Immer die gleiche Leier – Was tun mit Jammerfreunden?

Geschrieben von am 09/05/2016 in Neon mit 0 Kommentare

Gute Freunde nerven uns oft mit ihren ewig gleichen Problemen: blöder Job, dicker Po, komische Eltern. Was soll man da noch sagen? Hier für alle 08/15-Beschwerden ein paar mögliche Antworten, die immer funktionieren.

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1. »Ich werde nur benutzt«

Deine Freundin beklagt sich, dass sie immer mit Arschlöchern abstürzt: »Und dann ringt er seinem Kater-Hirn eine falsche Telefonnummer ab, die er mir zum Abschied geben kann.«

Die schonungslose Antwort: »Du trinkst zu viel und hast keine Selbstachtung, weshalb du dich zu Typen hingezogen fühlst, die dich scheiße behandeln. Und wenn du nicht immer so total hacke wärst, würdest du auch bemerken, dass das Arschloch seine E-Mails checkt, während ihr herumknutscht.«

Die Feel-good-Antwort: »Du bist eine starke, unabhängige Frau, damit können viele Männer nicht umgehen. Irgendwann findest du bestimmt den Richtigen.«

Die konstruktive Antwort: »Versuch doch mal, um fünf Uhr morgens nach dem Tanzen alleine nach Hause zu gehen und triff dich stattdessen mit dem Typen aus deinem Spanischkurs, der dich schon zweimal eingeladen hat.«

2. »Ich hasse meinen Job«

Dein Freund ist in seinem neuen Job genauso unzufrieden wie in allen davor: »Der Chef hat mich seit dem ersten Tag auf dem Kieker, und irgendwie ist das schon auch öde, was wir da den ganzen Tag machen müssen.«

Die schonungslose Antwort: »Dein Chef findet es sicher eher ungeil, wenn du ihm vom ersten Tag an zeigst, dass du dir zu gut für den Job bist und sowieso alles besser weißt.«

Die Feel-good-Antwort: »Der hat vermutlich einfach Angst vor dem frischen Wind, den du in den Laden bringst. So was verunsichert manche Vorgesetzte schnell!«

Die konstruktive Antwort: »Mach vielleicht nicht gleich eine persönliche Sache draus, sondern versuche eine Weile, deinen Job richtig gut zu erledigen. Wenn du dann immer noch dieses negative Gefühl hast, solltest du das mit deinem Chef besprechen.«

3. »Ich werd schon wieder krank«

Deine Freundin krächzt furchtbar vor sich hin, während sie sich mit einem Zigarettenstummel eine neue Kippe anzündet: »Oh Shit … Ich glaub, ich werd schon wieder krank.«

Die schonungslose Antwort: »Bei deinem Lebensstil wäre ich froh, wenn es sich nur um eine Feld-Wald-und-Wiesen-Grippe handelt.«

Die Feel-good-Antwort: »Oh Mann, du Arme! Dich erwischt es in letzter Zeit wirklich sehr oft das hast du nicht verdient!«

Die konstruktive Antwort: »Wenn ich dir was aus der Apotheke besorgen soll, ruf mich an. Ich hab mittags ein bisschen Zeit.«

4. »Das Prickeln ist weg«

Dein Freund hadert bei einem abendlichen Bier mit seiner achtjährigen Beziehung: »Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber irgendwie prickelt es nicht mehr so wie früher.«

Die schonungslose Antwort: »Check’s endlich: Das Leben ist kein Hollywood-Film.«

Die Feel-good-Antwort: »Ach, das ist nur eine Phase, weil ihr beide gerade beruflich so eingespannt seid. Wenn der Winter erst mal vorbei ist, wird das wieder besser.«

Die konstruktive Antwort: »Aber wenn du ehrlich bist, sind doch andere Dinge an die Stelle von Andauernd-Sex-Haben getreten. Ja genau, ich meine so spießiges Zeug wie Vertrauen, gemeinsame Ziele und so. Und wenn dem nicht so sein sollte, dann habt ihr noch ganz andere Probleme …«

5. »Niemand versteht mich!«

Deine Freundin eröffnet jedes zweite eurer Telefongespräche mit dem Satz: »Boah, meine Eltern, weißt du? Was ist nur mit denen los? Die verstehen mich einfach nicht!«

Die schonungslose Antwort: »Ist ja auch nicht immer ganz einfach. Ich bin beispielsweise nicht dreißig Jahre älter als du und du bist mir trotzdem oft ein Rätsel. Hör einfach auf, zu glauben, dass deine Eltern auch deine besten Freunde sein müssen. Unter uns: Deine Mutter ist eine olle Ziege und dein Vater ein Borderline-Rassist.«

Die Feel-good-Antwort: »Das kenne ich soooo gut. An machen Tagen frag ich mich, ob ich nicht eigentlich adoptiert wurde, so wenig habe ich mit denen gemeinsam.«

Die konstruktive Antwort: »Wenn wir irgendwann mal Kinder haben, verstehen wir die wahrscheinlich auch nicht immer. Das ist ganz normal, glaube ich. Vielleicht sollten wir uns eher fragen, warum wir selbst als Erwachsene immer noch so scharf auf die Anerkennung unserer Eltern sind.«

