About Two Boys: Nick Hornby und Ben Folds machen gemeinsam Musik

Geschrieben von am 21/02/2011 in Wollt grad sagen mit 0 Kommentare

Wenn Pop auf Literatur trifft, entsteht oft Popliteratur. Oder Literaturpop, wie bei der Begegnung von Ben Folds und Nick Hornby. Der singende Pianist und der Feelgood-Autor haben gemeinsam das charmante Album „Lonely Avenue“ geschaffen.

Wissen Sie noch, wann Sie zum ersten Mal vom jeweils anderen gehört haben?

Folds: Mein Label schenkte mir Nicks Roman „High Fidelity“, als ich zum ersten Mal in England auf Tour ging. Sie sagten, das sei eine gute Vorbereitung darauf, wie die Leute in London so tickten.

Hornby: In dem Moment, in dem Ben anfing, meine Bücher zu lesen, fing ich an, seine Musik zu hören. Ich war auf dem Konzert in London bei seiner ersten Tour.

Folds: Ich wäre wahnsinnig nervös gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass er im Publikum war. Alle meine Freunde lasen damals „High Fidelity“.

Wie haben Sie sich schließlich kennengelernt?

Folds: Nick brachte ein paar Jahre später das Buch „31 Songs“ heraus, mit Essays über eben seine 31 Lieblingslieder. Er lobte vor allem die großartigen Texte und hatte auch ein Lied von mir ausgewählt. Dummerweise genau das einzige, bei dem ich den Text nicht selbst geschrieben hatte.

Hornby: Das war aber keine böse Absicht.

Folds: Also klärte ich ihn in einer E-Mail über diese Tatsache auf.

Hornby: Und als er mich später fragte, ob ich Lust hätte, Texte für ein Album zu schreiben, sagte ich sofort Ja.

Folds: Bald kamen die ersten E-Mails. Da merkte ich: Mann, der Typ ist schnell.

Sind Sie jetzt Freunde?

Folds: Die Freundschaft ergab sich durch das Arbeiten. Wir sind beide nicht so die Kumpeltypen, wir gehen eher in unserer Arbeit auf. Am Anfang hätte ich nicht mit Nick befreundet sein können.

Wieso nicht?

Folds: Er hat so viel über Musiker in seinen Büchern geschrieben; ich hätte Angst gehabt, dass er mir sagt, was für ein wandelndes Klischee ich bin. Aber jetzt kenne ich ihn und merke, wie ähnlich wir uns sind: Wir lieben Musik, wir haben jeweils drei Kinder, wir sind uns oft einig, wie wir die Dinge sehen.

Sie waren keinen einzigen Tag gemeinsam im Studio oder auch nur am selben Ort. Wie arbeitet es sich so?

Folds: Für mich war es hilfreich, denn ich musste mich zwingen, einen Song wirklich fertigzustellen, bevor ich ihn Nick mailte. Normalerweise sage ich im Studio wahnsinnig oft: „Ach, da kümmere ich mich später drum“ – aber Nick schickte mir ja schließlich auch keine halb fertigen Texte, also wollte ich auch keine halb fertige Musik zurücksenden.

Mister Hornby, was haben SIe durch die Zusammenarbeit über das Schreiben gelernt?

Hornby: Ich habe gelernt, welche Vokale Sänger hassen – über so was macht man sich beim Schreiben ja sonst eigentlich keine Gedanken.

Welche Vokale sind das?

Folds: E und I – versuchen Sie als Mann mal, diese Vokale lang und laut zu singen, ohne dass es komplett bescheuert klingt.

Das Album „Lonely Avenue“ von Ben Folds und Nick Hornby ist bei Nonesuch Records / Warner Music erschienen.

Interview: Christoph Koch
Erschienen in: GQ

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

Abonnieren

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, lassen Sie sich über ähnliche informieren.

RSS-Feed abonnieren Fotos auf Instagram Bei Google Plus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top