„Ich mag dich einfach nicht mehr so“: Schlussmachen von A bis Z

Geschrieben von am 16/09/2011 in Neon mit 2 Kommentare

Wer sich aus dem Gefängnis seiner GESCHEITERTEN BEZIEHUNG befreien möchte, darf vor harten Maßnahmen nicht zurückschrecken. 26 Tipps für den goldenen Schnitt.

Aussitzen

Besonders bei Männern beliebte Schlussmachtaktik: Durch desinteressiertes bis unerträgliches Verhalten (>Zahnpasta) wird die Partnerin so lange zermürbt, bis sie schließlich Schluss macht. Aus dem daraus resultierenden schlechten Gewissen kann der »Verlassene« mit etwas Geschick noch wochenlang Kapital schlagen – »Wenn du mir schon das Herz brichst, lass mich wenigstens die Wohnung behalten …«

Bett

»Noch ein allerletztes Mal … auf die guten alten Zeiten … war doch immer so schön« – so verführerisch der Abschiedssex auch klingt, eine gute Idee ist er nicht. Im Verlassenen weckt er fast immer noch einmal Hoff nung und auch dem Schlussmacher macht er es schwerer, den klaren Trennungsstrich zu ziehen.

Code

Wem die richtigen Worte beim Schluss machen fehlen, hat einen ganzen Phrasenbaukasten zur Verfügung. Die wichtigsten Floskeln – und was sie bedeuten:

  • »Du bist ein wundervoller Mensch« = »Aber leider nicht wundervoll genug für mich«
  • »Wir sollten uns auch mal mit anderen Leuten verabreden« = »Ich habe nächstes Wochenende eine Verabredung mit jemandem, den ich deutlich schärfer finde als dich«
  • »Du wirst immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben« = »Wenn das am nächsten Wochenende nichts wird, rufe ich vielleicht doch wieder an«
  • »Es liegt nicht an dir, es liegt an mir« = »Ach, zum Teufel, natürlich liegt es an dir, an wem denn wohl sonst?«

Demütigung

Ein guter und gesellschaftlich akzeptierter – wenn auch demütigender – Trennungsgrund: vom Partner betrogen werden. Für den größtmöglichen Effekt empfiehlt es sich, den/die Fremdgeher/in in flagranti zu erwischen, nackt auf die Straße zu jagen und mit Pistolenschüssen (in die Luft, klar) durch die Stadt zu treiben.


Erpressungsversuche

Auf Androhungen wie »Dann bring ich mich um …« nicht eingehen, sondern sofort klarmachen, dass sie das Allerletzte sind. Bei ernsthaften Bedenken lieber Familie und Freunde informieren, die können besser helfen als du – schließlich bist du Anlass für den Kummer.

Freunde

Sehr umstritten ist die Frage, ob man auch mit Menschen Schluss machen kann/darf/muss, mit denen man »nur« befreundet ist und mit denen man sich auseinandergelebt hat. Grundsätzlich gilt: Wenn beide Seiten merken, dass die Freundschaft ihre beste Zeit hinter sich hat, ist ein deutliches Gespräch eher verletzend als hilfreich. Wenn man sich aber dabei ertappt, dass man den anderen ständig belügt und Ausflüchte erfindet, sich nicht zu treffen, ist es Zeit, darüber zu reden, ob beide nicht zu unterschiedliche Erwartungen an die Freundschaft haben.

Geschlechterunterschiede

Frauen leiden unter einer Trennung stärker als Männer, hat die Psychologin Gerti Senger herausgefunden – oder geben dies zumindest häufiger zu: sechzig Prozent der von ihr befragten Frauen fühlten sich nach einer Trennung existentiell bedroht, bei den Männern waren es nur dreißig Prozent. Mit Selbstmordgedanken beschäftigten sich dreißig Prozent der Frauen, aber nur 6,7 Prozent der Männer.


Handy

Trennung per SMS ist für sensible Gemüter natürlich das Letzte – wer aber die Nase wirklich voll hat (>Demütigung), sollte wenigstens die richtigen Kracher-Slogans aus dem >Internet fischen:

  • »Rote Rosen, ein zärtlicher Kuss, ein Schlag in die Fresse, ich mach mit dir Schluss.«
  • »Habe schon vielen Menschen, die es einfach nicht wert sind, gesagt: Leck mich am Arsch! Heute ist DEIN Tag!«
  • »Aus Liebe zu dir habe ich auf mich verzichtet! Es wäre besser gewesen, ich hätte aus Liebe zu mir auf dich verzichtet!«
  • »Ich weiß gar nicht, wie ich ohne dich leben soll. Aber ich will es ab morgen mal versuchen.«
  • »Erst wollte ich es dir ja am Telefon sagen. Aber das finde ich fies. Das wär zu einfach, gemein, taktlos. Du sollst es wenigstens schriftlich haben: Es ist aus!«
  • »Du warst gestern spitze – fast so gut wie mein Neuer!«

Internet

Wer sogar für die SMS zu feige ist, findet unter trennungsagentur.com Hilfe: Gegen Gebühr übernehmen Trennungsexperten das Gespräch mit dem/der Ex in spe, verkünden die Trennung und übermitteln Gründe, die der Auftraggeber vorher geliefert hat. Es gibt sogar verschiedene Varianten: Per Telefon Schluss machen lassen kostet 29,95 Euro, die schriftliche Version ist zehn Euro teurer. Den Schlussmacher persönlich vorbeizuschicken, kostet 64,95 Euro.

