Tilman Wagner: Mein Medien-Menü (Folge 72)

Geschrieben von am 24/03/2014 in Was ich lese mit 2 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü – diese Woche mit Innovation Manager Tilman Wagner.

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Wie informierst du dich morgens als erstes?

Klassisch, altmodisch über das Radio: Wenn ich morgens die Küche betrete, schalte ich das Gerät ein und lausche den bierernsten Nachrichtenstücken mit Hammondorgel-Intermezzo des Deutschlandfunks während ich für meine Freundin und mich Frühstück mache. Nach dem ersten Newsflash geht’s dann meist weiter zum lokalen Angebot (WDR2 oder Funkhaus Europa) oder übers Internet zum Morgenprogramm von Radio eins. Ist das Frühstück fertig bevor der Haartrockner im Bad verstummt, werfe ich auch manchmal noch einen ersten mobilen Blick auf meine E-Mails und Twitter-Timeline.

 

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Keine

 

Was liest du auf Reisen?

Für Urlaubsreisen kommt immer ein Softcover in die Seitentasche meines Rucksacks: Ein Krimi wie “Der nasse Fisch” von Volker Kutscher (ok, war Ausnahmsweise kein Softcover), ein Fantasie-Adventure à la Trudi Canavans “The Magicians’ Guild” oder ein fiktives Zeitreiseabenteuer von Jasper Fforde aus der Reihe “Thursday Next”. Hauptsache etwas, in das ich komplett eintauchen und alles um mich herum vergessen kann.

 

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Wenn ich denn gezielt nach allgemeinen Nachrichten schaue, dann immer auf den Seiten der Süddeutschen Zeitung oder der Tagesschau. Indirekt lande ich aber auch immer wieder bei Spiegel Online, der taz, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder auch internationalen Angeboten wie der New York Times.

 

Welche Blogs liest du?

Siehe berufliche Lektüre.

 

Was ist wichtige berufliche Lektüre für dich?

Meine favorisierten Blogs sind schwer von meiner beruflichen Lektüre zu trennen. Ich verbringe viel Zeit damit die Webseiten der journalistischen Think Tanks wie journalism.co.uk , poynter, IJNet oder dem Nieman Journalism Lab nach neuen Themen, Trends und Tools zu durchforsten. Auch Tech-News, Datenjournalismus und Visualisierung gehören genauso zu meinem Arbeitsalltag wie zum Privatvergnügen. Weshalb sich auch eagereyes, visual loop oder re/code in meinem RSS-Reader wiederfinden. Und dazwischen? Textperlen wie „Was ich lese – Mein Medien-Menü“! =)

Eigentlich nehme ich mir schon seit Jahren vor ein paar noch wenig bekannten, guten Bloggern zu folgen und mich über ihre spitzen Kommentare zu freuen, mal etwas zu kommentieren und sie weiterzuempfehlen. Aber bisher habe ich die Zeit dafür nicht gefunden. Auch wenn die Jungs & Mädels von ju!ced dem sehr nahe kommen – sie sind nur eigentlich für diese Kategorie schon zu bekannt.

 

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Wie sich schon aus der Urlaubslektüre entnehmen lässt, habe ich ein Faible für Krimis, aber auch Thriller (beides klassisch und modern), manche Fantasy-Reihen und Romane aus der fiktiven Ecke. Manchmal lasse ich mich aber auch zu real-historischen Schwarten, Bibliographien oder klassischer Literatur hinreißen. Bei Sachbüchern schaffe ich es einfach nicht, sie im Kopf aus der beruflichen Ecke zu nehmen – da fällt mir das Lesen auf der Couch oder im Zug eher schwer.

 

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Den „nassen Fisch“ von Volker Kutscher, den ersten Roman in seiner Gereon Rath Reihe, habe ich förmlich verschlungen. Kutscher schafft es einen spannenden und nur sehr selten etwas langatmigen Krimi so wunderbar detailliert auszuschmücken, dass man das Gefühl bekommt selbst mitten im Berlin der frühen 1930er Jahre zu stecken. Seinen Hauptkommissar skizziert er dabei sowohl sympathisch nahbar menschlich, und doch gleichzeitig abstoßend realistisch. Kann ich nur empfehlen – und plane schon den zweiten Band („Der stumme Tod“) für den nächsten Urlaub zu organisieren.

 

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

In erster Linie Twitter, für aktuelle News und Leseempfehlungen anderer. Meine eigenen Leseempfehlungen und längere Artikel fische ich mir aus meinem goodnoows RSS-Reader (etwas leistungsfähigere Alternative zu Feedly). Dort habe ich verschiedene Kategorien, die ich abwechselnd durchgehe. Alles, was in die Sparte tl;dr (für die Arbeitszeit) fällt, speichere ich in pocket und lese es später, abends oder am Wochenende. Für alles, was mich auch langfristig interessiert, nutze ich Evernote als persönliches PressClippings-Archiv.

