Wolfgang Michal: Mein Medien-Menü (Folge 20)

Geschrieben von am 16/07/2012 in Was ich lese mit 3 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche: der Journalist Wolfgang Michal – in der bislang umfangreichsten Folge, und erstmalig seriös per Sie.

Wie informieren Sie sich morgens als erstes?

Eigentlich reicht mir ein Blick zum Wecker. Dann wieder umdrehen. Kein Radio. Keine Nachrichten. Nur wenn ich wirklich sehr früh aufstehen muss, schalte ich das Radio ein. Und merke, dass man von den ständigen Nachrichten-Wiederholungen, den Politiker-Interviews, diesem Muntermacher-Geschwätz und dem Musik-Gedudel schon um sieben Uhr so zugedröhnt ist, dass man eigentlich keine Lust mehr hat auf die Welt und wieder ins Bett will. Also Radioverbot!

Wenn ich nicht früh aufstehen muss (was, wenn ich schreibe, die Regel ist), werfe ich beim Frühstück einen Blick in die „Süddeutsche“. Ich lese zuerst das „Streiflicht“ und die Headlines und blättere dann die Zeitung von hinten nach vorne durch. Irgendwann, ich weiß nicht mehr wann, habe ich angefangen, Zeitungen von hinten nach vorne zu lesen. Ich bin der Georg Baselitz unter den Zeitungslesern.

Seit etwa zwei Jahren wird meine tägliche Lektüre der „Süddeutschen“ durch das iPad ergänzt (das aber meist von einem anderen Familienmitglied besetzt gehalten wird). Am Schreibtisch lese zuerst Mails und surfe dann ein bisschen, wobei ich „Spiegel Online“ absichtlich vermeide. Einen Feed-Reader nutze ich aus ästhetischen Gründen nicht, weil ich die Texte nicht in einer langen bleiernen Kolonne, sondern in ihrem typischen Umfeld sehen will. Feed-Reader sind für mich protestantischer Extremismus (davon später mehr).

Welche Zeitungen/Magazine haben Sie im Abo oder lesen Sie regelmäßig?

Ich wohne auf dem Land, 40 km südlich von Hamburg. Das heißt, die Post kommt bei uns erst nachmittags. Mit der Post kommen die „FAZ“ und der „Freitag“ (die „Süddeutsche“ kommt schon morgens um 5 durch einen Austräger!). Es passiert allerdings häufiger, dass gleich mehrere „FAZ“-Ausgaben in unserem Postkasten stecken. Die Post rationalisiert zurzeit ihren Zustellungsrhythmus.

Da meine Frau ebenfalls Journalistin ist, liegt bei uns extrem viel Papier herum, in allen Zimmern. Natürlich die gute alte Triade „Zeit“, „Spiegel“, „stern“; dann die komplette „GEO“-Gruppe, das halbe Gruner & Jahr-Programm, „New Yorker“, „The New York Times Book Review“, die „Blätter“, verschiedene Medienmagazine, Greenpeace, Naturschutzbund, Fotomagazine. Nicht zu vergessen: das Elbe-Geest-Wochenblatt, ein Anzeigenfriedhof mit Kurzberichten, in denen noch immer „fleißig das Tanzbein geschwungen“ wird, die Feuerwehr „Stubentiger“ aus Baumkronen rettet und beim Schützenfest „der Bär steppt“. Medienmäßig leben wir in zwei extrem weit auseinander liegenden Epochen. Es gibt immer noch kein vernünftiges Lokalblatt in Nordniedersachsen. Auch nicht online. Das Hamburger Abendblatt ist zwar dick, aber viel Fünftel des Platzes sind zugemüllt mit überflüssigem PR-Kram. In der „Lüneburger Landeszeitung“ oder im „Winsener Anzeiger“ steht ebenfalls nichts von Belang. Die „taz“ lese ich nicht. Im Gegensatz zu vielen Kollegen finde ich sie absolut entbehrlich. Manchmal kaufe ich mir ein Exemplar am Bahnhof und ärgere mich dann wieder über den dünnen Inhalt und das grässliche Deutsch.