Jammern

Wer sich wirklich sicher ist, dass er sich trennen will, sollte es auch tun – und sich nicht hinter Sätzen wie »Damit wird er/sie bestimmt nicht fertig …« verstecken. Auch bei den Trennungsgründen hilft falsche Rücksicht (>Code) nicht weiter. Wer mit hanebüchenen Argumenten (>Zahnpastatube) Schluss macht, muss sich nicht wundern, wenn der andere Schwierigkeiten hat, die Trennung zu akzeptieren.

Kokain

Viele Menschen stellen fest, dass sie nach dem Schlussmachen für den verlassenen Partner noch attraktiver werden. Dies hängt damit zusammen, dass der Trennungsschmerz in denselben Hirnarealen verarbeitet wird und denselben Dopamin-Boost verursacht wie der Liebesrausch. Dies hat die US-Anthropologin Helen Fisher herausgefunden. Sie vergleicht die Entzugserscheinungen, die bei dem Verlassenen einsetzen, mit denen von Kokain: Der Partner, der sich getrennt hat, wird noch mehr vergöttert als vorher, die Belohnung – Nähe, Zärtlichkeit und Sex – bleibt jedoch aus.

Lieder

Die zehn besten Songs übers Schluss machen:

  1. Lassie Singers – Mein Freund hat mit mir Schluss gemacht
  2. Rocko Schamoni – Du wählst C.D.U. (darum mach ich Schluss)
  3. Ben Folds – Song For The Dumped
  4. The Carpenters – Breaking Up Is Hard To Do
  5. The Streets – Dry Your Eyes
  6. Harold Melvin & The Bluenotes – Don`t Leave Me This Way
  7. Jerry Lee Lewis – Break Up
  8. Tocotronic – Ich mag dich einfach nicht mehr so
  9. Guns N` Roses – Used To Love Her
  10. All – Breakin` Up

Mail

Ebenso fragwürdige Art, Schluss zu machen wie >Aussitzen, SMS aufs >Handy oder ein Fax. Trotzdem wird sie immer wieder verwendet. Dann aber zumindest das Mailprogramm so einstellen, dass man eine Empfangs bestätigung bekommt. Oder gleich den extravaganten Weg wählen und per Fernsehinterview Schluss machen, so wie damals Big-Brother-Insasse Alex mit Jenny Elvers.

Notbremse

Für alle, die beim Schlussmachen zaudern, hat der Sozialpsychologe Professor Manfred Hassebrauck von der Universität Wuppertal ein paar ermutigende Worte: »Wenn man erkennt, dass man mit der anderen Person nicht zusammenpasst, ist es besser, früher die Notbremse zu ziehen. Dadurch ist die Trennung weniger schmerzhaft, als wenn man sie langsam ausschleift. Außer dem vergeudet man keine Zeit, die man mit der richtigen Person verbringen sollte.«

Obligatorisch

Den Satz »Lass uns Freunde bleiben« doof zu finden, gehört inzwischen zum guten Ton. Nora Tschirner, die in der Trennungskomödie »Soloalbum« die Hauptrolle spielte, bricht im Interview eine Lanze für den Satz: »Man sagt das heutzutage nicht mehr, weil einem in jeder Frauenzeitschrift und jeder Fernsehserie erklärt wird, das sei der beschissenste Satz der Welt. Aber der Satz ist von der Sache her nicht falsch. Freunde bleiben kann man wahrscheinlich nicht. Eher Freunde werden. Vielleicht kann man sagen: >Lass uns andere Freunde werden.< Das könnte den Betreffenden natürlich verwirren, aber vielleicht auch den Trennungsschmerz lindern – weil er denkt, man wäre jetzt völlig durchgedreht«.

Pause

Falls man tatsächlich noch vorhat, der Beziehung eine Freundschaft folgen zu lassen (>obligatorisch), sollte man sich und dem Verlassenen eine Pause von mindestens drei Monaten verordnen und so lange auch wirklich auf Distanz gehen (>Treffpunkte) Wenn man den Respekt füreinander bewahrt, kann man danach tatsächlich befreundet sein (>X-Faktor); Zärtlichkeiten, wie sie unter normalen Freunden üblich sind, sollte man aber trotz dem erst mal vermeiden (>Bett).

Querelen

Unstimmigkeiten müssen nicht immer sofort dazu führen, dass man Schluss macht. Es sei denn, man ist fünfzehn. Später wird erwartet, dass man Probleme gemeinsam aus diskutiert und nach einer Lösung sucht. Was schlimm klingt, in wirklich verfahrenen Situationen aber helfen kann: Paartherapie – manchmal reichen schon ein paar Sitzungen.

