Viele Wege führen in die IT

Geschrieben von am 17/01/2018 in brand eins mit 0 Kommentare

Quereinstieg oder Studium – wie wird man Software-Entwickler? Hier zwei Antworten von Praktikern.

Der Quereinsteiger

„Nach meinen Abitur 1983 in Hamburg wollte ich Psychologie studieren. Den Wunsch hatten damals aber viele, und alle zog es nach Hamburg. Der Numerus clausus war deshalb hoch. Ich klagte mich ein. Die Theorie im Vorstudium gefiel mir noch gut, doch während des praktischeren Hauptstudiums merkte ich schnell: Ich bin nicht der Typ, der Menschen betreut. In diese Zeit fiel auch meine erste Begegnung mit dem Computer. Wir mussten im Studium viele Texte schreiben. Und am Rechner klappte das besser als mit Tipp-Ex. Mir gefiel diese digitale Welt sofort. Ich saß oft bei den BWLern und den Geologen. Die hatten die besten Computer, stellten sich damit aber ziemlich ungeschickt an.

Ich habe die Theorie, dass jeder versteckte Talente hat – und oft lange herumläuft, ohne sie zu erkennen. Das kann Jura sein oder mit Kindern umzugehen. Bei mir sind es Computer. Die erste Programmiersprache, die ich mir beibrachte, war Cobol. Ganz schrecklich. Die zweite war Turbo Pascal. Das machte schon mehr Spaß.

Um aus meiner WG auszuziehen, brauchte ich mehr Geld. Gleich nebenan war eine Softwarebude, die Programme für Reisebüros entwickelte. Ich bewarb mich und durfte anfangen. Damals, also 1988, haben sie jeden genommen, der nur eine Tastatur in der Hand halten konnte. Es gab noch keine Benutzeroberflächen wie Windows, alles lief über die Kommandozeile. Mein erstes Gerät hatte einen 256 Kilobyte kleinen Arbeitsspeicher, heute hat jeder Toaster mehr. Ich wäre gern zur Lufthansa gegangen. Die suchten damals zwar händeringend nach Programmierern, wollten aber unbedingt echte Informatiker haben. Als Quereinsteiger hatte ich anfangs immer einen schwierigeren Einstieg als die. Ich wurde immer auf Probe angestellt und bin mir auch sicher, dass ich weniger verdiente.

Mein erster Vollzeitjob war bei Star Division. Auch dort musste ich in der Qualitätssicherung anfangen, obwohl ich mehr konnte. Nach und nach arbeitete ich mich hoch: Mal ersetzte ich jemanden, der wegging, mal half ich aus, wenn Not am Mann war. So erlangte ich eine gewisse Reputation. Irgendwann erwähnte ich mein Psychologiestudium gar nicht mehr und verwies nur noch darauf, welche Programme ich geschrieben hatte.

Das war eine wilde Zeit: Wir arbeiteten die Nacht durch, soffen, schliefen zwei Stunden und kamen am folgenden Tag verkatert wieder rein. Aber wir waren jung, da geht das.

1994 wechselte ich zu einer Softwarefirma namens Pink Software Engineering. Wir entwickelten Layoutprogramme für Zeitungen und Magazine. Unter anderem schrieben wir Anpassungen für Pagemaker, das Programm des Marktführers Adobe. Als Pink pleiteging, bekam ich das Angebot von Adobe, nach Seattle zu kommen. Ich hätte nie gedacht, dass ich aus Hamburg wegziehen würde. Die ersten Jahre in den USA waren schwierig. Weniger die Arbeit als die Sprache und vor allem die Kultur.

Ich durfte an der nächsten Generation von Pagemaker mitarbeiten und habe einfach so viel wie möglich weggeschafft. Manche Funktionen, die ich entwickelt habe, gibt es noch heute im Nachfolger InDesign. Später habe ich eine Anwendung für das iPhone entwickelt, mit der man ganz leicht Apps auf Flash-Basis erstellen konnte. Aber Steve Jobs wollte Adobe Flash nicht auf dem iPhone haben und hat es von einem Tag auf den anderen abgeschaltet. Unsere Abteilung ging in der Videoabteilung auf, das waren auch sehr interessante Jahre.

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Photo by Ilya Pavlov on Unsplash

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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