Wie macht man eigentlich … ein Pokerface?

Geschrieben von am 20/01/2008 in Neon mit 0 Kommentare

Wer sich beim Pokern ansehen lässt, welches Blatt er hat, kann sein Geld gleich hergeben. HORST KOCH, ehemaliger Deutscher Pokermeister und Präsident der Deutschen Poker Liga sagt, wie man undurchschaubar wird.

Trance

„Manche Spieler verhalten sich sehr extrem und versuchen bei einem Bluff durch gewisse Mimik zu zeigen, was für ein gutes Blatt sie haben. Dabei ist es die viel höhere Kunst, egal was man auf der Hand hat, eine eiserne Miene zu machen. Denn dann können einen selbst die Spieler nicht mehr lesen, die einen kennen. Man entwickelt mit der Zeit ja ein Gefühl für die Macken der anderen. Ein junger Spieler bekommt zum Beispiel rote Ohren oder ein rotes Gesicht, wenn er nervös wird. Das kann man verstärken, indem man ihn provoziert: ,Was ist los? Kriegst ja ganz rote Ohren, willst du mich vielleicht rausbluffen?´“

Training

„Das beste Training für ein Pokerface ist, möglichst viel zu spielen. Beim Profipoker kann nur überleben, wer als Routinier durchgeht. Gehe vor dem Spiel in dich. Höre Musik, versuche ruhig zu werden – und vor allem geduldig. Geduld ist am wichtigsten: Man braucht davon mehr als der andere. Man muss gelassen abwarten können, wenn man schlechte Karten hat. Dabei trotzdem immer den exakt gleichen Gesichtsausdruck behalten! Manchmal steht man mit schlechter Laune auf. Wenn das während eines Turniers passiert, muss man hoffen, dass der Tag vorbeigeht, ohne dass man ausscheidet. Der nächste Tag wird dann besser.“

Tricks

„Man sollte nur dann viel Geld setzen, wenn man wirklich ein gutes Blatt hat. Ein Glücksspieler, der nur blufft, hat vielleicht kurzfristig Erfolg, aber langfristig keine Chance. Ein guter Trick sind Halsbonbons mit Kräutern. Die lutsche ich immer, wenn ich am Pokertisch sitze. Das hilft zweifach: einmal gegen die trockene Luft, die oft in den Räumen herrscht, in denen gespielt wird. Und zum anderen, weil die Gegner dadurch nicht sagen können, ob man schluckt, weil man schlechte Karten hat – oder wegen des Bonbons.“

Protokoll: Christoph Koch

Erschienen in: NEON

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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