50 Werke der Dopingkultur

Geschrieben von am 12/07/2007 in Die Zeit mit 0 Kommentare

Nicht nur Radfahrer dopen. Sondern auch Künstler, Erfinder und Politiker. Eine kleine Kulturgeschichte der Leistungssteigerung. Von Marcus Aurelius bis Robbie Williams.

1. Die Glühbirne
von Thomas Alva Edison
Der amerikanische Erfinder mied harte Getränke, um seinen Verstand nicht zu trüben. Er sprach dem Vin Mariani zu, einem Gemisch aus Kokablättern und Wein.

2. Der Schrei
von Edvard Munch
Ständige innere Unruhe und Angst trieben den Maler zu Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Rudebox

3. Rudebox
von Robbie Williams
Nach seinem Ausstieg bei der Boygroup Take That waren es zuerst Kokain und Alkohol, die den Popsänger zu zwei Entziehungskuren zwangen. Zuletzt brauchte er vor allem legale Aufputschmittel: Er trank täglich viel zu viele doppelte Espressi.

4. Die Moulin-Rouge-Plakate
Von Henri de Toulouse-Lautrec
Der Montmartre-Maler war dem Alkohol und insbesondere dem Absinth so verfallen, dass heute noch eine Sorte nach ihm benannt ist.

5. Dr. Jekyll und Mr. Hyde
von Robert Louis Stevenson
Der englische Schriftsteller hat seinen Roman über die Schizophrenie des Menschen unter Kokaineinfluss geschrieben, angeblich in nur sechs Tagen. Die Droge war ihm zunächst gegen einen chronischen Katarrh verschrieben worden.


6. Die Selbstbetrachtungen
von Marc Aurel
Der für seine stoische Ruhe bekannte Kaiser und Philosoph (121 bis 180) erreichte diesen Zustand angeblich auch durch regelmäßigen Opiumkonsum.

7. Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen
von Martin Kippenberger
„Er war wie ein Vampir an allen Hälsen“, beschreibt die Künstlerin Charline van Heyl den Maler und Bildhauer Martin Kippenberger, der sein Leben von frühester Jugend an mit Alkoholexzessen und Drogenpartys beschleunigte.

8. Der große Gatsby
von F. Scott Fitzgerald
Alkohol wurde für ihn zu einem immer wichtigeren Bestandteil seines Lebens. Seine Frau verlor darüber ihren Verstand – er schrieb darüber einen Roman.

9. 20.000 Meilen unter dem Meer
von Jules Verne
Das Arbeitspensum von häufig mehreren Romanen pro Jahr bewältigte der Franzose ebenfalls mit Hilfe des aufputschenden Vin Mariani.

10. Der Vulkan
von Klaus Mann
Klaus Mann verarbeitete in seinem Buch „Der Vulkan – Roman unter Emigranten“ seine Abhängigkeit von Opium.

11. Das Nachtcafé
von Vincent Van Gogh
Eines der letzten Bilder vor seinem Alkoholentzug, dem er sich in Arles unterzog.

12. Der Zug war pünktlich
von Heinrich Böll
Die Arbeitswut des Schriftstellers wechselte sich mit Verstimmungen ab. Beidem versuchte er mit hohen Dosen von „Narkotika“ beizukommen, wie er Alkohol und Nikotin zu bezeichnen pflegte – das geht beispielsweise aus dem Briefwechsel mit seinem Kollegen Ernst-Adolf Kunz hervor.

13. No Woman, No Cry
von Bob Marley
Der jamaikanische Sänger und Song-schreiber ist der berühmteste Reggae-Künstler der Welt. Über seine eingängigen Lieder verbreitete er die Botschaft der Rastafari- Bewegung. Wie viele Rastafaris konsumierte Marley Cannabis aus religiösen und rituellen Gründen.

14. Jeder stirbt für sich allein
von Hans Fallada
Morphium bezeichnete der Schriftsteller als seine „einzige Geliebte“ – und beschrieb sie ebenso liebevoll: „Es ist so sanft, ein glücklicher Strom wallt durch meine Glieder dahin, in seinen Strömen bewegen sich alle kleinen Nerven zart und sacht wie Wasserpflanzen in einem klaren See.“

15. Der Graf von Monte Christo
von Alexandre Dumas
Der französische Schriftsteller berauschte sich ebenfalls gerne am Vin Mariani.

