Klaus N. Frick: Mein Medien-Menü (Folge 56)

Geschrieben von am 02/09/2013 in Was ich lese mit 0 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-, Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche nach langer Sommerpause: Perry-Rhodan-Chefredakteur, Punk- und Fanzine-Legende Klaus N. Frick. 

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Ich stelle immer wieder fest, wie konservativ mein Medienverhalten ist. Das beginnt am frühen Morgen schon entsprechend: Da meine Lebensgefährtin als Lehrerin arbeitet, verlässt sie vor sechs Uhr das Haus.

Ich stehe um sieben Uhr auf, und mein erster Griff ist praktisch der zum Plattenspieler: Ich lege eine Vinyl-Schallplatte auf, genieße es, das Knistern der Rillen zu hören, und dann läuft die Musik, die ich mag … Bis etwa neun Uhr schreibe ich dann an eigenen Texten (frühstücke nebenbei, dusche zwischendurch – was man eben so tut), räume auf, höre aber vor allem Musik; dann gehe ich zur Arbeit ins Büro.

Tagsüber checke ich immer wieder Nachrichtenseiten im Netz, lese viel bei Twitter und lasse mich davon immer wieder auf Blogs oder Facebook-Seiten entführen. »Spiegel Online«, »kress.de« oder »W&V«, aber auch »Turi2« oder der Buchreport-Newsletter sind für mich Pflichtlektüre – ich lese sie nicht komplett, aber ich schaue sie im Verlauf des Tages eben durch.

Abends bevorzuge ich Papier: Ich lese nach wie vor gern meine Tageszeitung, ich mag »Brand eins« und »Bild der Wissenschaft«. Darüber hinaus sind Hefte wie der »Buchmarkt«, die aktuelle »Phantastisch« oder Musik-Fanzines wie das »Ox« oder das »Plastic Bomb« eine Mixtur aus Pflicht- und Spaßlektüre. Ich fühle mich durch solche Medien gut unterhalten und informiert.

Und ich mag es, mich von einer Redaktion auch auf Themen leiten zu lassen, auf die ich normalerweise nicht komme: Meiner Ansicht ist das nach wie vor der größte Vorteil für Print-Magazine – die Redaktion leitet mich zu fremden Themen. Online gucke ich nach dem, was mich eh schon interessiert.

Regelmäßig und unregelmäßig

Ich bin ein Viel-Leser; ich habe mehrere Zeitschriften im Abonnement, die ich selektiv lese. In den Urlaub nehme ich dann gerne mal »Brand eins« und »Bild der Wissenschaft« mit und lese sie am Strand komplett; bei Dienstreisen oder während einer literarisch-seriösen Veranstaltung habe ich gerne das »Punkrock!« oder das Comic-Magazin »Sprechblase« dabei, was einen schönen Kontrast in punkto Lektüre gibt. Und natürlich habe ich all diese Hefte in Papierform dabei – irgendwie mag ich das lieber als »digitales Lesen«. Ich bin da genauso konservativ wie beim Musikhören.

Nach wie vor liebe ich es, Bücher zu lesen. Dabei ist Science Fiction aus beruflichen Gründen mein Schwerpunkt, aber ich schmökere gern durch andere Genres wie Krimi oder Fantasy oder durch Sachbücher. Da ich viele Autoren kenne, lese ich häufig deren Romane – die gefallen mir dann meistens auch. Und natürlich lese ich gern Comics: von der wunderbaren »Prinz Eisenherz«-Edition bis hin zu den neuen »Batman«-Heften.

Richtig gelacht habe ich zuletzt bei »Der König von Berlin« von Horst Evers, derzeit lese ich den durchaus komplexen Roman »Das Buch Gabriel« von D.B.C. Pierre; danach möchte unbedingt den neuen Spenser-Krimi von Robert B. Parker lesen. Als nächste Lektüre habe ich mir eine Sammlung mit Steampunk-Kurzgeschichten vorgenommen; die liegt schon bereit.

Empfehlungen und Informationen

Was mich im Netz mittlerweile nervt, sind Autoren, die mir ständig ihre eigenen Bücher empfehlen; von diesen Leuten will ich dann gar nichts lesen. Sagt mir aber jemand, den ich persönlich schätze, »boah, das musst du unbedingt lesen«, so ist das für mich eine echte Empfehlung, der ich durchaus nachgehe. Der Stapel ungelesener Bücher wird dadurch leider nicht kleiner.

Ich meide das Feuilleton mittlerweile; allein wenn ich bei der Buchmesse die Inhaltsangaben aktueller Bücher durchlese, die mir von der »FAZ« oder der »taz« angepriesen werden, packt mich meist das kalte Grausen angesichts der Ideenlosigkeit, die mir da entgegenschlägt. Wer will ernsthaft Bücher über Leute lesen, die sich auf 500 Seiten langweilen? Ich verstehe so etwas nicht einmal.

Denis Scheck und seine Sendung »druckfrisch« finde ich klasse, die gucke ich gern an. Sogar »titel thesen temperamente« mag ich; allerdings kaufe ich mir nach solchen Sendungen trotzdem selten ein Buch. Aber es hilft ja, wenn man guckt, was es sonst noch gibt. Ansonsten gucke ich wenig fern: die »Tagesschau«, den wöchentlichen »Tatort«, gelegentlich ein Fußballspiel – wenn’s halt Champions League oder Weltmeisterschaft gibt. Beim Rumzappen lande ich gelegentlich bei einem guten Film und bin oft positiv überrascht davon.

Ein Leben aus Medien

Ich beschäftige mich gefühlte 18 Stunden am Tag mit Medien; entweder läuft das Radio oder ein Hörbuch im Auto, oder ich lese und schreibe privat, oder ich stelle Medien her (mit Autoren gemeinsam oder auch allein als Autor und Journalist). Ein Leben ohne Medien kann ich mir kaum vorstellen. Aber vielleicht mag ich deshalb gerne auf Papier lesen und von Vinyl hören, weil ich den ganzen Arbeitstag lang auf einen Bildschirm gucke – da muss man einfach variieren.

Text: Klaus N. Frick / Foto: Privat

Klaus N. Frick wurde 1963 in Freudenstadt im Schwarzwald geboren, wo er auch zur Schule ging, sein Abitur ablegte und bei der örtlichen Tageszeitung arbeitete. Seit den 80er Jahren als Schreiber tätig – als Freiberufler für Tageszeitungen und Wochenblätter, ab Ende der 80er Jahre in einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit in Tübingen. Seit 1992 Redakteur für die PERRY RHODAN-Serie in Rastatt, seit 1999 Chefredakteur für alle PERRY RHODAN-Produkte. Klaus N. Frick wohnt in Karlsruhe. Gelegentlich veröffentlicht er Artikel, Geschichten und Erzählungen. Zuletzt erhielt er für seine Kurzgeschichte »Im Käfig« den Kurd-Lasswitz-Preis für die beste Science-Fiction-Kurzgeschichte.

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerneschreiben.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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