Heiko Bielinski: Mein Medien-Menü (Folge 60)

Geschrieben von am 30/09/2013 in Was ich lese mit 1 Kommentar

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü – diese Woche mit Heiko Bielinski, dem Mann, der NEON und Nido im Internet zusammenhält.

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Wie informierst du dich morgens als erstes?

Die Reihenfolge ist fast immer gleich:

  1. Twitter (die Liste mit Leuten, die ich kenne) und Instagram. Um zu sehen, wer es geschafft hat vor mir wach zu sein (meistens @dasnuf) oder wer am Tag davor wieder besonders lang weg war (meistens @wersglaubt).
  2. Die restliche Twittertimeline. Das genügt meistens um die ersten wichtigen News und Links des Tages mitzubekommen
  3. Meine RSS-Feeds. Normalerweise am iPhone im Reeder

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Meine Abos sind im Laufe der Jahre immer weniger geworden. Momentan kommt nur noch die c’t (Das Tolle daran, ist der kostenlose Zugriff auf alle alten Ausgaben im Digitalarchiv) per Post ins Haus (und das ADAC-Magazin, da schau ich mir aber nur schnell die Anzeigen an, ob’s was neues im Treppenliftbereich gibt, danach: Altpapier). Regelmässig unregelmässig am Kiosk: MUH, 11 Freunde, Titanic, t3n, Der Freitag, brand eins. Bei der Arbeit fallen mir manchmal noch die Süddeutsche, Die Zeit und natürlich unsere Eigenproduktionen NEON und Nido in die Hände. Und ich muss unbedingt wieder mein Splatting Image-Abo erneuern.

Was liest du auf Reisen?

Bei langen Zugfahrten arbeite ich eigentlich immer meine Readability-Liste ab. Seit neuestem besitze ich mit dem Nook Simple Touch meinen ersten E-Reader und bin begeistert. Der Buchkonsum nimmt, auch unterwegs, wieder zu.

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Ich steuere äußerst selten Nachrichtenseiten direkt im Browser an. In meinem RSS-Newsordner liegen die Feeds von tagesschau.de, telepolis, netzpolitik, NZZ Digital und Zeit Digital.

Außerdem, weil sie nützliche Aggregatformate anbieten oder selbst Aggregatoren sind: BildBlog (6 vor 9), netzwertig.com (Linkwertig), Das Altpapier, 10000 Flies (für den Mainstream), fefe (wer sich an fefes Trollkommentaren stört, kann sich auch nur die Links bei nofefe holen), nachdenkseiten (Hinweise des Tages) und natürlich das fantastische Rivva (wo ich bestimmt die Hälfte meiner Readabilty-Liste finde)

Welche Blogs liest du?

Das fluktuiert ziemlich. Mainstream-Konstanten sind: wirres.net, marco.org, spreeblick, spiegelfechter, Anke Gröner, stakenblochen und stefan-niggemeier.de.

Aus dem Bereich Mac, Minimalismus und Tech sind unbedingt empfehlenswert: Minimal Mac, zenhabits, Mac & I, kottke.org, 9to5Mac und Caschys Blog.

Unbekannter, aber trotzdem gern gemocht: britcoms.de, Ende der Märchenstunde, living the future und die vorspeissenplatte.

Was ist wichtige berufliche Lektüre für dich?

Twitter, diese Twitter-Liste und diese hier. (Und alle Links, die da rauspurzeln.)

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Sachbücher äußerst selten. Eigentlich fast nur Thriller und Krimis.

Ab und an ein bisschen erweiterte Pop-Belletristik oder Textsammlungen von, sagen wir mal, Max Goldt.

Und dann natürlich Comics. Früher hab ich da viel selbst entdeckt. Heute verlasse ich mich auf die persönliche Beratung von @abspann und dem von ihm mitbetriebenen Fanzine comicgate.de. Ich las in den letzten 20 Jahren mit viel Genuss u.a.: Alles von Alan Moore, Y: The last man, Fast Alles von Garth Ennis, 100 Bullets, Manches von Frank Miller, Fables und Bone.

