Künstliche Intelligenz von A bis Z

Geschrieben von am 20/02/2017 in Krautreporter mit 0 Kommentare

Siri, Alexa, Cortana – ist das schon Künstliche Intelligenz? Nein, aber die „echte“ KI macht rasend schnell Fortschritte. Ein Überblick über den aktuellen Stand der Dinge gibt es im Krautreporter-Alphabet. Mein Lieblingsbuchstabe: Q wie Quatsch.

 

Alexa

Wenn die Rede auf „Künstliche Intelligenz“ kommt, fällt den meisten Leuten als erstes die Reihe an virtuellen Assistenten ein: Siri (von Apple), Alexa (von Amazon), Google Assistent (von, Überraschung: Google) oder Cortana (von → Microsoft). Wie weit diese Programme jedoch noch von tatsächlicher Intelligenz entfernt sind, zeigt dieses Video.

 

Boston Dynamics

Das 1992 aus dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) ausgegründete Unternehmen ist eines der fortschrittlichsten Robotikunternehmen der Welt. Einen Großteil seiner Aufträge erhielt das Unternehmen in den folgenden Jahren vom amerikanischen Militär, vor allem für die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA). Boston Dynamics wurde unter anderem mit tiergleichen Robotern wie „Cheetah“ bekannt, einem Laufroboter, der den Bewegungsablauf eines Gepards simulierte und mit einer Geschwindigkeit von 46 Kilometer pro Stunde schneller laufen konnte als Usain Bolt. 2013 wurde das Unternehmen von Google erworben. Inzwischen will man dort jedoch, Berichten zufolge, Boston Dynamics wieder verkaufen.

Der Grad an Künstlicher Intelligenz, der in den Robotern von Boston Dynamics (und anderen Herstellern) eingesetzt wird, hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigert. Ein Beispiel für die eindrucksvollen Fähigkeiten des jüngsten Modells der Atlas-Reihe, die aus zweibeinigen, menschenähnlichen Robotern besteht, kann man hier anschauen:

 

Cleverbot

Wer sich einmal mit einer noch rudimentären KI unterhalten möchte (allerdings nur schriftlich und auf Englisch), bitte hier entlang.

DeepMind

Deepmind ist eine britische KI-Firma, die im Januar 2014 für rund 400 Millionen Pfund von Google gekauft wurde (heute gehört sie zur Google-Mutter Alphabet). Auch Facebook hatte sich sehr stark für das Unternehmen interessiert. Solche Firmenkäufe, deren Zahl seit 2014 im Bereich KI sprunghaft angestiegen ist, sind laut dieses sehr interessanten Economist-Artikels unter anderem deshalb wichtig, weil sie den großen Techfirmen wie Facebook, Google oder Amazon helfen, die raren Forscher und Toptalente im Bereich KI an sich zu binden. Deepmind ist auch ein gutes Beispiel, um den Unterschied zwischen sogenannter starker und schwacher KI zu erklären. Eine „schwache“ KI ist, vereinfacht gesagt, nur eine Simulation von Intelligenz: Durch mathematische Modelle und Informatik wird in einem abgesteckten Feld ein Problem selbständig gelöst. Klassische Beispiele für schwache KI sind Handschrifterkennung, das Erkennen von Objekten auf Fotos oder vermeintlich selbständig agierende Gegner in Computerspielen. Eine „starke“ KI hingegen verfügt über sämtliche kognitiven Funktionen des menschlichen Gehirns, ist nicht auf ein bestimmtes Einsatzgebiet beschränkt und verfügt über ein Bewusstsein. Eine starke KI ist dadurch sowohl viel abstrakter als auch um ein vielfaches schwieriger zu realisieren.

Mit seinem Programm „AlphaGo“ (→ Go) hat Deepmind bereits eine sehr beeindruckende schwache KI geschaffen. Das Ziel ist jedoch eine starke KI. Firmengründer Demis Hassabis sagt, seine Firma habe einen Zeithorizont von 20 Jahren – er lässt jedoch offen, ob er glaubt, dass es möglich ist, in diesem Zeitraum eine vollständige starke KI zu erschaffen.