Wenn die Papier-Stapel bei uns zuhause zu hoch werden, sortiere ich widerstrebend aus. Ich stelle mich vor die blaue Tonne und rufe feierlich: „Ihr ungelesenen Zeit-Dossiers, ihr nichtssagenden Seite-3-Geschichten, ihr nichtsnutzigen Wochenendbeilagen, hiermit übergebe ich euch dem Dunkel der Tonne!“ Alle Zeitschriften bringe ich dagegen zu unseren Nachbarn, wofür wir Erdbeeren und grüne Bohnen bekommen. Die GEOs heben wir natürlich auf (wie schon die Lego-Steine: für unsere Enkel). Leider brechen die Billy-Regale unter der Last immer wieder zusammen.

 

Was lesen Sie auf Reisen?

Ich nehme meistens ein, zwei Bücher mit, lese aber selten mehr als ein paar Seiten. Zu heiß, zu faul. Einzige Ausnahme: Im Zug. Meiner Frau habe ich ein Kindle geschenkt – selbst ausprobiert habe ich es aber noch nicht.

Im Ausland kaufe ich gern Zeitungen. Da ich die Sprache (in der Regel) nicht beherrsche, lese ich halt das Lay-Out. Man erfährt sehr viel über ein Land, wenn man sich ansieht, wie seine Zeitungen aufgebaut sind. Ich gehe auch gern in Buchhandlungen. Ich gehe so gern in Buchhandlungen, dass ich über meine Lieblingsbuchhandlung (Heinrich Heine, Hamburg) sogar schon eine Hymne verfasst habe. Ich kann mich stundenlang in Bahnhofsbuchhandlungen oder Bibliotheken herumdrücken.

Bereits in meiner Schulzeit trafen wir uns jeden Nachmittag in der Würzburger Stadtbibliothek (Rokoko!), wo wir fast unsere ganze Freizeit verbrachten. Diese Bibliothek war Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre unter ihrem Leiter Karl-Heinz Pröve die fortschrittlichste Präsenzbibliothek Deutschlands. Man konnte in irgendeiner Ecke der labyrinthisch angeordneten Räume zwischen den Regalen auf dem Boden sitzen und ungestört lesen. Wir haben von dort Sporttaschen voller Bücher weggeschleppt, manchmal hatte ich 50 Bücher gleichzeitig entliehen, H.C. Artmann, Ernst Bloch, Ludwig (!) Marcuse, Fotografie-Lehrbücher, Bücher über psychedelische Pilze, Camus, Ionesco, Tucholsky, Karl Valentin, Karl Kraus, Sigmund Freud. Die Bücherei führte sogar eine druckfrische Ausgabe von Arno Schmidts Monumentalwerk „Zettel’s Traum“ (die man aber nicht ausleihen durfte). Zuhause haben wir dann Helmut Qualtinger, Gerhard Bronner und Georg Kreisler rezitiert oder Biermann-Lieder gesungen. Ich erinnere mich daran, weil ich gerade ein Buch lese, das ich damals, vor 40 Jahren, schon mal gelesen habe: Bertrand Russells „Die Philosophie des Abendlands“. Russell zählte zu den Helden meiner Jugend, er war Mitorganisator des Vietnam-Tribunals, scharfer Kritiker des Christentums (was im kirchenreichen Würzburg überlebensnotwendig war), ein echter Charakterkopf. Souverän, frei und völlig unwissenschaftlich bringt dieser knochentrockene britische Humorist den deutschen Idealismus (inklusive Platon und Sokrates) down to earth. Vergleichbar eigentlich nur mit dem Fußballspiel zwischen den griechischen und deutschen Philosophen in „Monty Pythons Flying Circus“. Das Buch ist 1950 gedruckt, in einen ochsenblutroten Einband gefasst, hat schweres, inzwischen vergilbtes Papier, viele Bleistift-Unterstreichungen und jenen süßlich-mild-muffigen Geruch, den man inhalieren kann, wenn man die Nase zwischen die Seiten steckt. Trotzdem ist es mir völlig egal, auf welchem Material ich etwas lese. Die Frage Online oder Print hat mich nie interessiert.

