Was wäre, wenn … es kein Bargeld mehr gäbe?

Geschrieben von am 09/07/2018 in brand eins mit 0 Kommentare

Ein Szenario.

(Andere Folgen der „Was wäre, wenn…?“-Kolumne aus brand eins HIER lesen.)

Am beliebtesten ist der Fünfziger: Mit rund 9,5 Milliarden 50-Euro-Scheinen macht er fast die Hälfte der insgesamt mehr als 20 Milliarden in der Eurozone umlaufenden Banknoten aus. Vor allem die Deutschen lieben Bargeld. Während in Schweden viele Geschäfte schon keines mehr annehmen und selbst die Verkäufer von Obdachlosenzeitschriften mobile Kartenlesegeräte bei sich tragen, werden hierzulande immer noch rund 80 Prozent aller Zahlungen in bar beglichen. Bei Beträgen bis zu fünf Euro liegt die Cash-Quote sogar bei 96 Prozent.

Doch was wäre, wenn das Bargeld abgeschafft würde? 58 340 Geldautomaten sind dann deutschlandweit überflüssig. Zumindest die, die ausschließlich Geld auszahlen können. Solche mit Einzahlungsfunktion dürfen in der Übergangsphase, in der Banken noch Bargeld entgegennehmen müssen, stehen bleiben. Abgesehen von den Automaten, halten sich die Folgen für Geldinstitute in Grenzen: „Die Banken hätten vermutlich am wenigsten Probleme mit einer Umstellung“, sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. „Filialen mit klassischen Bargeldkassen werden sowieso immer weniger.“ Auch in den meisten Geschäften sei die technische Infrastruktur bereits vorhanden oder bei Bedarf schnell einzurichten: „Darauf muss sich niemand großartig vorbereiten und Notfallpläne in der Schublade haben.“

Die Vernichtung des aus dem Verkehr gezogenen Bargeldes – wie die rund 20 Milliarden Euroscheine und 124 Milliarden Münzen – stellt keine großen Probleme dar: Banknoten werden geschreddert und entweder verbrannt oder recycelt. Ein Münzquetscher vom Modell „Decoiner“ entwertet pro Stunde bis zu fünf Tonnen Münzen, die anschließend eingeschmolzen werden können. Die sechs Milliarden in Umlauf befindlichen 50-Cent-Münzen beispielsweise sind mit einer einzigen solchen Maschine in rund einem Jahr vernichtet.

Händler und Gastronomen können ihre Bargeldkassen abbauen, sie arbeiten nur noch mit Lesegeräten für Bank- und Kreditkarten sowie zahlungsfähigen Geräten wie Smartphones. Zwar verlangen die Zahlungsdienstleister Gebühren für die Transaktionen, die zwischen 0,15 Prozent für Apple Pay und etwa 0,2 Prozent bei der Girocard und bis zu 1 Prozent bei Kreditkarten liegen. Dafür entfallen Kosten für Geldtransporte, Tresore und Versicherungen sowie Kosten für Münzgeldrollen, die von den meisten Banken nur noch gegen Gebühr ausgegeben werden. Da Kartenzahlung – vor allem seit für Beträge bis zu 25 Euro das „kontaktlose Bezahlen“ ohne PIN eingeführt wurde – schneller geht als Barzahlung und der Kassensturz am Schichtende entfällt, sparen Einzelhändler Personal und Kosten. Sie müssen sich auch keine Sorgen um Falschgeld machen.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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