Der perfekte Plan: Amsterdam Schiphol

Geschrieben von am 21/07/2008 in SZ-Magazin mit 1 Kommentar

Nur Fliegen? Ist eben nicht schöner. Es gibt Flughäfen, die so angenehm sind, dass man eigentlich nie mehr abheben möchte

Amsterdam-Schiphol ist zwar nicht der größte Flughafen Europas, aber wer in den Urlaub fliegt, darf froh sein, wenn es über Schiphol statt über Heathrow in die Ferne geht. Denn in Holland werden nicht nur weniger Koffer verschlampt – die Zeit, die man am Flughafen verbringen muss, kommt einem auch weniger wie eine Gefängnisstrafe vor.

Amsterdam Schiphol

Amsterdam Schiphol

Die Sitzplätze sind gemütlicher (Liegestühle!), die Internetverbindung besser (null Euro!) und das Freizeitangebot beschränkt sich nicht auf ein schlecht gefälschtes Irish Pub, sondern bietet neben einem Kunstmuseum und einem Casino sogar Trauungen auf der Rollbahn an.

Selbst Übervielflieger wie der Chef des Monocle-Magazins Tyler Brûlé finden hier ihr Glück: Der ehemalige Herausgeber des Magazins Wallpaper hatte sich vor einiger Zeit halb im Scherz für eine separate Vielflieger-Schlange bei der Sicherheitskontrolle ausgesprochen. In Schiphol ist das Realität: Wer bereit ist, einen Scan seiner Iris speichern zu lassen (und eine Jahresgebühr von 199 Euro entrichtet), kann bei jedem Schiphol-Flug an den Wartenden vorbeigehen. Das Einzige, was man als Durchreisender vielleicht vermissen mag, ist eine Terrasse, auf der man kerosinschweren Wind schnuppern kann.

Ansonsten ist der Abflug- und Transferbereich vom Designer Paul Mijksenaar so übersichtlich und elegant gestaltet worden, dass man traurig ist, wenn man weitermuss. Weil einen die Lautsprecherstimme in ebenfalls weltweit einzigartiger Strenge zum Gate mahnt: »Gehen Sie sofort zum Gate! Sie verzögern den Flug! Wir werden als nächsten Schritt Ihr Gepäck ausladen!«
***

TIPPS:

Rijksmuseum: Das weltweit erste Museum in einem Flughafen bietet eine permanente Kollektion sowie wechselnde Ausstellungen. Holland Boulevard zwischen Gate E und F.

Restaurant Bubbles: Austern und eine exzellente Weinauswahl statt Pappsandwiches und Tomatensaft. Lounge 1.

Holland Casino: An fünf Spieltischen und über 100 Automaten  kann das Geld für die nächste Reise er- oder verzockt werden. Holland Boulevard zwischen Gate E und F.

Baby Care Lounge: Durchgestylte Oase der Ruhe, in der Eltern ihre Babys baden, füttern oder einfach schlafen lassen können. Holland Boulevard zwischen Gate E und F.

Yotel: Luxuriöse Schlafwaben mit Flatscreen und Nasszelle lassen – stundenweise gemietet – auch den Ärger über einen verschobenen Flug verrauchen. Ab Herbst 2008, Obergeschoss Lounge 2, nahe Gate D, www.yotel.com.

Privium: Vielflieger können bei diesem Vorreiterprogramm mithilfe eines Iris-Scans und gegen 119 Euro Jahresgebühr an fast allen Schlangen und Sicherheitskontrollen vorbeischlendern. Service-Punkt am Holland Boulevard zwischen Gate E und F.

Back to Life Aqua Massage: 36 Wasserdüsen kneten die vom Langstreckenflug verschobenen Knochen wieder zurecht, bevor es weitergeht. Holland Boulevard zwischen Gate E und F, backtolife.nl.

Hochzeit: Ob auf dem Rollfeld oder dem Dach des Flughafengebäudes: Der Weg in die Flitterwochen war nie kürzer. Beliebtester Spot ist allerdings das Restaurant Dakota, Obergeschoss Abflüge 1, www.schipholweddings.nl.

Text: Christoph Koch
Erschienen in: SZ-Magazin
Foto: Jessica Braun

Den Plan, für den ich leider nicht die Rechte besitze, kann man sich hier ansehen.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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