Theresia Enzensberger: Mein Medien-Menü (Folge 74 – Krautreporter-Spezial)

Geschrieben von am 13/05/2014 in Was ich lese mit 1 Kommentar

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Bis zum 13. Juni 2014 werden hier nach und nach Mitarbeiter des neuen Journalismus-Projekts Krautreporter vorgestellt, beim dem ich auch mitwirke und das Sie hier unterstützen können. Heute: die Krautreporterin Theresia Enzensberger. 

 

theresia enzensberger 

 

Wie informierst du dich morgens als erstes?

Der erste Weg geht leider tatsächlich zum Computer. Dort springe ich, je nach Laune und Verschlafenheitsgrad, zwischen Aljazeera, The Guardian, Perlentaucher, SPON, NYT, Facebook und Twitter hin und her.

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Mittlerweile habe ich nur noch den New Yorker im Abo. Während der Uni hatte ich mal den Economist abonniert, wegen der internationalen Breite, die dort abgedeckt wird, aber irgendwann hab ich den wirtschaftsliberalen Ton nicht mehr ertragen.

Was liest du auf Reisen?

Das Flugzeug ist eigentlich der einzige Ort, wo ich noch Tageszeitungen auf Papier lese – Lufthansa sei Dank. Auf Urlaubsreisen: Bücher! Wer braucht schon E-Reader, wenn man einfach weniger Klamotten mitnehmen kann?

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Wichtig? Ich finde es schon wichtig, dass es einigermaßen seriöse Nachrichtenseiten gibt, aber mir persönlich liegt keine besonders am Herzen. Es geht ja in erster Linie darum, irgendwie an die „Hard News“ zu kommen und in dieser Hinsicht hat das Netz den Vorteil, dass man nicht auf eine Seite angewiesen ist, sondern sich das Gesamtbild gewissermaßen „zusammenpuzzeln“ kann.

Welche Blogs liest du?

Aus Deutschland: Niggemeier, 60pages, 10vor8 und kleinerdrei. Im englischsprachigen Raum wird die Unterscheidung zwischen Online-Magazin und Blog ja immer schwieriger, aber The New Inquiry und Rhizome finde ich toll.

Was ist wichtige berufliche Lektüre für dich?

Alles. Das ist vielleicht eine blöde Antwort, aber ich interessiere mich wirklich fast für alle Themen, wenn ein Artikel, ein Essay oder ein Buch gut geschrieben ist. Und man weiß ja vorher nie so genau, was einen am Ende inspiriert.

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Ich mag amerikanische Sachbücher, weil die so bekömmlich geschrieben sind – im Moment lese ich „Lawrence in Arabia“ von Scott Anderson. Ansonsten gerne deutsche Gegenwartsliteratur. Briefwechsel, Klassiker und Poesie eher in homöopathischen Dosen.

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

Vor kurzem habe ich, durch eine Freundin, ein neues Tool entdeckt: Instapaper. Ich leide unter der sehr typischen zeitgenössischen Krankheit, immer zu viele Tabs offen zu haben, von denen ich dann denke, dass ich sie später lese. Instapaper speichert Artikel zum „später lesen“ für mich und ich darf endlich das Tab zu machen. Außerdem schicken sie einem einmal pro Woche eine E-Mail mit den „Most Saved Articles“ und da sind oft sehr interessante Sachen dabei.

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Gar nicht. Mein Smartphone ist mir zu klein, um darauf zu lesen und ein Tablet kann und will ich mir nicht leisten. Auf dem Computer lese ich einiges, aber wenn es wichtig ist, dass ich mir merke, was da steht, wird auch das ausgedruckt.

Welche Rolle spielen Leseempfehlungen/Links durch Soziale Netzwerke?

Manchmal denke ich: Eine viel zu große. So entsteht nämlich die riesige Anzahl an offenen Tabs. Auf der anderen Seite ist es auch toll, über Twitter und Facebook habe ich schon Artikel gelesen, die ich wahrscheinlich selbst nicht gefunden hätte. Schön finde ich auch, dass man dann als Konsument fast ein wenig „Markenunabhängiger“ wird. Wenn der Artikel gut ist, ist es auch egal, auf welcher Webseite ich mich befinde.

Wer sind deine LieblingsautorInnen (Buch, Zeitung, Magazin)?

Bei Autoren lege ich mich nicht so gerne fest, aber in den letzten paar Jahren mochte ich Bücher und Texte von: Rainald Goetz, Florian Illies, Olga Grjasnowa, Marie-Luise Scherer, Daniel Kehlmann…. Ach, die Liste ist zu lang!

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Etwas zu verpassen, ist ja nicht mehr so ein großes Problem, weil man alles streamen kann. Ich muss zugeben, dass ich ziemlich abhängig von amerikanischen Serien bin. Die ganze Bandbreite, von Trash bis zu „Qualitätsfernsehen“: Game of Thrones, House of Cards, Orange is the New Black, Girls, Made in Chelsea und so weiter und so fort. Radio: Deutschlandfunk und NPR.

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Ich lese auf jeden Fall sehr viel mehr am Computer als früher. Bücher trotzdem immer auf Papier. Außerdem war ich vier Jahre in den USA, wo es zu meinem Sonntagsritual gehört hat, stundenlang die Sunday New York Times zu lesen. Das fällt jetzt leider weg, die ist nämlich so schwer, dass man sie in Deutschland tatsächlich nicht bekommt.

Theresia Enzensberger wurde 1986 in München geboren und lebt und arbeitet jetzt in Berlin. Sie studierte Film und Filmwissenschaft am Bard College in New York. Sie schreibt als freie Journalistin unter anderem für die FAZ, DIE ZEIT, das ZEITmagazin, Vice, Monopol, 60pages und Clustermag. Seit 2014 ist sie Herausgeberin des BLOCK Magazins. Auf Twitter: @enzensberger_t

Foto: privat

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Krautreporter ist ein tägliches, digitales Magazin für die Geschichten hinter den Nachrichten. Werbefrei, gemacht für das Internet, gegründet von seinen Lesern. 25 Journalisten haben sich zusammengetan, um dieses Experiment zu wagen.

Die Kampagne läuft vom 13. Mai bis 13. Juni 2014. Nur wenn wir innerhalb eines Monats mindestens 15.000 Abonnenten finden, geht Krautreporter online.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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