Sophie Servaes: Mein Medien-Menü (Folge 49)

Geschrieben von am 06/05/2013 in Was ich lese mit 6 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-, Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche: Sophie Servaes, die Frau hinter nido.de und dem Lothar-Matthäus-Tumblr, den dir letzten Monat jeder dreimal weitergeleitet hat.

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Wie informierst du dich morgens als erstes?

Mein Tag beginnt – wer hätte es gedacht – mit einem kurzen Blick aufs iPhone. Ich scrolle mich drei Mal durch: Durch meine Facebook-Timeline, durch meinen Instagram-Feed, durch die Tweets der letzten Nacht. Das reicht mir eigentlich schon, um ziemlich gut informiert aus dem Haus zu gehen und mir sicher sein zu können, dass ich auf eventuelle Fragen von kreuzenden Passanten „Was ist seit gestern so passiert?“ ausreichend vorbereitet antworten kann.

Das Prozedere wiederholt sich anschließend noch mal in der Tram zur Arbeit und wird den Tag über halbstündlich aufgefrischt.

 

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Ich lese keine einzige Zeitung. Das hat damit zu tun, dass ich das Zeitungsformat wirklich enorm unpraktisch finde. Ich weiß nicht, wie ich umblättern soll, habe Angst, andere beim Lesen zu schubsen – ich fühle mich einer Zeitung physisch unterlegen. Auch Magazine habe ich keine abonniert, eher aus Faulheit denn aus Desinteresse. Ich kaufe die dann eben so. Das wären, um bei den ganz regelmäßigen zu bleiben, der Weekender, die großartige Muh und hin und wieder Musikzeitschriften aus England – wie zum Beispiel Mojo. Dann natürlich Nido und NEON, eh klar – und das SZ-Magazin klaube ich immer aus der Zeitung, die bei uns in der Redaktion rumliegt.

Was liest du auf Reisen?

Magazine und Bücher, meistens kaufe ich am Bahnhof oder Flughafen einen ganzen Stapel Hefte und trage dann eine riesige Tüte mit Lesestoff mit mir herum. Da ist dann von Klatsch-und-Tratsch bis „Oh, was ist das denn für ein neuartiges Fleischmagazin, das muss ich lesen“ alles dabei.

 

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Twitter und Facebook. Ja, im Ernst: Ich rufe keine einzige Nachrichtenseite im Netz mehr aktiv auf, sondern verlasse mich blind auf das, was mir bei Facebook und vor allem Twitter in den Feed gespült wird. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich dadurch was verpasse, im Gegenteil: Twitter ist um ein Vielfaches schneller – und ich muss nicht mehr selbst alle News-Seiten abgrasen. Ich folge den üblichen Verdächtigen: SpOn, Zeit Online, Stern, der Freitag, Guardian, NME, Pitchfork.

 

Welche Blogs liest du?

Mittlerweile eine ganze Menge – und ich bin meinem Kollegen Heiko Bielinski überaus dankbar für seine Hartnäckigkeit, mit der er mich auf bestimmte „Tools“ wie den Google Reader gebracht hat. Ich bin trotz meines Jobs sehr eigen, wenn es um „Du musst unbedingt das neue Dingsbums nutzen“-Empfehlungen geht. Er hat mir erklärt – mehrmals – dass ich durch einen RSS Reader Zeit und Klickkraft sparen kann. Und seit gut einem Jahr verlasse ich mich auf den Google Reader – keine Ahnung, was ich nutzen werde, wenn der im Sommer abgestellt wird. Ich muss zugeben: Das macht mir ein bisschen Angst.

Ich lese vor allem Blogs, die sich mit Fotografie, Musik und Mode und Kochen und Backen beschäftigen: Ganz vorne ist da für mich Miss Moss – die Südafrikanerin schafft es auf unglaubliche Weise, fast jeden Tag wunderschöne Fotos, Illustrationen, Blogeinträge und Musik-Compilations zu sammeln und lässt das ganze noch dazu toll aussehen. Ein tumblr, den ich toll finde, ist Oldtimefriend – wunderschöne Fotos und Musikschnipsel, derer ich mich gerne auch für meine private Facebookseite bediene. Ich mag It’s nice that, wo es immer das neueste aus der Welt der Kreativen zu sehen gibt. Frau Ziii kocht in Wien immer genau das, was ich selbst gern mag. Und zum Backen gucke ich gerne bei Zucker Zimt & Liebe rein – und bei Shutterbean, Smitten kitchen und Pastry Affair. Ach so, und immer wieder Pitchfork, für die Musik im Leben.

