Was wäre, wenn … uns das Lithium ausginge?

Geschrieben von am 01/06/2022 in brand eins mit 0 Kommentare

Praktisch jeder Gegenstand, der über eine moderne wiederaufladbare Batterie verfügt, enthält das Alkalimetall Lithium. In einem Laptop sind es ungefähr sechs Gramm, in einem Smartphone bis zu drei, für den Akku eines Elektroautos werden oft mehr als zehn Kilogramm benötigt.

Nicht nur die Elektromobilität boomt – auch sonst werden immer mehr Geräte mit wiederaufladbaren Stromspeichern produziert. Daher fürchten manche, dass Lithium in den kommenden Jahren knapp werden könnte. Was wäre, wenn uns der Rohstoff wirklich ausginge?


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Lithium wird aus Salzseen und Gestein gewonnen und hat die Eigenschaft, sehr gut Strom und Wärme zu leiten. Neben der Herstellung von Akkus wird das Alkalimetall vor allem in der Glas- und Keramikproduktion verwendet, zum Beispiel bei Kochfeldern oder Brandschutzgläsern. Im Jahr 2018 sei die Hälfte des Stoffes für Akkus und etwa ein Drittel für die Glasproduktion verwendet worden, sagt Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur Dera. „Mittlerweile gehen etwa 73 Prozent des Lithiums in die Akkuproduktion, bis 2025 könnten es rund 90 Prozent sein.“

200 Gramm Lithium pro E-Bike

Lithium-Ionen-Akkus haben sich aus mehreren Gründen gegenüber anderen Batteriearten wie Nickel-Cadmium-Akkus durchgesetzt: Zum einen haben sie eine höhere Energiedichte und eine längere Haltbarkeit. Außerdem gibt es bei ihnen keinen Memory-Effekt – sie müssen also nicht komplett geladen und entladen werden, um ihre Kapazität zu erhalten.

Rund 80 Prozent des Lithiums, das für Akkus verwendet wird, wird in E-Autos verbaut, zunehmend aber auch in E-Bikes und E-Rollern. Ein Rad mit Elektroantrieb benötigt etwa 200 Gramm des Elements.
Derzeit wird der Rohstoff fast komplett importiert, vor allem aus Australien und Chile. 73 Prozent des weltweit gehandelten Lithiums stammt aus diesen beiden Ländern, nur ein bis zwei Prozent aus europäischen Vorkommen. Im Jahr 2018 wurden in Australien 26 100 und in Chile 16 000 Tonnen gefördert. Diese Duopol-Situation könnte sich allerdings ändern – sowohl in Spanien als auch in Deutschland wird der Abbau des Metalls geprüft.

Es gibt unterschiedliche Schätzungen, wie groß die weltweiten Rohstoffvorkommen sind. Michael Schmidt sagt: „Die gesicherten Reserven liegen bei 20 Millionen Tonnen. Von weiteren 90 Millionen wissen wir, aber es ist derzeit nicht wirtschaftlich, sie abzubauen.“ Das größte Lithiumvorkommen befinde sich in der bolivianischen Salzwüste Salar de Uyuni – der genaue Umfang sei aber nicht bekannt. Geologisch gesehen, sei das Metall keine knappe Ressource, sagt Schmidt. „Es wird uns nicht ausgehen. Die Frage ist eher, wie viel es uns wert ist, es zu fördern. Der Abbau hat immer einen Preis – wirtschaftlich und ökologisch.“

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Text: Christoph Koch
Foto: Alexander Schimmeck / Unsplash

Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, GEO, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Die Vermessung meiner Welt" & "Your Home Is My Castle") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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