brand-eins-Kolumne: Was wäre, wenn … es nur noch Elektroautos gäbe?

Geschrieben von am 22/01/2018 in brand eins mit 0 Kommentare

Ein Szenario.

Etwa 40.000 Elektroautos fahren derzeit auf Deutschlands Straßen. Das sind 0,09 Prozent der mehr als 45 Millionen insgesamt zugelassenen Fahrzeuge. Weltweit hatten im vergangenen Jahr 750.000 oder weniger als ein Prozent aller verkauften Neuwagen einen Elektromotor, etwa die Hälfte ging an Kunden in China. Verbrennungsmotoren sollen dort in den kommenden Jahren nach und nach verboten werden. Das verkündete die Regierung, ohne allerdings einen genauen Zeitpunkt für das komplette Verbot zu nennen. Frankreich und Großbritannien sind da präziser und wollen Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2040 nicht mehr zulassen, Indien ab 2030, Norwegen bereits ab 2025.

Wie wird das aussehen? Was wäre, wenn alle derzeit 1,3 Milliarden weltweit fahrenden Autos bereits über leistungsfähige Akkus statt eines Otto- oder Dieselmotors verfügten? Ein Szenario: Aktuell wird etwa die Hälfte eines Barrels Öl für die Herstellung von Autokraftstoffen verwendet. Dafür gibt es dann keine Abnehmer mehr. Eine schlechte Nachricht für Erdöl exportierende Länder und eine gute für alle, die weniger von diesen Staaten abhängig sein wollen.

Auch die Ölkonzerne bekommen Probleme: „Ich sehe derzeit nicht, dass die Mineralölindustrie ernsthaft alternative Geschäftsmodelle bereithält“, sagt Jens Schippl vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in Karlsruhe. „Die meisten von ihnen wurden vom Thema Elektromobilität auf dem falschen Fuß erwischt, auch wenn inzwischen Konzerne wie Shell und Total dabei sind, in den Aufbau einer Ladeinfrastruktur einzusteigen. Gleichzeitig wird es in diesem Markt aber sicherlich viele neue Akteure geben.“ Zum Beispiel Supermarktketten, die ihren Kunden das Auto aufladen, solange diese bei ihnen einkaufen. Noch ist dieser Service kostenlos. Wenn nur noch Elektroautos fahren, bezahlt man das Laden vielleicht gleich mit seinen Einkäufen an der Kasse.

Tankstellen werden in ihrer ursprünglichen Funktion überflüssig, denn Elektroautos nehmen Strom dort auf, wo sie sowieso regelmäßig längere Zeit stehen: zu Hause, auf dem Firmenparkplatz oder eben vor dem Supermarkt. Hatten sich die Tankstellen aufgrund der niedrigen Margen beim Kraftstoff ohnehin immer mehr zu Mini-Supermärkten entwickelt, setzen sie nun ganz auf das Geschäft mit Getränken, Süßigkeiten oder Tabakwaren. In den USA kommen schon heute deutlich mehr als 50 Prozent aller Zigarettenkäufe in Tankstellen zustande, schreibt der Analyst Benedict Evans vom Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz.

Einige Autobahnraststätten bleiben als Pausenstationen vielleicht auch ohne die dazugehörigen Tankstellen erhalten. In jedem Fall werden aber die 40 Milliarden Euro an Steuereinnahmen wegfallen, die die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) jedes Jahr einbringt. Der Strombedarf in Deutschland wird sich durch eine vollständige Umstellung auf E-Autos um rund ein Viertel erhöhen.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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