 

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Ihnen wichtig?

Ich scanne zu politischen Themen meist die Seiten von tagesschau.de, ZEIT Online, dradio.de und nzz.ch (letztere seit dem öden Relaunch allerdings weniger gern); für die Wirtschaft: ftd.de, handelsblatt.com, fürs Feuilleton: perlentaucher.de, bildblog.de und nachtkritik.de, fürs Netz: rivva.de, für alles mögliche: meine Twitter-Timeline und telepolis für die neuesten YouTube-Filmchen.

 

Welche Blogs lesen Sie?

In meiner Menüleiste stehen ungefähr 70 Blogs. 50 davon sind Karteileichen. Die meisten habe ich seit Monaten nicht mehr gelesen, manche klicke ich irgendwann aber wieder an. Meine Vorlieben wechseln. Ich finde derzeit vor allem die Wirtschaftsblogs (blicklog, egghat’s blog, Gärtner’s Blog, Herdentrieb, Lost in Europe etc.) interessant, weil hier der größte Kontrast zu den gedruckten Medien möglich wäre (allerings nicht konsequent genug genutzt wird). Interessant sind die Juristen-Blogs (internetlaw, lawblog, kanzleikompa etc.), weil sich hier Fachwissen und argumentative Leidenschaft paaren. Die rein netzpolitischen Blogs (netzpolitik, netzwertig, neunetz etc.) finde ich zu eng fokussiert. Ihnen würde es gut tun, mal über den Tellerrand hinaus zu blicken. Hin und wieder zieht es mich zu Randerscheinungen wie „Der Umblätterer“, einem gewitzten Feuilleton, oder zu den „Berlinfolgen“ von 2470media.

Am liebsten lese ich Autoren, die eine Handschrift erkennen lassen – auch wenn sie komplett anderer Meinung sind als ich. Es müssen auch keine Edelfedern sein (die journalistischen Stilformen sind durch die vielen Journalistenpreise längst korrumpiert); es müssen Leute sein, die noch echte Fragen haben und Antworten suchen, die gut argumentieren, Kompliziertes verständlich ausdrücken, an einem Thema dranbleiben, ein bisschen Rechtschreibung beherrschen und nicht völlig humorfrei sind. Leute wie Johnny Häusler z.B. (Spreeblick), einer der sympathischsten Blogger überhaupt. Wenn Don Alphonso nicht so ein Kotzbrocken gewesen wäre, hätte man auch ihn ins Herz schließen können, er stand sich am Ende aber selbst im Weg. Vermutlich war er netzmüde (was ich verstehen kann). Bei der FAZ ist er gut aufgehoben. Da kann er – seiner Bestimmung folgend – von handgeklöppelten Schnabeltassen schwärmen. Diese Kultivierung des Snobistischen, vielleicht auch des Weltbürgers, fehlt im Netz. Es gibt wenig Charakterköpfe (was auch daran liegen mag, dass Vernetzung ein gutes Gegengift gegen isoliertes Querkopfdenken ist). Manche versuchen zwar hin und wieder einen Rant, aber thematisch kommen sie über GEMA und Leistungsschutzrecht selten hinaus.

