Volker Kleinophorst: Mein Medien-Menü (Folge 55)

Geschrieben von am 17/06/2013 in Was ich lese mit 0 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-, Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche: Der Journalist und Berater Volker Kleinophorst.

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Wie informierst du dich morgens als erstes?

Als erstes ruf ich meine Mails auf, meist schon auf dem i-pad, während  der Rechner noch hochfährt. Da überflieg ich kurz die Newsletter von caschys-blog, Internet World und turi2. Hier geh ich auch gern mal einem interessanten Link nach. Bild, Taz und Spiegel guck ich mir online an. Den Dreiklang hab ich schon als Student in der Printversion für unverzichtbar gehalten, um nen groben Überblick zu haben, welche Sau aktuell durch welche Dörfer getrieben wird. Dann kurz Facebook. Meine Timeline ist für mich eine Art individualisiertes Magazin geworden.

 

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Abonniert hab ich nur noch die Musikzeitschrift Eclipsed. Interview, Rocks, Rock Classic, Musikexpress hol ich mir am Kiosk, ebenso wie PM-Biografie, Dummy, Diverses aus der Geo-Welt sowohl die Geografischen als auch die Historischen Sachen. Früher auch den Rolling Stone. Die App des Rolling Stone gefällt mir aber so aber gut, dass ich jetzt sein i-pad-Abo abgeschlossen habe. Viele bieten, wenn überhaupt, ja nur Blättertools. Da zieh ich Print vor. Le Monde diplomatique hat die allerbesten Artikel, die Sonderhefte wie Atlas der Globalisierung habe ich fast alle. Weil die nicht überall zu kriegen sind, hab ich die meisten Sachen als PDF downgeloaded. Printausgaben von Spiegel, Stern und anderen – vor 20 Jahren am Erscheinungstag unverzichtbar – kommen überhaupt nicht mehr vor. Wenn dann mal über deren App.

 

 

Was liest du auf Reisen?

Die Medien des Landes, da kann ich alles mal durchblättern, auch wenn ich Landessprache nicht kann. Find ich interessant. Bücher über das Reiseland. Vor meiner Norwegenreise im Mai fiel mir Karl Capeks „Nordlandreise“ in die Finger. Eine ähnliche Tour, nur 1936. Tolles Buch. Seit einer 2 Jahren nutz ich einen ipod mit Hörbüchern, weil Gedrucktes einfach zu schwer ist und die Fluggesellschaften bei Übergepäck mittlerweile gnadenlos sind, obwohl ich eigentlich lieber lese. Aktuelles Hörbuch: Frank Schätzings “Limit”.

 

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Die klassischen Medien-Seiten von Bild bis Zeit. Neben den schon genannten, Tagesspiegel, Der Freitag, The European. Ich schau auch schon mal auf die Seite der Jungen Welt (links) oder der Jungen Freiheit (rechts). Einfach um mal zu gucken, was da die großen Themen sind. Wie der Goldpreis steht, ist mir wichtig und was die Wirtschaft so macht, erfahre ich vom Handelsblatt und den deutschen Wirtschaftsnachrichten.

 

Welche Blogs liest du?

fefes blog halte ich für essentiell, technisch und politisch. Heise, Nielsen, usablility in germany, weil ich mit diesen Themen beruflich zu tun habe. Die Verschwörerszene hat mich nicht mehr losgelassen, seit ich an der Uni darüber mal ne Arbeit geschrieben habe. Also Icke, Jones, Honigmann, Infokrieg, Kopp, Popp und ganz viele auf fb. Ich weiss, dass die umstritten sind. Aber um sich damit auseinanderzusetzen, muss man wissen, was die sagen. Fuck you very much find ich einfach herrlich unterhaltend. 5 Dinge, auch Happy Schnitzel schau ich mir gern an und den Postillion. Bei Tumblr bummel ich gern mal rum. Als Hundefreund mag ich pfotenpower.

 

Was ist wichtige berufliche Lektüre für dich?

Das kann ich nur schwer trennen. Mit dem täglichen Newsletter von der Datenbank von Informationsdienst Wissenschaft habe ich einen guten Überblick über die akademische Welt.

