In Filmen und Serien sieht man es immer wieder: Familienangehörige verstreuen die Asche eines Verstorbenen in einem Fluss. Lassen sie von einem Berg aus vom Wind verwehen. Oder stellen sich Großmutters Urne auf das Kaminsims, wie in der US-Komödie „Meine Braut, ihr Vater und ich“. Darin befördert der Hauptdarsteller Ben Stiller die Urne beim Besuch seiner Schwiegereltern in spe versehentlich mit einem Champagnerkorken zu Boden. In Deutschland hätte ihm das nicht passieren können. Hierzulande herrscht der sogenannte Friedhofszwang: Verstorbene müssen an einem Ort beigesetzt werden, der als Friedhof ausgewiesen ist. Das können zwar inzwischen auch Wälder sein – wovon Firmen wie FriedWald profitieren –, aber die Urne auf dem Kaminsims oder das Verstreuen im Vorgarten bleibt verboten. Was wäre, wenn der Friedhofszwang in Deutschland aufgehoben würde?

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„Es gibt schon jetzt einige Leute, die die Pflicht umgehen“, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Aeternitas, die rund um das Thema Trauerfall berät und sich für eine Erneuerung der Bestattungskultur einsetzt. „Eine nicht bestimmbare Zahl von Urnen wird heimlich wieder nach Deutschland gebracht, nachdem die Urne zur Beisetzung legal ins Ausland transportiert und den Angehörigen dort ebenfalls legal wieder ausgehändigt wurde.“ Bei einer Abschaffung des Friedhofszwangs müssten Menschen nicht mehr auf solche illegalen Methoden ausweichen. Drastische Strafen muss allerdings auch derzeit niemand fürchten, der sich eine Urne ins Wohnzimmer stellt: Der Verstoß gegen die Friedhofspflicht ist lediglich eine Ordnungswidrigkeit. „Wer erwischt wird, muss die Urne ordnungsgemäß auf einem Friedhof beisetzen und in einigen Bundesländern eventuell noch ein Bußgeld zahlen“, sagt Helbach.
Durch Trend zur Feuerbestattung immer überflüssiger
Offiziell eingeführt wurde die Pflicht im Jahr 1934. Damals wurden kaum Leichen verbrannt, und aus hygienischen Gründen sollten die Verstorbenen nicht im Vorgarten verbuddelt werden. „Bei Ascheresten ist das überholt, die weisen keine bedenklichen Rückstände auf“, sagt Norbert Fischer, ein auf Bestattungen spe- zialisierter Kulturhistoriker. 76 Prozent der Verstorbenen werden hierzulande inzwi- schen verbrannt. In Ostdeutschland und in Großstädten ist der Anteil noch höher.

Befürworter der derzeitigen Regelung befürchten, dass der Friedhof seine Bedeutung als zentraler Ort der Trauer verlieren könnte. Diese Gefahr sieht Alexander Helbach nicht: „Deutschland steht mit seiner Friedhofspflicht nahezu allein da – und trotzdem gibt es in anderen Ländern noch immer Friedhöfe.“ Allerdings gehen den deutschen Trägern Einnahmen verloren, wenn die Beisetzungen woanders stattfinden. „Etwa zwei Drittel der deutschen Friedhöfe werden von Kommunen betrieben, ein Drittel von Kirchen“, sagt Helbach. „Sie spüren schon jetzt zunehmenden finanziellen Druck.“ Zum einen aufgrund der Konkurrenz durch private Bestattungswälder, zum anderen, weil die Gebühren für Urnengräber deutlich niedriger seien. Friedhöfe seien deshalb bereits jetzt eher ein Zuschussgeschäft, sagt Helbach. „Aber das kann kein Argument sein, die Pflicht beizubehalten.“ Ein Friedhof könne auch eine Oase der Ruhe sein, eine Heimat für Tiere und Pflanzen – und gerade in dicht bebauten Großstädten eine wichtige Grünfläche.
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Text: Christoph Koch
Foto: Tom Wheatley auf Unsplash





Eine Oase für Tiere? – Welche Tiere? Der Friedhof, auf dem meine Eltern ruhen, ist von einem hohen Zaun eingezäunt; 2 der vorhandenen Tore schließen sich automatisch, das 3. Tor ist auf Dauer verschossen.
Die Tiere, die dort leben sollen, habe ich noch nie gesehen, nicht mal eine Ameise. Es wird dauernd gemäht, die Grabpflege verhindert jeden Aufenthalt für etwaige Tiere.
Ich bin für uneingeschränkte Freigabe von Urnen an die Hinterbliebenen, wenn diese sich darum bemühen. Auch sollte die Plicht zum Kauf eines hölzernen Sarges zu Einäscherung aufgehoben werden. Auch da könnte man Alternativen finden. Ich bin auch schon fast im Sterbealter und werde mein bestes tun, dieses ganze Prozedere der Bestattungskultur zu umgehen.
Ich habe vor kurzem die einfachste Form der Beisetzung für meine Mutter gewählt (Urne auf Vaters Grab/Doppelgrab ohne Kirche). Für den billigsten Holzsarg (620,00 €) + Grabstelle (600,00 €); obwohl diese von meinen Eltern vor 14 Jahren für 30 Jahre gekauft wurde … u. anfallende Nebenkosten nur durch das Bestattungsinstitut (ohne Anzeige, Briefe etc.) schon fast 4.000,00 € bezahlen müssen. Inschrift für den Stein wären noch mal mind. 1.000,00 €; dafür habe ich eine Alternative für ca. 300.000 € gefunden. Ich werde mich sputen, um meinen Kindern diese finanzielle Belastung zu ersparen und wünsche mir, daß es auch bei uns in Deutschland bald möglich sein wird, die Asche, die ohnehin nur ein kl. Teil des anfallenden Brandrestes ist, dort verstreuen oder einbuddeln zu können, wo ich es mir vorab wünsche und es keinen stört.
Liebe Frau Hesse, vielen Dank für Ihren Kommentar. Friedhöfe, wie Sie sie beschreiben, kenne ich auch. Wo zwischen Kieswegen und Steinplatten kein Halm wachsen darf geschweige denn ein Tier Unterschlupf findet. Es gibt aber zum Glück auch andere. Ich bin beispielsweise in der Berliner Innenstadt überrascht, wie großzügig und baumreich manche Friedhöfe sind. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall noch viele gesunde Jahre!