Gern lese ich die NachDenkSeiten. Die sind zwar äußerlich furchtbar altmodisch (und haben eine feste politische Weltanschauung), aber ihre Schreiber sind alles helle Köpfe. Neugierig bin ich immer wieder mal auf Wiesaussieht, weil dort Hans Hütt und Frank Lübberding ihren politischen Schabernack treiben. Auch das Blog von Michael Seemann (ctrl+verlust) – er ist der Groucho Marx des Netzes – bringt immer Leben in die Bude und Leute auf die Palme. Manchmal lese ich Stefan Niggemeier (der ein begnadeter Polemiker ist. Seinen Hang zur Yellow- und Boulevardpresse kann ich aber nicht nachvollziehen) oder Thomas Knüwer (der ein ganz großartiger Erzähler sein kann) und Sascha Lobo (der sicher ein Spitzbube und Till Eulenspiegel ist, aber für einen „Werbefuzzi“ unerhört kluge Gedanken äußert). An Mario Sixtus bewundere ich die enorme Zahl der Follower und die Durchschlagskraft seiner Tweets. An den „Altpapier“-Autoren mag ich die gelassene Ironie der Medienbetrachtung. Phantastische Urheberrechtler sind die Leute von „iRights.info“, großartige Köpfe haben die „Netzpiloten“. Felix Schwenzel ist einer der wirklich Unabhängigen, und Christoph Kappes ist eine Klasse für sich. Thematisch sind mir viele Blogs aber zu eng. Vom Leistungsschutzrecht habe ich nun wirklich genug gelesen. Auch erstaunt mich, dass mir die Gallionsfiguren des Chaos Computer Clubs so wenig sagen – was wahrscheinlich an mir liegt. Oder am CCC-Klüngel. Peter Glasers skurrile Netzverweise finde ich grandios. Leider sind sie aufmerksamkeitsökonomisch etwas unterbewertet. Auch Klaus Jarchows Sargnagelschmiede kann ich sehr empfehlen (er ist immer dann gut, wenn er seine Neigung zur Brachial-Polemik im Zaum hält und das sprachliche Florett nimmt). Michalis Pantelouris pflegt einen außergewöhnlich ein- und mitnehmenden Magazinstil im Netz. Das ist sehr eigener Ton, den nur wenige so perfekt und trickreich beherrschen, Constantin Seibt vielleicht noch oder Friedemann Karig oder – räusper – Christoph Koch. Vermutlich habe ich einige der Besten sogar vergessen – was in meinem Alter nichts Ungewöhnliches ist.

Damit komme ich zu einer Leerstelle. Seit Jahren suche ich nach guten Blogs von Frauen (auch im Hinblick auf Carta), aber es gibt verdammt wenig (ich nenne mal als ‚lonesome cowgirls’ Vera Bunse, Christiane Schulzki-Haddoutti oder Heike Rost). Die meisten schnappt einem eh der Charmeur und Chefeinwickler der FAZ, Frank Schirrmacher, weg. Das hat er von Reich-Ranicki übernommen.

 

Was ist wichtige berufliche Lektüre für Sie?

Ich habe fast mein ganzes Berufsleben für Magazine oder Wochenzeitungen geschrieben. Das heißt, ich bin Generalist. Ich habe kein Spezialgebiet und muss mich immer wieder in neue Sachgebiete einarbeiten. Was ich unglaublich gern mache. Seit 25 Jahren schreibe ich für die GEO-Gruppe, heute nicht mehr so intensiv wie früher. Sie können sich denken, warum: Die Gelenke! Das Herz! (Mehr darüber in meinem Buch „Warum Männer nicht altern“, dtv). Außerdem gehöre ich zu den Autoren, die sich ungern redigieren lassen – was verärgerte Redakteure als divenhaftes Verhalten auslegen. Obwohl das Wort „Autor“ ja den Hinweis enthält: Lasst ihn gefälligst, wie er ist! Das war für mich ein wichtiger Grund, 2006 ins Netz zu emigrieren. Heute, nach sechs Jahren, habe ich mich in dieser „neuen Welt“ eingelebt, auch wenn ich feststellen muss, dass die digitale „New Frontier“ absolut kein Paradies ist. Ich wollte aber den Bruch. Die Hierarchie in den Redaktionen, das Tauziehen zwischen Redakteuren und Autoren, das Duftmarken setzen in den Texten anderer – das ist mir mehr und mehr auf die Nerven gegangen. Ich glaube, es würde dem deutschen Journalismus gut tun, wenn jeder Autor von Zeit zu Zeit eine Mir-reicht’s-Phase durchmachen würde. Das lockert die Muskulatur und man schreibt wieder unverkrampfter. Vor allem: schneller!