 

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Don Winslow, Kings of Cool; Annalena McAfee, Zeilenkrieg; Tom Wolfe, Back to Blood, haben mir zuletzt gut gefallen. Wenn mich Thema oder Person interessiert les ich auch Biographien, wie die über Erich Kästner oder von Beth Ditto. Gerne Reiseberichte wie Tim Butchers, Blood River über dessen Expedition den Kongo entlang von der Quelle bis zur Mündung. Atemberaubend und man erfährt viel über Kolonialgeschichte.

 

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Sigmund Freud – Das Vermächtnis der letzten Jahre. Bei Charles Bukowski sind sogar die Briefe gut.

 

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

Instapaper und Dropbox haben sich für meine Art zu arbeiten, als sehr nützlich erwiesen, beim Informationen ordnen bzw. auf allen Devices zur Verfügung zu haben. Ich probier auch gerne mal was aus, aber weder Flipboard noch irgendwelche Reader oder yoono haben sich durchgesetzt, obwohl ich die schon gut und praktisch fand. Jeder hat da wohl seine eigenen Laufwege.

 

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Bevor ich ein iPad hatte, hab ich sogar längere Artikel auf dem smartphone gelesen. Jetzt nur noch auf dem Pad. Oft nutze ich Rechner (2 Bildschirme) und pad parallel. Das find ich wirklich sehr komfortabel, wenn die Recherchen mal etwas aufwendiger sind.

 

Gibt es tägliche oder wöchentliche Leserituale?

Im Bad muss was zu lesen liegen. Musikzeitschrift oder Comic aka Graphic Novel.

 

Wer sind deine Lieblingsautoren (Buch, Zeitung, Magazin)?

Einer den ich als Kind schon mochte, den ich heute noch gut finde, ist Mark Twain, da hab ich jetzt die Biografie liegen, aber erst reingeblättert. Natürlich mag ich die Klassiker wie Hunter Thompson, Charles Bukowski, Tom Wolfe, Gay Talese. Wolf Wondratschek, Helge Timmerberg, Andreas Altmann lese ich immer gern. Für „The European“ schreiben viele interessante Autoren. Sascha Lobo, Dominic Johnson, Karim El-Gawhary, Marc Fischer, Georg Diez, Friederich Küppersbusch, Arno Frank, Peter Glaser, den Großmeister des Einzeilers, schätze ich sehr.

 

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Herr Eppert sucht, Louis Theroux (auf ZDF-Neo). Ansonsten Seichtes: Castle, Der letzte Bulle, Tracks, wichtige Fußballspiele. Radio nie. Ich habe eine gute Musiksammlung, da bin ich auf Formatradio nicht angewiesen. Internetradio – da fehlt mir der kompetente Moderator. Song an Song kann ich selber.

 

Hast du einen Lieblings-Podcast?

Ich habe ne ganze Zeit lang zwei wirklich gerne verfolgt. Drum&Bass Arena und Ritmo Latino. Eigentlich nicht meine Baustelle.

 

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Ganz klar weg von Print. Früher hab ich die Regale leer gekauft. Heute lese ich online, habe iPad-Abos, benutze Kindle und E-Book Reader.

 

Irgendetwas, das ich vergesse habe, du aber trotzdem gerne liest / siehst / hörst?

Irgendetwas, das ich vergesse habe, du aber trotzdem gerne liest / siehst / hörst?

Ich höre gerne Musik. Um für Neues aufgeschlossen zu bleiben, krieg ich regelmäßig den RCRD LBL Newsletter. Ich geh gerne in Ausstellungen und Museen aller Art. Ort des Gegen, Nomaden, Nachtmahre und Ruinenengel, Hans-Peter Feldmann waren meine letzten Highlights – der explizit nicht aktuelle Kontext ist gerade das Spannende. An guten Ausstellungskatalogen kann ich nur schlecht vorbei.

 

Volker Kleinophorst ist freier Journalist, Blogger, Webmanager und Berater. Magister in Kommunikationswissenschaft, Axel Springer Journalistenschule, arbeite ich seit 30 Jahren für Print, TV und Online, bis 2010 als Chefredakteur „Family Media Online“. 1985 der erste PC (zwei Disketten-Laufwerke, keine Festplatte, keine Maus oder gar Internet) seit 1994 im Internet (noch ohne Bilder und WWW), hat mich die Alltagsdurchdringung der Technik dennoch überrascht. „1994 gab es niemanden, dem man eine E-mail schreiben konnte“.  Ich habe eine Medienmanufaktur in Wenzendorf bei Hamburg, bin Berater bei Usability in Germany

 

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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