Lara Fritzsche: Mein Medien-Menü (Folge 71)

Geschrieben von am 17/03/2014 in Was ich lese mit 0 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü – diese Woche mit der Reporterin Lara Fritzsche.

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Wie informierst Du Dich morgens als Erstes?

Zwischen Liegen und auf dem Fahrrad sitzen habe ich morgens meist nur 15 Minuten Zeit. Also keine Zeit zum Lesen. Die Süddeutsche Zeitung habe ich am Abend vorher in der App meist schon quergelesen. Was in unserer Zeitung steht, weiß ich also, wenn ich am SZ-Hochhaus ankomme. Dann lese ich die Print-BILD quer. Donnerstags blättere ich die ZEIT durch. Freitags lese ich das New York Times Magazine. Tabs, die den ganzen Tag offen bleiben: Spiegel Online, Guardian und  Twitter. Samstags frühstücke ich im Café, da ist die erste Lektüre des Tages dann Stern und Bunte. Sonntags ist es die FAS. Neben der Schweizer Annabelle ist die FAS das einzige Printprodukt, das ich immer kaufe und nicht nur scanne, sondern richtig durchlese.

Welche Zeitungen und Magazine hast du im Abo?

Gar keine mehr. Aber ich lese regelmäßig die amerikanische Vanity Fair und die französische Elle in der App. Neon und Nido bringen mir meine Exkolleginnen mit, wenn wir uns zum Abendessen treffen. Mein Freund arbeitet bei Wired, daher liegen bei uns auch immer die Conde Nast-Magazine Glamour, Myself und Vogue herum. Blättere ich alles durch.

Welche Nachrichtenseiten und Blogs liest Du?

Außerdem schaue ich regelmäßig auf www.jezebel.com,  www.rookie.com, www.gizmodo.de, www.thenewyorker.com, www.journaldugeek.com, www.dailybeast.com, www.missy-magazine.de und www.lemonde.fr, www.colossal.com, www.womenyoushouldknow.net und www.ffffound.com. Das alles organisiere ich mit feedly. 

Welche Rolle spielen Leseempfehlungen/Links durch soziale Netzwerke?

Wenn ich Zeit habe, folge ich allen Links, die mir meine Twitter-Timeline nahe legt. Das könnte ich stundenlang machen. Leseempfehlungen funktionieren bei mir sogar dann, wenn sie (Eigen-)Werbung sind: Wenn Klaus Brinkbäumer samstags die Spiegel-Themen vorabtwittert und mich interessiert auch nur eines davon, dann lade ich Sonntags gleich den ganzen Spiegel runter.

 

Was liest Du auf Reisen?

Wenn ich im Ausland unterwegs bin, suche ich natürlich nach den Sachen, die ich noch nicht kenne. In Norwegen habe ich mal die Magazinbeilage von Dagens Næringsliv, D2 entdeckt. Die kaufe ich heute noch oft via App, weil sie optisch so toll ist. Und ich freu‘ mich besonders, wenn ich Magazine entdecke, die nicht übers Ipad zu laden sind. Letzte Woche war ich in Paris und habe die chicen Tabloid-Magazine entdeckt, die in den Boutiquen jedes Viertels ausliegen. Viel hyperlokale Werbung ist da drin, klar, aber auch ein, zwei originäre Texte. Zwanzig solcher Hefte habe ich mit nach Hause geschleppt.

 

Was ist wichtige berufliche Lektüre für Dich?

Geschichten finde ich in den Zeitungen und Magazinen, die ich so lese, natürlich nicht. Für mich als Reporterin bei einem Wochenmagazin ist die Lektüre wichtig um einen Überblick über relevante Themen zu kriegen. So werde ich auf Personengruppen aufmerksam, die es sich zu beobachten lohnt. Die eigentliche Recherche beginnt erst dann: Innerhalb dieser gesellschaftlich relevanten Personengruppen suche ich nach dem interessantesten Protagonisten, nach der überraschendsten Konstellation von Menschen, dem ungewöhnlichsten Schicksal, kurz: nach der besten Geschichte. Online und offline.