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Für mich ist beruflich bedingte Lektüre immer das Erschließen eines (mir) unbekannten Sachgebiets, eines (mir) unbekannten Menschen oder einer (mir) unbekannten Gegend. Da ich thematisch kein Spezialist bin, sondern Allesfresser, interessiert mich auch (fast) alles, was mir angeboten wird. Ob es Evolutionspsychologie ist oder Neuropsychoimmunologie, ob es ein Kuckucksvater ist oder Richard III., ob es um eine Schnupftabakfabrik geht oder um die politischen Umtriebe in der Ukraine. Wenn ich früher sagte: Ich habe keine Ahnung davon, ich kann das nicht, dann sagten die Redakteure: Prima, das ist die beste Voraussetzung! Das verblüfft einen – und es schmeichelt einem natürlich. Journalisten sind leicht zu beschwatzen. Ich habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass ein Autor bei einem selbst vorgeschlagenen Thema oft viel zu viel will und die Geschichte dann in den Sand setzt. Redaktionen sind weniger misstrauisch und nickelig, wenn sie ein Thema selbst vorgeschlagen haben. Dann kümmern sie sich auch darum, dass es bald ins Heft kommt. Auftragsjournalismus funktioniert einfach besser. Die eigenen Herzensangelegenheiten sollte man nicht an Magazine verschenken. Womit ich wieder bei Ihrer Frage bin: Berufliche Lektüre ist für mich das Dok-Material, das ich für einen Auftrag lesen muss.

 

Welche Art von Büchern lesen Sie am liebsten?

Atlanten. Oder Statistiken. In einem Statistischen Jahrbuch kann man sich verlieren. Früher habe ich mir oft einen Brockhaus-Band genommen und mich von Stichwort zu Stichwort treiben lassen. Das sind kleine Abenteuerreisen. Man weiß nie, wo man hinkommt. Man liest über Dinge, von denen man nie im Leben gedacht hätte, dass sie einen interessieren könnten. Das war Surfen in der analogen Welt. Heute mache ich das Gleiche mit Wikipedia (auch wenn es immer noch Kollegen gibt, die über Wikipedia die Nase rümpfen). Wikipedia und Wikimedia und wie all diese wunderbaren Wiki-Projekte heißen, sind echte Menschheitsunternehmen. Die hätten den Friedensnobelpreis verdient. Ansonsten lese ich gern Bücher zur Zeitgeschichte, auch politische Streitschriften und Biographien, zuletzt die kleine Shakespeare-Biographie von Alan Posener. Die meisten Bücher kaufe ich im Modernen Antiquariat. Da kosten sie ein Jahr nach Erscheinen nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Preises.

 

Welches Buch hat Sie in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Wenn ich ehrlich bin: Das Urheber- und Verlagsrecht, 14. Auflage 2012, Beck-Texte im dtv. Ein Wahnsinnswerk. Ein echter Knüller. Zu Recht schon in der 14. Auflage!

 

Welche Apps/Tools/Programme helfen Ihnen, informiert zu bleiben?

DRadio, TagesschauApp, die Google-Recherche-Tools, DB Navigator, Weather HD, TripAdvisor, nichts Besonderes also. Die meisten Tools halten einen eh nur vom Selberdenken ab.

 

Wie viel lesen Sie auf dem Smartphone, Tablet o.ä.?

