Airdrop bis Ragpull: Was ist was im Web3?

Geschrieben von am 29/04/2022 in brand eins mit 0 Kommentare

Von Airdrop bis Rugpull, vom Bored Ape Yacht Club bis zur Passion Economy – die schöne neue Welt des Web3 ist voller Slang und Fachbegriffe.

1000 wahre Fans

Konzept, das erstmals 2008 in einem Essay des »Wired«-Gründers Kevin Kelly beschrieben wurde. Er rechnet vor, dass ein erfolgreicher → Creator kein Millionenpublikum brauche. Stattdessen genügten „1000 True Fans“. Voraussetzung: Der Creator schafft es, mit jedem Fan pro Jahr durchschnittlich 100 Dollar umzusetzen. Von dieser Summe kommt so gut wie alles bei ihm oder ihr an, weil keine Plattenfirmen oder Buchverlage zwischengeschaltet sind. Stattdessen verfügt der Creator über einen direkten Kontakt zu seinem Publikum.

In einer Abwandlung von Kellys ursprünglichem Konzept wird inzwischen auch von „100 True Fans“ gesprochen. Diese Zahl an Anhängern ist demnach ausreichend, wenn jeder von ihnen 1000 Dollar pro Jahr für die Arbeit des Creators zahlt (also rund 83 Dollar pro Monat statt rund 8 Dollar bei den 1000 Fans). Die Inhalte müssten in diesem Fall allerdings hochwertiger sein, so die Investorin und Start-up-Beraterin Li Jin, die das Konzept der „100 wahren Fans“ im Jahr 2020 beschrieb. Im Idealfall liefern sie einen greifbaren Wert und Nutzen für die →Unterstützer.

Airdrop

Als Airdrop bezeichnet man das Verteilen von Kryptowährungen oder →NFTs an ausgewählte Personen. Oft werden Airdrops als Werbung eingesetzt, um auf eine neue Kryptowährung oder neue NFTs aufmerksam zu machen. In manchen Fällen ist die Zuwendung (bei der es sich meist nur um kleine Beträge handelt) an Bedingungen geknüpft. So müssen die Empfänger etwa Werbung für das Projekt auf Social Media gemacht haben (Bounty Airdrops) oder eine bestimmte Menge an bekannten Kryptowährungen wie →Bitcoin oder →Ethereum besitzen (Holder Airdrops).

Beeple

Der US-Künstler mit dem bürgerlichen Namen Mike Winkelmann wurde bekannt, als das Auktionshaus Christie’s im März 2021 sein Werk „Everydays: The First 5000 Days“ als NFT versteigerte und einen Preis von mehr als 69 Millionen Dollar erzielte. Das Kunstwerk, dessen Online-Auktion zwei Wochen dauerte, besteht aus 5000 zusammengefügten digitalen Einzelbildern, von denen Winkelmann über den Zeitraum von mehr als 13 Jahren täglich eines im Netz veröffentlicht hatte. Der Käufer, zunächst nur unter dem Pseudonym MetaKovan bekannt, ist der indische Krypto-Unternehmer Vignesh Sundaresan. Aktuell ist Winkelmanns Werk das drittteuerste, das jemals von einem lebenden Künstler verkauft wurde, hinter Jeff Koons’ „Rabbit“ und David Hockneys „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“. Winkelmann kommentierte das plötzliche Interesse an seinem Werk mit den Worten „Die traditionelle Kunstwelt fragt sich: ,Wer ist dieser Junge?‘ – aber ich habe auch 1,8 Millionen Follower auf Instagram.“

Bitcoin

Die wohl bekannteste Kryptowährung wurde zwischen 2007 und 2008 von einem unbekannten Programmierer (oder einer Programmiererin) mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto erschaffen. Ihre Erfindung wird oft als Reaktion auf die damalige Finanzkrise interpretiert. Die Währung funktioniert unabhängig von Staaten, Zentralbanken oder anderen Finanzinstitutionen und basiert auf der Blockchain-Technik. Als Zahlungsmittel sind Bitcoins aufgrund ihrer hohen Volatilität und langsamen Transaktionszeiten eher ungeeignet, sie dienen vor allem als Spekulationsobjekt. Die maximale Menge an Bitcoins ist auf 21 Millionen begrenzt, derzeit sind ungefähr 18,9 Millionen im Umlauf. Rund zehn Prozent der Maximalmenge können also noch digital geschürft werden.

Bored Ape Yacht Club (BAYC)

Bekannte NFT-Sammlung auf der →Ethe-reum-Blockchain. Die 10 000 Bilder zeigen Comic-Affen mit insgesamt 170 unterschiedlichen Merkmalen wie Kopfbe- deckungen, Brillen oder Kleidung. Durch deren unterschiedliche Kombination sehen die Affenbilder zwar ähnlich aus, doch keine zwei sind identisch. Der Ausgabepreis im April 2021 lag bei 0,08 Ether (damals knapp 160 Euro). Inzwischen werden die BAYC-NFTs für Hunderttausende Dollar verkauft, der Rekord liegt bei 2,9 Millionen. Yuga Labs, die Firma hinter BAYC, veröffentlichte weitere NFT-Samm- lungen wie Mutant Ape Yacht Club oder Bored Ape Kennel Club. Die Firma wird betrieben von Internet-Millionären, deren Identität mittlerweile bekannt ist: Greg Solano and Wylie Aronow.