 

Was ist wichtige berufliche Lektüre für dich?

Beruflich wichtig sind für mich Blogs, die sich mit Familienthemen beschäftigen: Das Nuf, Herzdamengeschichten oder mutterseelenalleinerziehend sind die, die da immer wieder aktuelle, wichtige Themen aufgreifen. Dazu kommen Style-Blogs, die von Müttern geschrieben werden: Angefangen hat es noch vor meiner Nido-Zeit mit Bleubird, Love Taza und A Cup of Jo. Und die lese ich auch immer noch gern. Und natürlich wären da noch die vielen, tollen Blogs, die vielleicht noch nicht ganz so bekannt, aber allesamt überaus lesenswert sind, wenn man sich mit Familienthemen auseinandersetzen will.

 

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Kurzgeschichten – schon immer. Ich liebe Geschichten von Miranda July, Judith Hermann und ganz aktuell das Buch „Meine 500 besten Freunde“ von Johanna Adorján. Bücher mit popkulturellem Bezug. Und, ja, Kochbücher. Ich habe an meinem Bett einen hohen Stapel mit meinen derzeitigen Lieblingskochbüchern liegen.

 

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Mein absolutes Lieblingsbuch ist „Keine weiteren Fragen“ von David Nicholls. Der Autor des Bestsellers „Zwei an einem Tag“ hat eben noch andere tolle Bücher geschrieben, und das hier hat mich sehr beschäftigt. Weil es so wirklich sehr sehr lustig ist, und schlau, romantisch und wahr, und ganz tolle Musikbezüge hat. Riesenempfehlung.

 

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

Die Social Apps nutze ich täglich, also Facebook, Twitter, Instagram – sonst: keine Spiele, keinen Quatsch, nur Foto-Apps. Ich mag vor allem ShakeItPhoto, Lo-Mob und Afterlight.

 

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Ich habe ein Kindle, das ich öfter nutzen würde, wenn ich wüsste, wo ich das Ladegerät hinverlegt habe. Daher bleibt nur noch mein iPhone, mit dem ich durchaus auch lange Texte lese und das auf Zugfahrten regelmäßig heißglüht – iPad hab ich keins, will ich auch nicht, aus Gründen.

 

 

Gibt es tägliche oder wöchentliche Leserituale?

Am Wochenende lese ich mich ganz analog durch meine Fernsehzeitung, mit der ich meinen tumblr „Ich liebe meine Fernsehzeitung“ befülle. Außer diesem tumblr gibt es noch einen, der meinen Weg zur Arbeit dokumentiert. Und schließlich den „Loddar holding things“-tumblr – ja, den habe ich gemacht, und ich mag Lothar Matthäus! (Und er mich auch, schreibt er.) Da ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, kommt mir das tumblr-Angebot sehr entgegen. Dort neue Seiten zu erstellen geht wahnsinnig fix, und das eignet sich daher bestens für meine Ideen, die einer sofortigen Kuratierung bedürfen, sonst würde ich eventuell noch mehr backen – was wiederum meine Kollegen freut. Hm.

 

Wer sind deine Lieblingsautoren (Buch, Zeitung, Magazin)?

Ich lese wirklich alles von meinem Kollegen Max Scharnigg und wurde noch nie enttäuscht, weder in Buch- noch in Magazinform.

 

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Jeden Morgen höre ich von halb acht bis halb neun auf Bayern 2 die „Radiowelt“. Ich mag die Presseschau, ich mag die Musik, die wirklich hörbar ist, und dieses Unaufgeregte, Leise. Die Sendung nicht zu hören, würde mich traurig machen. Nur wenn die Moderatoren zu viel sprechen, nervt mich das, aber in der Zeit kann man sich ja die Haare föhnen.

 

Bevor Sophie Servaes im Mai 2011 Onlineredakteurin beim Nido Magazin wurde, war sie vier Jahre lang NEON.de-Redakteurin. Bei Nido ist sie für die Webseite und die Social Media Kanäle (Facebook, Twitter, Pinterest) zuständig. Privat ist sie bei Twitter und Facebook und Instagram oder in ihrer Küche zu finden.

Foto: Julian Baumann

 

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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