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

In letzter Zeit wenig. Die Lektüre der folgenden Bücher liegt schon wieder 1-2 Jahre zurück, ist aber hängen geblieben: Daemon und Darknet von Daniel Suarez. Die sind beide höllisch spannend und die geschilderte parallele Netzrealität, die sich wie ein Augmented Reality-Layer über die Welt legt ist eigentlich schon da. Umso erschreckender und packender. Außerdem: Don Winslow mit Tage der Toten. Unfassbar harter, monumentaler Drogenthriller. Seither arbeite ich mich durch das Restwerk des Autors.

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

Reeder. In Verbindung mit Feedly die beste RSS-App für iPhone und iPad.

Dann für Twitter Tweetbot. Fand ich am Anfang hässlich, mittlerweile kann ich nicht mehr ohne den metallischen Benachrichtigungssound leben. In der Readabilty-App lese ich die ganzen Texte, die ich im Reeder für später wegsichere. Ein paar mal in der Woche schaue ich auch bei Zite rein. Damit bekomme ich die wichtigen US-Seiten und Blogs ganz gut mit. Bei Podcast bin ich komplett von Instacast abhängig.

Für Videos: Die diversen Mediatheken von ARTEZDFARD (endlich verfügbar!) und, seit ich ein paar youtube-Channels (stoersender.tvtagesschaumLeFloidJung&NaivdokumonsterScreenJunkiesTrailers from Hell, ShortCuts) für mich entdeckt habe, die entsprechende App für das iPad.

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Seit ich mein iPad und (ganz neu) einen E-Reader besitze, erfolgen bestimmt 80% meiner Leseaktivitäten auf einem Display. Jetzt sind es eigentlich nur noch Comics, die ich Print-only konsumiere.

Welche Rolle spielen Leseempfehlungen/Links durch Soziale Netzwerke?

Twitter und Rivva sind meine wichtigsten Quellen um interessante Links zu finden. Facebook verliert konstant an Bedeutung. Manchmal fällt auch da noch ein Link raus. Aber ansonsten ist es fast nur noch privates Kommunikationsmedium und Organisationstool unserer wöchentlichen Bolzrunde.

Von wem oder was fühlst du dich dort besonders gut informiert?

Von meiner Twitter-Timeline und dem Crawler von Frank Westphal.

Gibt es tägliche oder wöchentliche Leserituale?

Das einzige Ritual, was fast immer gleich abläuft ist tatsächlich das morgendliche Twitter/Instagram/RSS-Scannen.

Wer sind deine Lieblingsautoren (Buch, Zeitung, Magazin)?

Bei Magazinen eigentlich nur Wolf Lotter. Ich komme mir bei seinen brand eins Leitartikeln immer so dumm vor.

Buchautoren nur Thrill & Crime: Liza MarklundDaniel Suarez, Don Winslow, Stieg Larsson.

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Mein linearer Radio -und Fernsehkonsum hat die letzten Jahre konstant abgenommen und ist nun kaum noch vorhanden. Ich schätze die Zeitsouveränität, die mir Podcasts, Mediatheken, mein Festplattenrekorder und der DVD-Bestand der Stadtbibliothek München bieten.

Zum Frühstück läuft entweder B5 aktuell, Deutschlandradio, Bayern3, Bayern2, PULS, FM4, Flux FM oder manchmal, aus nostalgischen Herkunftsgründen, SWR1 (weil da mittlerweile die Stimmen meiner Jugend von SDR3 hingewandert sind). Alles in der radio.de-App auf einem uralten iPod-touch, der zum Küchenradio umfunktioniert wurde. Konkrete Radiosendungen konsumiere ich einige, aber immer in Form von Podcasts (s.u.).

