Was wäre, wenn … wir mit unseren Smartphones abstimmen könnten?

Geschrieben von am 22/04/2021 in brand eins mit 0 Kommentare

Ein Szenario.

Wir nutzen unsere Smartphones inzwischen für fast alles – aber bei einer Wahl abstimmen können wir damit nicht. Dabei gefiele es sicherlich vielen, ihre Stimme bequem vom Sofa aus abzugeben, gerade in Zeiten der Pandemie. In Deutschland gibt es seit 1957 die Möglichkeit, per Briefwahl abzustimmen. Aber was wäre, wenn wir auch mit unserem Smartphone wählen könnten?


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An der notwendigen Software arbeiten bereits mehrere Firmen. Zu den bekannteren gehören Voatz aus Massachusetts und Scytl aus Barcelona. Sie und andere Befürworter von Online-Wahlen argumentieren, dass so mehr Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen würden. Denn die Stimmabgabe per Smartphone sei für viele eine Erleichterung: für Ältere, Menschen mit Behinderung oder solche, die nicht mobil genug sind, um zum Wahl- lokal zu fahren. Auch Wahlberechtigte im Ausland werden oft genannt.

„Ich möchte nicht kleinreden, dass es für diese Menschen eine Herausforderung sein kann, ihre Stimme abzugeben“, sagt Warren Stewart. Der Amerikaner beschäftigt sich von Berlin aus für den US-Thinktank Verified Voting mit dem Thema Abstimmungssicherheit. „Ich bin selbst ein Wahlberechtigter, der im Ausland lebt. Aber für diese Fälle gibt es die Briefwahl. Es ergibt keinen Sinn, sie durch eine absolut unsichere Wahlmethode zu ersetzen.“

Sicherheit ist der mit Abstand größte Einwand, wenn es um Online-Wahlen geht. Kritiker befürchten, dass Stimmen auf dem Weg zur digitalen Urne abgefan- gen und verändert werden könnten – oder dass Hacker das Auszählsystem manipulieren. Mit Schadsoftware könnten Smartphones etwa so beeinflusst werden, dass sie eine andere Stimme abgeben, als vom Wähler gewollt. Oder man lotst Menschen damit auf falsche Websites – mit dem Ergebnis, dass ihre Stimmen nicht gezählt werden.

Im System von Voatz, das bereits bei Pilotprojekten in vier US-Bundesstaaten getestet wurde, fanden Experten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) gravierende Sicherheitslücken. Unter anderem war es ihnen möglich, vom Wähler unbemerkt Stimmen zu manipulieren.

Ähnlich war es bei einem System, das die Firma Scytl gemeinsam mit der Schweizerischen Post entwickelt hatte. Dieses sollte 2019 bei den Schweizer Parlamentswahlen zum Einsatz kommen. Doch das Team der kanadischen Sicherheitsexpertin Sarah Jamie Lewis fand eine Möglichkeit, durch eine sogenannte Backdoor auf die Stimmen zuzugreifen und diese zu manipulieren. Nachdem dies be- kannt geworden war, fanden die Wahlen ohne Online-Stimmabgabe statt. Pikant: Das System war laut der Schweizerischen Post zuvor dreimal von der Zertifizierungs- stelle für elektronische Wahlsysteme der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG getestet worden.

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Text: Christoph Koch
Foto: Mika Baumeister / Unsplash

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, GEO, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Die Vermessung meiner Welt" & "Your Home Is My Castle") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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