Auf dem iPhone lese ich nur wenig, weil mir der Bildschirm zu klein ist. Ich beschränke mich auf Mails und Tweets. Auf dem iPad lese ich dagegen mehr. Das ist schon ein großartiges Gerät. Wenn sie bei Apple jetzt auch noch das Lesen bei grellem Licht in den Griff kriegen! Allerdings verführt das iPad auch zur Ablenkung, zum Spielen, wobei ich nur die einfachen Spiele mag, nicht diesen hochkomplexen Egoshooter-Kram. Also Angry Birds, Super 7, Air Hockey, Tischtennis, Schach.

 

Welche Rolle spielen Leseempfehlungen/Links durch Soziale Netzwerke?

Ich bin weder bei Facebook noch bei Google+. Twitter nutze ich dagegen sehr gern. Twitter ist ideal für den schnellen Witz, für Schlagfertigkeit, es ist dem Aphorismus und der Originalität viel zugänglicher. Außerdem befolge ich alle „Lesebefehle“.

 

Von wem oder was fühlen Sie sich dort besonders gut informiert?

Es gibt bei Twitter unglaublich viele Leute, die 24 Stunden online sind. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, melden die nach 2 Minuten: Hey, in China ist ein Sack Reis umgefallen und verlinken auch gleich das Bild vom umgefallenen Reissack und dazu noch die ersten Einschätzungen der chinesischen Twittergemeinde. Grandios, oder? Das ist Schwarmschnelligkeit. Wenn man seine Timeline regelmäßig scrollt, weiß man ungefähr, was „draußen“ los ist. Twitterer sind wahnsinnig belesen, müssen nicht viel arbeiten und sind meistens witzig. Offenbar können Frauen mit diesen Tweets mehr anfangen als mit Blogs. Es gibt jedenfalls wesentlich mehr Frauen bei Twitter. Womit das zu tun hat, weiß ich nicht. Vielleicht erklärt’s mir mal eine(r).

 

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die Sie möglichst nie verpassen?

Ja, die Schlussminuten der „Sendung mit der Maus“ – wenn „Shaun das Schaf“ kommt. Und dann die Anfangsminuten des „Presseclubs“, aber nur um zu sehen, welche Kollegen ich abschalten kann. Da ich ein Abendarbeiter bin und nach dem Arbeiten manchmal noch ein bisschen „abhängen“ will, kommt mir die Entwicklung des Deutschen Fernsehens sehr zugute: Die besten Sendungen laufen bei ARD und ZDF definitiv zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens. Sidney Pollack-Filme aus den Achtzigern z.B. oder Steven Soderberghs Che Guevara.

 

Wie haben sich Ihre Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Da ich katholisch aufgewachsen bin, war ich immer mehr an Bildern interessiert als an Worten. Die Wortgläubigkeit der Protestanten ist mir suspekt. Durch das Internet lese ich definitiv zu viel. Wie sagt der Ethno-Psychoanalytiker Paul Parin? „Die Weißen denken zu viel“. Das Internet, das muss man mal so deutlich sagen, folgt einer klaren protestantischen Ethik. Wie der Kapitalismus. Die beiden passen wirklich gut zusammen. Max Weber hätte seine Freude am Internet gehabt.

 

Wolfgang Michal ist freier Journalist und Buchautor („Einsame Klasse, warum Männer nicht altern“) sowie Gründungsmitglied des Journalistenverbandes Freischreiber und des Magazins Magda. Er ist Mitherausgeber von carta.info und bloggt unter wolfgangmichal.de.

Foto: privat

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Disclosure: Mit vielen der Menschen, die hier in “Was ich lese” ihre Mediengewohnheiten vorstellen, bin ich befreundet oder zumindest leidlich bekannt.

 

 

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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3 Leserkommentare

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  1. Logbuch: 21. Juli 2012 « Schichtstufen | 21/07/2012
  1. Stefan sagt:

    Wunderbarer Beitrag. In der Länge genau richtig. :)

  2. Marc sagt:

    Sehr schön. Sehr viele Sätze dabei, die man sich anstreichen möchte. Oder vielleicht ausdrucken und aufhängen. Aber sowas macht man ja nicht mehr. Trotzdem: Danke für den Text.

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