Im Fernsehen möchte ich gerne mal eine Lanze für das Öffentlich-Rechtliche brechen. Es gibt sehr gute Produktionen, die man nur in den Untiefen der vielen Digitalspartenkanäle und unübersichtlichen Mediatheken (ardmediathek.de vs. daserste.de … Hallo!? WTF!?) finden und heben muss. Ich werde nun 27 öffentlich-rechtliche TV-Schätze nennen: Inas Nacht, Bambule, tagesschaum (leider nur bis zur Bundestagswahl), Konzertmitschnitte auf zdf.Kultur, zdf@Bauhaus, heuteshow, Number One, Neues aus der Anstalt, Pelzig hält sich, PixelmacherTV Noir, Wild Germany, Krömer Late Night Show, Sendung mit der Maus, Monitor, Frühstücksfernsehen (das mit Olli Dittrich), ttt,jeder zweite Themenabend auf ARTE, Durch die Nacht mit …, Tracks, ZappDer Tatortreiniger, DittscheTatortMünchen 7, Im Angesicht des Verbrechens, KDD.

Die frei empfangbaren Privatsender liegen bei mir ab Programmplatz 30. Das einzige was ich dadurch leider verpasse sind Kalkofe und Stuckrad-Barre im Tele-5-Exil.

Serien kommen natürlich nur auf DVD oder Festplatte in die Tüte. Und das sind dann all die guten US-Qualitätssachen, die hier aufzuzählen nicht genug Platz ist und für die ich leider viel zu wenig Zeit habe.

Hast du einen Lieblings-Podcast?

Ich verpasse keine Folge der Flimmerfreunde und bin wahrscheinlich einer von wenigen Menschen, die alle 193-Folgen des Vorgänger-Podcasts Ohrensessel und alle
bisherigen 45 Flimmerfreunde-Episoden angehört haben. Ich bin Bernd-Begemann-Fanboy. Er ist der Schlauste und der Lustigste.

Ebenfalls regelmässig angehörte, originäre Podcasts sind: NSFW, WRINT, Alternativlos, mobileMacs, Medienkuh, CRE, Hoaxilla, Medienradio, Logbuch Netzpolitik, Mac Power Users, Back to Work, StaatsbürgerkundeMinimalism for the Rest of us und der einschlafen-podcast (zu dem kann man sehr gut einschlafen).

Dann gibt es noch einige TV -und Radiosendungen, die ich gerne gezielt nach Thema aus dem Podcatcher fische: Quarks&Co, FluxFM-Spreeblick, das ARD radiofeature, Dittsche, Neues aus der Anstalt, Pelzig hält sich, hr2 – Der Tag, extra 3, Monitor, Elektrischer Reporter, die story, ZDFzoomDRadio Wissen – Online Talk, Leschs Kosmos, dradio Hintergrund, dradio Breitband, BR radioWissen und Bambule.

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren
geändert?

Papier ist auf dem Rückzug. Ich war mal ziemlicher Zeitschriftenjunkie und konnte an keiner Bahnhofsbuchhandlung vorbeigehen, ohne größere Beträge auszugeben. Seit dem Kauf des iPads hat sich das geändert. Ich lese zu Hause fast nur noch auf dem Gerät. Zum einen E-Paper, v.a. aber einzelne Texte. Aus Blogs, Nachrichtenseiten und wo die Leute sonst noch überall ihre Gedanken ins Netz reinschreiben. Mit dem Kauf meines E-Readers nimmt mein zuvor stagnierender Buchkonsum wieder leicht zu.

Diese ganze Digitalisierungssache kommt jedenfalls grundsätzlich meinem Masterplan zur minimalistischen Wohnungsgestaltung sehr entgegen. Durch das Entrümpeln von DVDs, CDs und Büchern konnten wir
mittlerweile ein komplettes Billy-Regal entsorgen. Das hat die Projektionsfläche für den Beamer vergrößert.

Heiko Bielinski macht was mit Internet bei NEON.de und Nido.de. Er ist Münchner Ironblogger der ersten Stunden, twittert (twitter.com/heibie), instagramt (instagram.com/heibie) und ist kürzlich um den Tegernsee gelaufen.

Foto: Julian Baumann

 

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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