Klickenswert (3): Koch-Blogs und die ewige Mär vom „Stromberg-Erfinder“

Geschrieben von am 25/03/2009 in Wollt grad sagen mit 4 Kommentare

Relativ unerträglich ist es ja auch, wie sich ProSieben-Gagschreiber Ralf Husmann im Zuge seiner neuen Comedy „Der kleine Mann“ überall einmal mehr als „der echt mal obereinfallsreiche Stromberg-Erfinder“ feiern lässt. Denn jeder, der die BBC-Serie „The Office“ kennt, weiß: Schamloser als Husmann und ProSieben kann man nicht klauen. Sehr angenehm und souverän dagegen, dass diese Dreistigkeit dem „einzig wahren Stromberg-Erfinder“ Ricky Gervais im NEON-Interview nur einen knappen (allerdings sehr guten) Witz wert ist.

Die Show läuft in einem halben Dutzend Ländern. Von Frankreich bis Brasilien. Nur die Deutschen wollen nicht bezahlen. Die haben das Format einfach geklaut. Seltsam. Es ist eigentlich nicht die Art der Deutschen, sich etwas zu nehmen, was ihnen nicht gehört.

Übrigens: Bitte keinesfalls von dem grauenhaften Plakat des neuen Gervais-Films „Ghost Town“ abschrecken lassen, das aussieht wie 100 fade Romantic Comedys zuvor (Parkbank, hellblaue Skyline, jedes Klischee abgehakt)! Der Film ist sehr gut – es kann also fast nur eine Frage der Zeit sein, bis ProSieben mit einer ähnlichen Idee um die Ecke kommt …

PS: Was ja die wenigsten wissen – Ricky Gervais war eine Weile Manager der britischen Popgruppe Suede („So Young“, „She’s In Fashion“) – laut seiner Aussage so ziemlich genau bis ganz ganz kurz bevor sie erfolgreich wurden…

Kochblogs? Wollen doch nur mit meinem Namen das schnelle Geld machen!

Es muss nicht immer chefkoch.de sein, wenn man auf der Suche nach einem Rezept ist, um a) die besuchende Verwandtschaft zu beeindrucken b) die Reste im Kühlschrank wegzuzimmern oder c) sich an einem verregneten Sonntag Kurzweil zu bereiten. Wohin man auch schaut: private Kochblogs. Besonders gut gefallen mir „Halbe Flamme“ (wo eine in Spanien geborene Wahlberlinerin hervorragendes Brot backt) und „Maisonrant“ (wo ein gelernter Koch zeigt, wie man sich auch mit Privatküche und Dayjob schmackhaft und gut ernähren kann). Disclaimer: Beide Blogbetreiber kenne ich persönlich. Was jedoch nur beweist, dass sie tatsächlich was draufhaben. Ich setz mich doch nicht bei jemandem an den Tisch, bei dem es nicht schmeckt…

Da es aber natürlich nur ein wahres Kochblog geben kann, hier mein bescheidener Beitrag zum neuen Trend „Im Internet aufschreiben, was es offline so zum Essen gab“:

Le Käseigel

80 Spieße kömnnen nicht irren...

80 bunte Spieße können nicht irren…

Zutaten:

  • 80 Plastikspieße
  • Käsewürfel, Weintrauben, Apfelschnitze, Cornichons, etc. (insgesamt 240 Stück)
  • Alufolie
  • Ein halber Kohlkopf
  • Ein Donnerstag Abend (Fachleute wissen: „Topmodel“-Zeit)
  • Eine Gruppe weiblicher Gäste (inkl.großer Schaumweinvorräte)
  • Ein defekter Fernseher (genauer gesagt: defekter Kabelanschluss)

Zubereitung:

  • Den halbierten Kohlopf mit Alufolie einwickeln und mit den bunt garnierten Spießen bepieksen.
  • Um 20:10 Uhr den defekten Fernseher einschalten und vor Schreck erstarren.
  • Die Gäste, den Schaumwein und den Käseigel eilig zu demjenigen Gast schleusen, der am nächsten wohnt
  • Dabei die beinahe weinende Nachbarin, deren kabelanschluss ebenfalls nicht funktioniert und die um 20:13 klingelt, trösten

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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4 Leserkommentare

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  1. natalika sagt:

    Hui, welch eine Ehre! Eine Erwähnung im einzig wahren Kochblog (der Kalauer fällt mir erst jetzt auf, herrje, ich werde alt, oder langsam, oder beides)…
     
    Ahaha, ich sehe schon: Ihr seid auch Fans von „den Mädchen“, sehr gut, sehr gut!

    Und jetzt renne ich zu „Maisonrant“ und lasse mich inspirieren. Hach…

  2. Heimo sagt:

    Hatte interessanterweise vor einigen Tagen den selben Gedanken zu chefkoch.de und der beeindruckenende Menge an Rezepten. Die zwei hier aufgelisteten Blogs sind sehr individuell und schön erzählt. Genauso wie der Käseigel.

  3. Oliver sagt:

    Danke für die Verneigung vor Ricky Gervais und The Office. Genau so ist es.

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