Nach dem Massaker auf Utoya habe ich etwa ein Mädchen gefunden, das seiner toten Freundin weiterhin SMS schreibt. Zuletzt habe ich über den Trend zur Essstörung in der Schwangerschaft geschrieben. In der Berichterstattung der klassischen Klatschblätter ist mir aufgefallen, dass inzwischen selbst schwangere Promis einem Schlankheitsdruck ausgesetzt sind. Und bei der weiteren Recherche stellte sich heraus, dass das längst auch bei normalen Frauen angekommen ist.

Gibt es Fernseh- oder Radiosendungen, die Du möglichst nichts verpasst?

Abends schaue ich eigentlich immer Tagesthemen. Am Freitag gerne die heute show, am Sonntag den Bericht aus Berlin. Ansonsten schaue ich viel Trash; wie Germanys next Topmodels, Bachelor, Dschungelcamp, Sat-1-Fernsehfilme, Shopping Queen und Goodbye Deutschland. Das meiste davon nur, um mich aufzuregen und parallel auf Twitter mitzulesen, wie sich die anderen aufregen.  Jan Böhmermann schaue ich, wenn Zeit ist und in Ruhe, auf dem Ipad.

Radio höre ich nur im Auto. Aber hin und wieder lade ich mir Podcasts runter, allerdings eher zu Recherchezwecken. Das sind dann Univorlesungen oder TED-Talks zu Themen, die ich gerade bearbeite. Die höre ich dann auf dem Weg zur Arbeit auf dem Fahrrad.

 

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Ich kaufe mir oft politische Sachbücher und lese sie dann doch nicht. Einzige Ausnahme: „Der Zirkus“ von Nils Minkmar. Super Buch. Sonst eher Belletristik: Zuletzt habe ich „Quasikristalle“ von Eva Menasse gelesen, weil es mir meine Mutter empfohlen hat und „Meine 500 besten Freunde“ von Johanna Adorjan, weil Sophie Servaes (@wersglaubt) so davon geschwärmt hat. Beide Empfehlungen kann ich nur bekräftigen. Außerdem ganz toll: „1913“ von Florian Illies.

 

Wer sind Deine LieblingsautorInnen?

Die oben genannten AutorInnen suche ich auch in der Zeitung als Erstes. Wen ich außerdem fast immer lese: Tanja Stelzer von der ZEIT, wegen ihrer Themenauswahl. Sie schreibt häufig über Frauen, die mich auch interessieren. Gisela Friedrichsen, wegen ihrer nüchternen Klarheit. Aus dem selben Grund: Stefanie Lohaus, keine schreibt so schnörkellos und trotzdem unverbittert über den Versuch in einer Partnerschaft gleichberechtigt zu leben. Heike Faller vom ZEIT Magazin und Nicola Abé vom Spiegel, wegen ihrer schönen Sprache. Carolin Emcke, weil sie mit Formen experimentiert. Für Texte von Kathrin Spoerr kaufe ich sogar die WamS. Ich lese natürlich auch Männer. Zu Kirchenthemen alles von Joachim Frank im Kölner Stadt-Anzeiger. Zum Heulen Erwin Koch. Zum Zustimmen Markus Feldenkirchen und zum Aufregen Harald Martenstein. 

Lara Fritzsche ist Redakteurin beim Süddeutsche Zeitung Magazin. Für ihre Reportagen wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Axel-Springer-Preis.

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Offenlegung: Mit einigen der Menschen, die hier ihre Mediengewohnheiten vorstellen, bin ich befreundet. Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links. Das bedeutet, ich bekomme im Fall eines Kaufs eine kleine Provision (natürlich ohne zusätzliche Kosten für den Käufer).

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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