Cameo

Online-Plattform, auf der Künstler, Sportlerinnen und andere Prominente gegen Honorar personalisierte Audio- und Videobotschaften anbieten. Ein Gruß der Skateboard-Legende Tony Hawk kostet beispielsweise um die 220 Euro, einer des Tiktok-Stars Tabitha Brown mehr als 400 Euro.

Creator

Als Creators oder Content Creators werden Menschen bezeichnet, die digitale Inhalte (wie Musik, Bilder, Texte oder Videos) im Internet veröffentlichen. Manchmal wird der Begriff auch enger gefasst. Er bezeichnet dann jene Publizisten, die sich im Gegensatz zu Influencern nicht über Werbung oder Sponsoren finanzieren, sondern durch direkte Zahlung ihrer Fans. Anders als die traditionellen Kreativen, die auf Intermediäre wie Verlage, Plattenfirmen oder Galerien angewiesen waren, treten sie oft in direkten Kontakt mit ihrem Publikum und erhalten einen größeren Anteil der Umsätze. Selbst wenn sie Plattformen wie →Substack, →Patreon, →Onlyfans oder →Steady zur Abwicklung ihrer Transaktionen nutzen, müssen sie meist nur zwischen 5 und 20 Prozent der Umsätze an diese abgeben. Bei Buchverlagen oder Musik-Labels entspricht das eher dem Anteil, der für sie übrig bleibt.

DAO (Dezentralisierte autonome Organisation)

Eine DAO ist eine Organisation, die nicht durch Führungskräfte gesteuert wird, sondern durch Abstimmungen und die Regeln eines für alle einsichtigen Computercodes. Diese Regeln, oft auch als Smart Contracts bezeichnet, sollen eine hierarchiefreie Zusammenarbeit erlauben. DAOs basieren auf der Blockchain-Technik, häufig auf der Plattform →Ethereum. Dort werden alle Regeln und finanziellen Transaktionen festgehalten, was die DAO unbestechlich machen soll. Meist gibt die Organisation sogenannte Tokens aus, mit denen die Beteiligten das Recht erwerben, in Abstimmungen Einfluss auf die Arbeit der DAO zu nehmen.

Theoretisch kann jedes Mitglied Vorschläge machen. Ein prominentes Beispiel war die ConstitutionDAO – eine Gruppe, die sich im November 2021 zusammentat, um gemeinsam eine der 13 Originalausgaben der US-Verfassung zu ersteigern. Der „Finanz-Flashmob“ sammelte 47 Millionen Dollar ein, wurde aber am Ende überboten und erstattete das eingesammelte Geld – abzüglich →Gas Money – zurück. Zunächst erfolgreicher war die Gruppe Spice DAO. Diese legte Geld zusammen und ersteigerte eine gedruckte Ausgabe des unverfilmten Dune-Drehbuchs aus dem Jahr 1975 samt Konzeptionsstudien von Kultregisseur Alejandro Jodorowsky. Das Digitalkollektiv zahlte 2,66 Millionen Euro statt des geschätzten Wertes von rund 30 000 Euro. Anschließend wollte die Gruppe eine Animationsserie drehen – basierend auf dem Drehbuch. Allerdings war der Gruppe nicht klar, dass sie mit dem Erwerb des physischen Drehbuchs und der Konzeptstudien aus dem Jahr 1975 noch längst nicht die Urheberrechte an deren Inhalt erworben hatte.

Decentraland

Auf der VR-Plattform namens Decentraland wird virtuelles Land gehandelt. Seit Februar 2020 stehen rund 90 000 3D-Parzellen zur Verfügung, erworben werden sie mit der Kryptowährung Mana. Auf den Grundstücken können digitale Gebäude errichtet werden. Im Oktober 2021 fand in der virtuellen Welt ein Musikfestival mit bekannten Künstlerinnennd Künstlern statt.

Ethereum

Ether ist nach Bitcoin die bekannteste Kryptowährung. Die dahinterstehende Plattform, das Ethereum-Netzwerk, bietet allerdings viele Möglichkeiten, die über die reine Währungsfunktion hinausgehen – wie beispielsweise dezentrale Apps (DApps) und Smart Contracts (→DAO). Die meisten NFT-Projekte basieren auf der Ethereum-Blockchain. Diese funktioniert wie Bitcoin nach dem Prinzip Proof of Work, bei dem mit hohem Stromaufwand komplexe Rechenaufgaben gelöst werden müssen, um Transaktionen in der Blockchain zu bestätigen.

Ein Wechsel auf das effizientere Proof-of-Stake-Verfahren, das mit weitaus weniger Rechenpower und Energieverbrauch auskommt, wird immer wieder angekündigt, wurde bislang aber nicht umgesetzt. Der Nachteil dieses Verfahrens: Halten wenige Akteure große Anteile, kann das zum Nachteil kleiner Anleger sein. Große Akteure halten die Stimmenmehrheit und damit die Kontrolle über die Entwicklung der Blockchain. Dies widerspricht dem Dezentralisierungsgedanken sowie der Idee, dass eine Blockchain von vielen kleinen Akteuren getragen wird.

Weiterlesen auf brandeins.de
Text: Christoph Koch
Foto: Zoltan Tasi / Unsplash

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, GEO, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Die Vermessung meiner Welt" & "Your Home Is My Castle") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

Abonnieren

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, lassen Sie sich über ähnliche informieren.

RSS-Feed abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Top