Doppelte Strafe: In den USA werden Sexualstraftäter in die Obdachlosigkeit gezwungen

Geschrieben von am 27/12/2008 in Neon mit 0 Kommentare

Sie haben ihre Haftstrafen verbüßt und sollten eigentlich zurück auf dem Weg in ein geregeltes Leben sein – trotzdem haust unter einer Highwaybrücke zwischen Miami und Miami Beach eine Gruppe ehemaliger Häftlinge.

Laut örtlichem Gesetz müssen aus dem Gefängnis entlassene Sexualstraftäter einen Mindestabstand von 750 Metern zu Schulen und Kinderhorten, aber auch allen Spielplätzen und Parkanlagen halten. So bleibt den Männern kein anderer Ort in Miami, von dem sie immer noch ihre Arbeit erreichen könnten, als ein paar Zelte ohne Strom und Wasseranschluss unter der Schnellstraße und inmitten von Ratten.

Ähnliche Fälle sind aus Boston und New York bekannt. Die Bürgerrechtsvereinigung ACLU spricht von einer »grausamen und außergewöhnlichen Bestrafung «, die der Bevölkerung ein »falsches Gefühl von Sicherheit« gäbe. Letztendlich ist ein Rückfall der Sexverbrecher umso wahrscheinlicher, je weniger Chancen sie bekommen, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Doch auf Resozialisierung hoffen die erzwungenen Obdachlosen von Miami ohnehin nicht mehr. Einige von ihnen haben nun darum gebeten, ins Gefängnis zurückkehren zu dürfen.

Text: Christoph Koch
Erschienen in: NEON

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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