16. Die Mode
von Karl Lagerfeld
Der Hamburger Modeschöpfer nahm in den Jahren 2000 und 2001 innerhalb von 13 Monaten über 40 Kilogramm ab. Seit dieser Zeit trinkt Karl Lagerfeld jede Stunde eine Cola Light – insgesamt rund drei Liter täglich.

17. Arabella
von Richard Strauss
Der Dirigent und Komponist der Spätromantik schrieb Opernarien unter Kokain-Einfluss, zum ersten Mal war er bei einer Operation in einem Krankenhaus mit der Droge in Berührung gekommen.

18. Die Psychoanalyse
von Sigmund Freud
Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus begann der Arzt sich mit der Wirkung von Kokain zu beschäftigen, verfasste nach Selbstexperimenten das Buch „Über Coca“. In Briefen an seine Verlobte Martha Bernays und seinen Kollegen Wilhelm Fließ gab Freud zu, jahrelang massiv Kokain konsumiert zu haben.

19. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
von Walter Benjamin
Der deutsche Philosoph; Gesellschaftstheoretiker und Literaturkritiker gilt als stets gemäßigter Cannabisraucher.

20. Besuch auf Goldenholm
Von Ernst Jünger
Ernst Jünger, der schon früh mit Drogen wie Äther, Kokain und Haschisch experimentierte, unternahm später auch zahlreiche LSD-Selbstversuche mit dem Entdecker der Droge, Albert Hoffmann. Neben der Erzählung „Besuch auf Goldenholm“ ist vor allem sein Essay „Annäherungen“ von den Erfahrungen mit der chemischen Droge geprägt.

21. Les Enfants Terribles
von Jean Cocteau
Der französische Schriftsteller, Regisseur, Maler und Choreograf war lange Jahre drogenabhängig, unterzog sich sechs Entziehungskuren, bevor er zu dem Schluss kam: „Trotz allem, was ich erlitten habe, bleibe ich bei meiner Überzeugung, dass das Opium gut ist.“

22. Apple-Computer
von Steve Jobs
In einem Interview sagte der Apple-Gründer: „LSD zu nehmen war eine der zwei oder drei wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben.“ Möglich, dass es ohne diese Erfahrungen seine Computer nie gegeben hätte.

23. Die Mode von
Donatella Versace
Im Alter von 32 Jahren probierte die italienische Designerin nach eigenen Angaben zum ersten Mal Kokain, danach sei sie 18 Jahre lang abhängig gewesen.

24. Die US-Präsidentschaft
von John F. Kennedy
Aufgrund von Krankheiten im Kindesalter und Kriegsverletzungen wurde John F. Kennedy zeit seines Lebens von seinem Arzt mit einer Kombination aus Steroiden, Testosteron, Codein und Amphetaminen behandelt.

25. Das Gesamtwerk
von Eminem
„Wenn ich Reime schreibe, rauche ich Gras oder nehme Tylenol oder Muskelentspanner oder irgendwas, damit die Story ins Rollen kommt. Oder Ecstasy“, erklärt der US-Rapper, der eine Tätowierung des Schmerzmittels Vicodin trägt. Ich habe zwei Songs auf Ecstasy geschrieben.

26. Die Gedichte
von Heinrich Heine
Der romantische Dichter glaubte, sich bereits während seines Studiums mit Syphilis infiziert zu haben, Biografen gehen heute eher von Multipler Sklerose aus. Um die Schmerzen zu ertragen, nahm Heine größere Dosen Morphium.

27. Das verräterische Herz
von Edgar Allen Poe
Nach mehreren schweren Schicksalsschlägen in der Familie wandte sich der Schriftsteller dem Alkohol und der Opiumtinktur Laudanum zu, verliert infolge des Drogenkonsums Auftraggeber und seine Verlobte.