Emotionale Intelligenz

Ein Bereich, in dem die KI noch am wenigsten entwickelt ist. Das liegt unter anderem daran, dass Maschinen (oder Software) nicht über Hormone verfügen, die für einen Großteil der menschlichen Emotionen verantwortlich sind. Was eine KI jedoch inzwischen sehr gut kann, ist die Emotionen eines Menschen zu erkennen. Ebenfalls deutlich unterlegen ist die künstliche Intelligenz der menschlichen, wenn es um den Bereich der sozialen Intelligenz geht, also beispielsweise das Lesen und Deuten der Stimmung einer Gruppe von Menschen.

Der Bereich, in dem die KI dem Menschen bereits in vielen Fällen überlegen ist, ist die kognitive Intelligenz. Damit bezeichnet man die Fähigkeit, Wissen aufzunehmen, zu speichern, zu kombinieren und logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Das ist beispielsweise beim Schachspielen oder dem komplexeren Spiel Go notwendig.

Facebook

Nicht nur Google (→ Deepmind), sondern auch Facebook arbeitet an einer starken KI. Okay, vielleicht nicht offiziell. Aber Mitarbeiter von CommAI, dem Facebook-Forschungszweig, der sich mit KI beschäftigt, haben kürzlich einen wissenschaftlichen Aufsatz eingereicht, der sich damit befasst, was die nötigen Schritte für eine starke KI wären. Wenn man denn vorhätte, eine solche zu entwickeln. Was niemand bei Facebook vorhat, wie sich ein Unternehmenssprecher sofort beeilte zu versichern. Nur für den Fall, dass irgendjemand anderes (keinesfalls Facebook, wie gesagt, never ever!) eine solche starke KI entwickeln wollen würden täte, so halten die Facebook-Experten vor allem eine Kommunikation durch natürliche Sprache sowie Lernfähigkeit für die wichtigsten Grundvoraussetzungen.

Go

Go ist ein strategisches Brettspiel für zwei Personen, das ursprünglich aus China stammt. Unter anderem aufgrund des größeren Spielbretts sind die Komplexität und die Anzahl der möglichen Spielzüge um ein Vielfaches höher als beim Schach (19 mal 19 Felder statt 8 mal 8). Go galt deshalb in den vergangenen Jahren als wichtiger Prüfstein für die Entwicklung von KI. Beim Schach war es Rechnern schon relativ lange durch die sogenannte Brute-Force-Methode (das heißt das blitzschnelle theoretische Durchspielen aller Zugvarianten und deren Folgen und dann die Entscheidung für die beste Option) möglich, menschliche Spieler zu schlagen. So zum Beispiel beim von → IBM entwickelten Schachcomputer „Deep Blue“, der 1997 gegen den amtierenden Weltmeister Garri Kasparow erstmals unter Turnierbedingungen gewann.

Bei „Go“ hielt die menschliche Überlegenheit ein wenig länger an, endete jedoch im März 2016. Denn damals schlug AlphaGo, eine von Deepmind entwickelte Software, den Südkoreaner Lee Sedol, der als der weltbeste Go-Spieler gilt und 18 internationale Titel gewonnen hatte, mit 4:1. „Ich bin sprachlos“, so die Reaktion des Unterlegenen.

 

HAL 9000

Name des Supercomputers in Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“ aus dem Jahr 1968. HAL (eine Anspielung auf → IBM, die drei Buchstaben sind im Alphabet nur einen Platz nach vorne versetzt) entwickelt während einer Mission zum Jupiter ein Eigenleben und beginnt, die menschliche Besatzung als Gefahr für seine eigene Existenz zu betrachten und nach und nach zu töten. Einer des Astronauten kann sich jedoch erfolgreich zur Wehr setzen und HAL abschalten.

Andere Filme, die sich mit dem Thema KI auseinandersetzen:

  • Blade Runner (1982)
  • Terminator (1984)
  • Die Matrix (1999)
  • AI – Künstliche Intelligenz (2001)
  • I, Robot (2004)
  • Her (2013) (→ Jonze)
  • Ex Machina (2015)

Weiterlesen auf krautreporter.de …

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Süddeutsche, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "Die Vermessung meiner Welt" & "Your Home Is My Castle") sowie Moderator und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

Abonnieren

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, lassen Sie sich über ähnliche informieren.

RSS-Feed abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Top