Radikalkur

»Aber« ist das verbotene Wort beim Schlussmachen, so Brian Norris, der in den USA einen Break-up-Service betreibt, im Gespräch mit NEON. Denn es lässt Raum für Spekulationen. Ein »und«, sagt der Profi schlussmacher, hört sich konsequenter an. Wenn es raus ist, sollte man gehen – ohne Kuss, ohne letzten Kaffee, ohne Kontakt in den folgenden zwei Wochen.

Schuldgefühle

Hast du als Schlussmacher immer. Oft hilft es, sich die Alternative vorzustellen: Wäre dem anderen geholfen, wenn du für den Rest deines Lebens unglücklich mit ihm zusammenbleibst?


Treffpunkte

Wenn es sich einrichten lässt, sollten Begegnungsmöglichkeiten wie gemeinsamer Supermarkt, Lieblingsclub etc., eine Zeit lang gemieden werden, um zufällige Treffen auszuschließen. Die bringen direkt nach der Trennung niemandem etwas.

Unterhalt

Väter sollten sich das Schlussmachen genau überlegen. Auch ohne Trauschein steht der Mutter bis zum dritten Geburtstag des Kindes eigener Unterhalt zu. Wem Geld sowieso wichtiger ist als Liebe und die Kinderseele, freut sich vielleicht über die Tatsache, dass diese Unterhaltszahlungen wiederum bis zu maximal 7680 Euro pro Jahr von der Steuer abgesetzt werden können.

Vermeiden

In der eigenen Wohnung oder der des Partners Schluss zu machen, erhöht die Chance auf Abschiedssex im Affekt (>Bett) oder eine große Szene mit Sachenwerfen, Schnittwunden und so weiter. Neutrales Terrain ist weitaus günstiger. Ebenfalls vermeiden: Dem Verlassenen allzu viele Vorwürfe machen, denn auf nahezu jeden Vorwurf kann der andere mit einem Versprechen antworten, sich zu ändern. Und du willst ja nicht feilschen wie auf einem andalusischen Zwiebelmarkt – du willst dich trennen. Ebenfalls ungünstig: Schlussmachen auf dem Anrufbeantworter, der einem im alles entscheidenden Moment der Ansprache das Wort abschneidet.

Wiederholungstäter

Die Diplom-Psychologin Konstanze Fakih hat fünf Kategorien der Schlussmacher aufgestellt: Der »Klemmi« spielt Gefühle vor, bevor er mit der Sprache herausrückt. Der »Feige« ist ein »emotionaler Saubermensch, der schuldlos durch die Tiefen der Emotionen gleiten will«, während die Stilisten deutlich rücksichtsvoller vorgehen und nach einer eleganten Lösung suchen. Die »Modernen« kommen derzeit nach Aussagen von Fakih am häufigsten vor – sie machen kurzen und schmerzlosen Prozess und greifen gerne auch zu >Handy oder >Mail. Für die »emotional Offensiven« schließlich ist es wichtig, dass es kracht: »Sie legen großen Wert auf eigene Inszenierung und spielen mit den Gefühlen der anderen.« Ach ja: >Geschlechterunterschiede gibt es bei der Häufigkeit der einzelnen Typen übrigens keine.

X -Faktor

Anfang der 90er waren nach Schätzungen von Paartherapeuten kaum mehr als zehn Prozent der Deutschen nach dem Ende einer Beziehung weiterhin mit dem Expartner befreundet (>obligatorisch). Inzwischen pflegen 44 Prozent aller Männer und Frauen zwischen 25 und 60 Freundschaften mit einem oder mehreren Expartnern. In der im Auftrag des stern durchgeführten forsa-Umfrage zeigte sich auch, dass sich 48 Prozent der ehemaligen Paare weiterhin in Kneipen oder Restaurants treffen, 43 Prozent regelmäßig telefonieren und 24 Prozent dabei mit dem Ex auch über Probleme in der neuen Beziehung reden.

Yoga

Wolltest du doch schon immer anfangen. Jetzt ist die Zeit dafür – genau wie für all die anderen Sachen, für die dein doofer Expartner nie Verständnis hatte.

Zahnpastatube

»Du schraubst nie die Zahnpasta zu«, ist nicht das einzige Schlussmachklischee:

  • »Du setzt dich nie hin beim Pinkeln« (zu Männern).
  • »Du klammerst zu sehr« (zu Frauen).
  • »Deine Eltern können mich nicht leiden« (zu Männern).
  • »Ich kann deine Eltern nicht leiden« (zu Frauen).
  • »Du schläfst nach dem Sex immer sofort ein« (zu Männern).
  • »Du schläfst vor dem Sex immer schon ein« (zu Frauen).
  • »Immer musst du Fußball gucken« (zu Männern).
  • »Immer musst du Essen von meinem Teller picken« (zu Frauen).

Text: Christoph Koch
Erschienen in: NEON

 

 

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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2 Leserkommentare

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  1. B. Rochlitz sagt:

    dass so eine zusammenstellung nicht weiterhilft ist ja klar…. zumindest habe ich mich über div. obig angegebene Begründungen amüsiert!
    Bitte mehr davon zu ähnlichen Themen. Gruß, B.

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