28. O Nacht
von Gottfried Benn
In dem Gedicht von 1916 beschreibt der Dichter die Wirkung der von ihm geschätzten Droge Kokain, zu der er als Militärarzt freien Zugang hatte: „O Nacht! Ich nahm schon Kokain, / und Blutverteilung ist im Gange, / das Haar wird grau, die Jahre fliehn, / ich muss, ich muss im Überschwange / noch einmal vorm Vergängnis blühn“

29. Das Leben
von Pablo Picasso
Picasso malte in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts nicht nur Absinth-Trinker, er war selber einer. Er experimentierte damals auch mit Morphium. Der Regisseur und Schriftsteller Jean Cocteau schreibt, Picasso habe zu ihm gesagt: „Der Geruch von Opium ist der am wenigsten dumme Geruch der Welt.“

30. Howl
von Allen Ginsberg
Der bekannte Beat-Poet war so begeistert von der Droge LSD, dass er alle Menschen in seinem Adress- buch davon begeistern wollte – vom Maler Willem De Kooning über den Jazzer Thelonius Monk bis zum Schriftsteller Jack Kerouac. Stetig forderte er die Legalisierung psychedelischer Drogen – das FBI legte ein umfangreiches Dossier über ihn an.

31. Hedda Gabler
von Henrik Ibsen
Wie viele seiner Zeitgenossen war der norwegische Schriftsteller ein großer Freund des Kokaingetränks Vin Mariani.

32. Smile
von den Beach Boys
Unter dem Einfluss von Marihuana und LSD stellt Brian Wilson, Komponisten-genie der Beach Boys, sein Klavier in eine Sandkiste, errichtet ein Indianertipi und nimmt seine Bandkollegen auf, während sie essen, um das Schmatzen in seine „Teenager-Symphonie an Gott“ einzubauen.

33. Das Spätwerk
von Jörg Immendorff
Als der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankte „Malerfürst“ im August 2003 mit Prostituierten und größeren Mengen Kokain erwischt wurde, gab er zu, die Droge schon seit Anfang der neunziger Jahre zu konsumieren.

34. Die Virgin Group
von Sir Richard Branson
Der englische Firmengründer und Milliardär Sir Richard Branson hat vor allem Marihuana und LSD konsumiert. Branson setzt sich immer wieder lautstark für die komplette Legalisierung aller Drogen ein. In seinen Läden der Kette Virgin Records, so Branson, würde er beispielsweise Marihuana verkaufen, wenn er dürfte, aber keinen Tabak.

35. Die erste explizite Sozial-Enzyklika der römisch-katholischen Kirche
von Papst Leo XIII
Der Papst (gestorben 1903) verehrte ebenfalls den Vin Mariani – so sehr, dass er ihn mit offiziellem Siegel versah und seinen Erfinder als „Wohltäter der Menschheit“ bezeichnete.

36. The Muse Bag
von Yves Saint Laurent
Um mit seinen Ängsten fertig zu werden, nahm der französische Modedesigner erst Beruhigungsmittel und später beinahe jede andere Droge, derer er habhaft werden konnte. Das sei seine Art, „das Leben schöner zu sehen, als es ist“.

37. Die Zauberflöte
von Wolfgang Amadeus Mozart
Mozart, schwer erkrankt, schluckte angeblich alles, was sein Vater ihm an Pulvern zurechtmixte, darunter auch Quecksilbersalze, Brechweinstein und sogar Arsen.

38. Delta of Venus
von Anaïs Nin
Die französische Schriftstellerin nahm LSD in der Praxis des Psychologen Oscar Janiger. Sie beschrieb die Wirkung so: „Worte können mit diesen Veränderungen nicht mithalten.“

39. Die Science-Fiction-Kurzgeschichten
von Philip K. Dick
Der Science-Fiction-Autor schrieb unter anderem die Vorlagen für Filme wie „Blade Runner“, „Minority Report“ und „Total Recall“. Sein Pensum von 36 Romanen schaffte der US-Autor vor allem mit der Hilfe von Speed. „Die Worte kommen aus meinen Händen, nicht aus meinem Gehirn“, erklärte er sein Schreibtempo von 80 bis 100 Wörtern pro Minute. Am Ende eines Projektes brach er häufig erschöpft zusammen.

