Szenario.
Sowohl Kanada als auch die Europäische Union leiden unter der US-Präsidentschaft von Donald Trump: Der schließt Europa bei den Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine weitgehend aus. Kanada wiederum bezeichnete er schon als „51. Staat“ der USA. Beide überzieht seine Regierung mit Strafzöllen. Was wäre also, wenn sie sich zusammentäten und Kanada Teil der Europäischen Union würde?

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Was wie ein Party-Gag klingt, wird in der Politikwissenschaft schon eine Weile ernsthaft diskutiert. Die kanadische Gesellschaft zeigt sich verhalten aufgeschlossen: 44 Prozent der Befragten gaben in einer Umfrage im Februar 2025 an, die Regierung solle einen EU-Beitritt prüfen. Kanadas Verfassung stünde dem nicht entgegen. Für die Europäische Union wäre es jedoch ein Präzedenzfall: Denn der EU-Vertrag erlaubt offiziell nur den Beitritt europäischer Staaten – und Kanadas Hauptstadt Ottawa liegt mehr als 5.000 Kilometer von Brüssel entfernt.
Amy Verdun, Politikwissenschaftlerin an der kanadischen University of Victoria und auf europäische Integration spezialisiert, ist dennoch überzeugt: „Wenn beide Seiten es wollen, könnte man den Weg für einen EU-Beitritt öffnen.“

Kanada brächte in dem Fall rund 39 Millionen Menschen mit – in etwa so viele, wie in Polen leben. Das Land ist das zweitgrößte der Welt, nach seinem Beitritt wäre die Fläche der EU 3,5-mal so groß wie jetzt. Die Wirtschaftsleistung der Union nähme etwa um ein Zehntel zu: Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 2,2 Billionen Dollar wäre Kanada das viertreichste EU-Mitglied.
Doch vor allem bekäme die EU Zugang zu Energie und Rohstoffen: Kanada besitzt riesige Erdöl- und Erdgasreserven. Dazu kommen viele für die Energiewende wichtige Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder seltene Erden. Zudem verfügt Kanada dank seines hoch entwickelten Bildungssystems über Fachkräfte.
Schon heute verbindet das Freihandelsabkommen CETA Kanada mit der Europäischen Union. 2024 handelten die Partner Waren im Wert von 76 Milliarden Euro miteinander. Ein EU-Beitritt würde diese Geschäfte vereinfachen, aber auch die Spielregeln verändern.
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Text: Christoph Koch
Foto: Annie Spratt auf Unsplash




