Was wäre, wenn … es keine Patente auf Corona-Impfstoffe gäbe?

Written by on 09/05/2022 in brand eins with 0 Comments

Der bisherige Rekord für die Entwicklung eines Impfstoffes lag bei vier Jahren: So lange hatte es in den Sechzigerjahren gedauert, ein Vakzin gegen Mumps zu entwickeln. Lange blieb dieser Rekord unangetastet. Nun hat ihn die Pharmabranche durch die rasante Entwicklung gleich mehrerer Impfstoffe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 geradezu pulverisiert.


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Doch auf die große Erleichterung folgte erst mal Enttäuschung. Die Produktion geht nur schleppend voran, es gibt zu wenig Impfdosen, außerdem wird Kritik am Patentsystem laut: Es verknappe die Kapazitäten zur Herstellung, kommerzielle Interessen seien für die Pharmafirmen wichtiger, als möglichst viel zu produzieren. Doch was wäre, wenn man die Patente für die verschiedenen Corona-Impfstoffe aufhöbe?

Patente dienen normalerweise dazu, Menschen oder Unternehmen zu erlauben, ihre Erfindungen für einen gewissen Zeitraum exklusiv zu verwerten. Dazu zählt die Herstellung von Produkten oder der Verkauf von Lizenzen, die anderen Firmen die Nutzung des geistigen Eigentums erlaubt.

Der Patentschutz soll Anreize schaffen, in Forschung und Entwicklung zu investieren und dabei Flops zu riskieren, die bei der Arbeit an Neuerungen nun mal dazugehören. Würden also keine Patente auf die verschiedenen Corona-Impfstoffe gewährt oder diese zwangsweise freigegeben, wäre das eine Strafe für die innovativen Firmen, argumentieren Vertreter der Pharmabranche. Auch sei fraglich, so Thomas Cueni, Generaldirektor des Internationalen Pharmaverbands, ob diese in Zukunft wieder zu einer solchen „außerordentlichen Leistung“ bereit wären.

Mitfinanziert aus Fördermitteln und Steuergeldern

Allerdings war die Aussicht auf Patente für viele Pharmaunternehmen gar nicht der ausschlaggebende Grund, sich an die Erforschung eines Impfstoffs zu machen. „Die meisten großen Unternehmen zeigten erst Interesse, als ihnen die Politik Fördergelder zusagte“, sagt Ellen t’Hoen, Juristin und Patent-Expertin an der Universität Groningen. „Doch wenn die Steuerzahler einen großen Teil des Risikos für die Entwicklungsarbeit tragen, warum sollten dann die Firmen mit den Patenten die Profite abschöpfen dürfen?“

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Text: Christoph Koch
Foto: CDC / Unsplash

About the Author

About the Author: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, GEO, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Digitale Balance" & "Was, wäre wenn ...?") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs, bei Mastodon @christophkoch@masto.ai .

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