40. Einer flog über das Kuckucksnest
von Ken Kesey
Der Autor der Romanvorlage für den preisgekrönten Film ließ sich von seiner Zeit als Versuchsperson für LSD an der Stanford-Universität inspirieren. Von den Einnahmen des Buchs kaufte sich Kesey eine Ranch in der Nähe von San Francisco und veranstaltete dort seine Acid-Tests genannten LSD-Verkostungen.

41. Es
von Stephen King
In seiner Autobiografie bekennt der US-Horrorautor, die ersten zehn Jahre nach seinem Durchbruch konstant betrunken gewesen zu sein, selbst als er die Grabrede seiner Mutter hielt. Bei mehreren seiner Bücher könne er sich an den Prozess des Schreibens gar nicht mehr erinnern. 1987 konfrontierte ihn seine Familie mit den Zeichen seiner Sucht: Bierdosen, Zigarettenstummel, Kokain, Valium, Hustensaft und Marihuana. King wurde clean.

42. Die Blumen des Bösen
von Charles Baudelaire
Der französische Autor bekämpfte mit Absinth die von der Syphilis verursachten Schmerzen und Schwindelgefühle.

43. Die Lehren des Don Juan
von Carlos Castaneda
Seine ersten Bücher schrieb der perua-nische Autor unter dem Einfluss von bewusstseinserweiternden Drogen wie Peyote und psylocibinhaltigen Pilzen.

44. Die menschliche Komödie
von Honoré de Balzac
Sein Psychiater versorgte den französischen Schriftsteller mit Opium und Haschisch. Im sogenannten Haschisch-Club trifft sich Balzac auch mit anderen Bohèmekünstlern, die den Drogen zugetan sind – wie zum Beispiel Flaubert, Nerval, Daumier und Baudelaire.

45. Alice im Wunderland
von Lewis Carroll
Lewis Carroll hat sehr wahrscheinlich Laudanum konsumiert, eine oft mit Zucker versetzte Opiumtinktur, die damals häufig gegen Schmerzen verschrieben wurde, in ausreichender Dosis genossen aber auch high machte.

46. Die Enneaden
von Plotin
Der griechische Philosoph Plotin (205–270), der sich stets „schämte, im Körper zu sein“, soll regelmäßig Opium konsumiert haben.

47. Der unsichtbare Dritte
mit Cary Grant
Über die beinahe hundert LSD-Trips, die ihm sein Psychiater in den 1950ern und 1960ern im Rahmen einer Psychotherapie verabreichte, äußerte sich Cary Grant stets äußerst positiv. Er habe dadurch Kindheitstraumata und Potenzprobleme überwunden. Einen Trip beschreibt er so: „Ich schien in eine Welt gesunder, rundlicher kleiner Babybeine in Windeln versetzt.“

48. Bird & Pres
von Charlie Parker
Der Saxofonist, Erfinder des modernen Jazz-Sounds, pendelte zwischen Heroin- und Alkoholabhängigkeit, bevor er im Alter von 34 Jahren verstarb. Der Arzt schätzte das Alter des Toten auf 50 bis 60 Jahre.

49. Hymnen an die Nacht
von Novalis
Vom „braunen Saft des Mohns“ schwärmte der Philosoph in seinem Gedichtzyklus „Hymnen an die Nacht“ – neben Opium konsumierte er auch Haschisch, Bittermandelöl und Wein.

50. Rubber Soul, Revolver und Sergeant Pepper‘s Lonely Hearts Club Band
von den Beatles
„Rubber Soul war das Marihuana-Album und Revolver das LSD-Album“, erklärte John Lennon einmal den Unterschied zwischen den beiden Platten. Auf „Sergeant Pepper“ wird der LSD-Einfluss schließlich noch größer. Es wurde ein Werk, das oft als bestes Album der Popgeschichte bezeichnet wurde.

Autor: Christoph Koch
Erschienen in: Zeit Magazin Leben

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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