6. »Der hat den Erfolg nicht verdient«

Immer wenn ihr euch trefft, meckert deine Freundin über die Erfolge eines gemeinsamen Bekannten, dem alles in den Schoß zu fallen scheint: »Ist ja klar, dass es bei dem gut läuft! Der macht alles über Connections und Vitamin B und so.«

Die schonungslose Antwort: »Vielleicht verbringt er aber auch einfach weniger Zeit damit, zwanghaft zu analysieren, was andere den ganzen Tag so machen, und ihnen ihre Erfolge zu neiden.«

Die Feel-good-Antwort: »Ja, total zum Kotzen solche Typen. Kein Talent, aber irgendwie schummeln sie sich doch immer durch, weil sie die richtigen Leute kennen. Dieses Geschleime liegt authentischen Menschen wie uns beiden halt einfach nicht, das ist dann manchmal schon ein Nachteil.«

Die konstruktive Antwort: »Halte dich nicht so sehr damit auf, wie hart oder wie wenig hart andere arbeiten mussten, um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind. Frag dich lieber, welche Ziele du selber erreichen willst, und schreib eine Liste, was du dafür noch lernen musst. Und dann leg los.«

7. »Ich bin immer pleite«

Dein Freund klagt dir sein Leid, in der Hand hält er einen riesigen Starbucks-Frappucino: »Ich weiß einfach nicht, wie ich mit so wenig Kohle über die Runden kommen soll.«

Die schonungslose Antwort: »Ja, echt blöd, dass es für das dritte Paar Sneakers diesen Monat nicht reicht. Nur zur Sicherheit: Du weißt, dass du doppelt so viel verdienst wie ich?!«

Die Feel-good-Antwort: »Schon krass, wie teuer alles geworden ist. Als ich für mein neues iPhone eine Lederhülle kaufen wollte, wollten die 45 Euro von mir.«

Die konstruktive Antwort: »Mir hat’s wirklich geholfen, mal rauszufinden, wofür ich wie viel Geld ausgebe. Lad dir doch am besten eine App runter, mit der du für ein paar Monate deine Ausgaben dokumentieren kannst. Die 99 Cent spendiere ich dir gern!«

8. »Wenn meine Eltern doch nur zusammengeblieben wären«

Statt sich mit dir über eine bestandene Prüfung oder den neuen Job zu freuen, beschäftigt sich deine Freundin lieber mit ihren eigenen Problemen: »Wenn meine Eltern noch zusammen wären, hätte ich sicher ein besseres Leben.«

Die schonungslose Antwort: »Hätte, hätte, Fahrradkette. Wenn sich alle Scheidungskinder so intensiv und ausgiebig für ihr Schicksal bemitleiden würden wie du, wären die Straßen leer gefegt und alle würden nur zu Hause sitzen und heulen.«

Die Feel-good-Antwort: »Das muss bestimmt total schlimm gewesen sein. Willst du mir nicht mehr darüber erzählen?«

Die konstruktive Antwort: »Das Leben wäre ja auch anders verlaufen, wenn du in der dritten Klasse neben jemand anderem gesessen hättest oder wenn du mit deinem ersten Partner zusammengeblieben wärst. Solche Gedankenspiele sind lustig, bringen einen aber letztlich nirgendwohin. Für dein Leben bist du doch selbst verantwortlich und niemand sonst.«

9. »Ich bin zu fett«

Dein alter Freund, seit Grundschultagen ein Fast-Food-Junkie, jammert: »Wie ungerecht ich hab schon wieder zugenommen.«

Die schonungslose Antwort: »Das stimmt. Und das Schlimme ist: Man sieht es leider auch, weil du dich immer noch in deine alten Jeans zwängst.

Die Feel-good-Antwort: »Ach, so ein Unsinn! Und wenn, dann nur am Bizeps und an den Waden. Ich kenne niemanden mit so einer tollen Figur!«

Die konstruktive Antwort: »Wenn deine Waage das sagt, dann ist das wohl auch so. Ich finde es ja nicht so wichtig, wie viel man wiegt. Aber wenn du dich absolut unwohl fühlst, können wir ja morgen vor der Arbeit zusammen joggen gehen ich könnte es auch vertragen.«

10. »Mein Kind frisst mein Leben«

Dein Freund, der seit knapp zwei Jahren Vater ist, schüttet dir mal wieder sein Herz aus: »Seit ich ein Kind habe, habe ich einfach überhaupt keine Zeit mehr für mich selbst. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal im Kino war.«

Die schonungslose Antwort: »Sei doch froh. Vor der Geburt hast du deine Zeit doch vor allem für Fremdgehen, Koksen und GTA-Zocken aufgewendet. So ist es besser für alle Beteiligten.«

Die Feel-good-Antwort: »Wenn euer Kind erst mal in der Schule ist, wird das sicher auch wieder anders. Und ihr wollt doch eh noch ein Geschwisterchen dann beschäftigen sich die Kinder ja irgendwann auch miteinander.«

Die konstruktive Antwort: »Wenn es wirklich so schlimm ist, übernehme ich gerne mal für einen Abend den Babysitterdienst und ihr beide geht mal wieder in die Rollschuh-Disco.«


Erschienen in: NEON
Foto: Gabriel Garcia Marengo / Unsplash

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (brand eins, NEON, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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