 

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Da ich den Großteil des Tages an einem Desktop-Rechner sitze, und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, lese ich unter der Woche nur manchmal morgens ein paar Minuten oder am Abend etwas länger auf dem Handy oder Tablet. Am Wochenende dafür dann vornehmlich auf diesen zwei Geräten. Dabei bekommen längere Artikel, also z.B. Empfehlungen oder Nachrichten, den Vorzug auf dem Tablet, Mails konsumiere ich aber eher auf dem Smartphone.

 

Welche Rolle spielen Leseempfehlungen/Links durch Soziale Netzwerke?

Sind für mich nicht mehr wegzudenken, was an meiner Vorliebe zu Twitter liegt. Die meisten Schlagzeilen und auch Hintergrundinfos erreichen mich auf diesem Weg. Manchmal Frage ich mich, ob ich nicht etwas verpasse, gerade, wenn ich nicht so viel Zeit habe ständig meine Timeline zu verfolgen. Aber spätestens am Abend bei der Tagesschau merke ich, dass ich über die Empfehlungen meist sogar schon weitaus mehr erfahren habe.

 

Von wem oder was fühlst du dich dort besonders gut informiert?

Ein Großteil meiner Timeline besteht aus Beiträgen von Journalisten, denen ich direkt folge. Darunter sind große Namen wie Richard @gutjahr oder Karsten Lohmeyer (@LousyPenny), aber auch noch weniger bekannte aber ebenso folgenswerte Menschen wie z.B. @JUICEDaniel  oder @debooray. Insgesamt ist es die Mischung aus Personen, Organisationen und Retweets beider, die mir die Infos bringt, die mich interessieren, informieren, schmunzeln oder Stirnrunzeln lassen.

 

Gibt es tägliche oder wöchentliche Leserituale?

Außer die erste Stunde im Büro auf twitter zu verbringen – nein.

 

Wer sind deine LieblingsautorInnen (Buch, Zeitung, Magazin)?

Ich bin ein absoluter Fan von Jasper Fforde, einem britischen Schriftsteller und dem Erfinder der „Thursday Next“-Reihe. Wer auf fiktionale Parallelwelten inkl. Zeitreisen, Thriller-Elemente, (englischen) Wortwitz und unterschwelligen Humor steht ist hier bestens aufgehoben. Leider kommt die Serie nicht so schnell voran, wie ich sie lese.

 

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Die Tagesschau gehört bei mir fast jeden Abend zum Programm. Wenn nicht pünktlich um 20.oo Uhr, dann über die Internetfunktion des Fernsehers. Wenn sich’s ergibt werden es eher die Tagesthemen, die ich aufgrund ihrer ausführlicheren Berichterstattung bevorzuge. Allerdings stelle ich oft fest, dass ich die Schlagzeilen (und etliche Details) bereits mehrfach im Laufe des Tages gehört habe.

 

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Ich lese viel zwischendurch und unterwegs, wie wahrscheinlich viele Menschen mit Netzaffinität: An der Bushaltestelle, am Kaffeautomaten, in der Warteschlange, beim Arzt– immer wieder werfe ich einen Blick auf die aktuellen Nachrichten aus meiner FilterBubble. Bei klassischem Lesestoff bin ich dafür auf Binge-Reading umgestiegen: Wenn ich ein Buch anfange, lese ich es jetzt oft in einem Satz, ohne große Unterbrechungen, durch. Dafür bleibt dann vieles andere erst mal liegen.

Tilman Wagner arbeitet als Innovation Manager für die Deutsche Welle (@dw_innovation) im Bereich EU-Forschungsprojekte in Bonn. Seine Schwerpunkte sind Social Journalism, Storytelling, DDJ und UX/UI – worüber er auch regelmäßig tweetet. Außerhalb der Netzwelt ist er gerne richtig draußen unterwegs, auf dem Fahrrad, mit Wanderrucksack oder in Laufschuhen.

***

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Offenlegung: Mit einigen der Menschen, die hier ihre Mediengewohnheiten vorstellen, bin ich befreundet. Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links. Das bedeutet, ich bekomme im Fall eines Kaufs eine kleine Provision (natürlich ohne zusätzliche Kosten für den Käufer).

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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2 Leserkommentare

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  1. JUICEDaniel sagt:

    Sehr cooles Medien-Menü, hat Spaß gemacht zu lesen. Einiges wusste oder
    kannte ich noch gar nicht, obwohl ich dem twone2 ja schon seit geraumer Zeit
    auf Twitter folge :-) Von daher: Danke für dieses leckere Menü, das ich gerne
    verschlungen habe. Und danke natürlich auch an dich, Tilman, für die Empfehlung
    von JUICED!

    • Tilman sagt:

      Freut mich, dass es Dir gemundet hat, lieber JUICEDaniel – und schön, dass es noch das ein oder ander Unbekannte zu entdecken gab.

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