Dominik Schütte: Mein Medien-Menü (Folge 44)

Geschrieben von am 18/03/2013 in Was ich lese mit 4 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-, Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche: Dominik Schütte, stellvertretender Chefredakteur von GQ und GQ Style.

dominik schütte medienmenü

 

 

Wie informierst du dich morgens als erstes?

Mit Spiegel Online auf dem iPhone, obwohl die Seite reißerischer ist als die BILD-Zeitung – die ich mir später zum Beweis aus dem stummen Verkäufer ziehe (obwohl man die in München problemlos aus dem Kasten klauen könnte, bezahle ich, mir fehlt im Gegensatz zum Blatt wohl die kriminelle Energie). Außerdem schau ich in meinen lange zusammengebastelten Twitter-Feed. Erst dann gucke ich, was bei Facebook passiert – in der irren Hoffnung, es könnte sich lohnen.

 

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Ich verpasse keine ZEIT und kein ZEIT-Magazin, keinen Spiegel, keinen US-Esquire, keine US-Wired. Ich überfliege zumindest Vanity Fair, den New Yorker, den US-Rolling Stone, den Stern, den Kicker und – guilty pleasure – Gitarre & Bass. Außerdem fast immer NEON und das SZ-Magazin, aus alter Verbundenheit. Und ich schaue natürlich, was die Kollegen der anderen 17 Ausgaben von GQ machen. Ja, auch die Chinesen.

 

Was liest du auf Reisen?

Da sacke ich Zeitungen ein, als würden sie morgen alle dichtgemacht – was ja hoffentlich nicht so schnell gehen wird. Außerdem vergewissere ich mich im Flieger drei Minuten lang, dass mich immer noch nicht interessiert, was in Bunte und Gala steht. Fluglinien-Magazine empfinde ich als Frechheit, herrlich hingegen sind die Produktporno-Kataloge in den Sitztaschen amerikanischer Regionalflugzeuge. Vorher wusste ich nicht, dass es T-Rex-Modelle in Originalgröße für den Garten gibt. Wie werden die geliefert?

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Wichtig sind sie mir nicht und vertrauen mag ich ihnen auch nicht recht, aber: BILD.de und Spiegel Online. Ich würde ja gerne zu ZEIT Online schwenken, aber die anderen hauen die Eilmeldungen rücksichtsloser raus. Seien wir ehrlich, darum geht’s doch.

 

Welche Blogs liest du?

Hier bewege ich mich so weit wie möglich weg vom Journalismus und gucke am liebsten Nerds beim Nerdsein zu. Mal baut sich ein Dilettant selbst eine E-Gitarre, mal listet einer die 50 schlechtesten Zombiefilme auf, mal schaue ich jemandem zu, wie er ein Auto restauriert. Aber treu bleibe ich keinem Blog.

 

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Da ich textlich arbeite, habe ich in der Freizeit keine große Lust zu lesen. Sachbücher gehen total an mir vorbei, lieber nehme ich mir drei, vier Romane mit in den Urlaub. Die Biografie, von der ich mich nicht beschwindelt fühle, muss noch geschrieben werden.

 

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Viel zu spät habe ich mich von den „Korrekturen“ umhauen lassen.

 

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

Klar: Twitter. Ansonsten eigentlich nur mein Safari-Browser, mit dem ich leidenschaftlich surfe. Ergo: Ich glotze eh zu viel auf mein Smartphone, da mag ich mich nicht auch noch in Spezial-Apps und RSS-Feedern verzetteln.

 

Wer sind deine Lieblingsautoren (Buch, Zeitung, Magazin)?

Ich mag es, wenn Journalismus leicht bleibt, aber dennoch relevant ist, wenn Pop und Gesellschaft schlau verwoben werden. Das können leider nicht viele und wenn doch wird’s schnell programmatisch. Romane hingegen müssen mich im Magen packen. Das schaffen zum Beispiel Cormac McCarthy, Jonathan Franzen und Philip Roth.

 

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Seit etwa 30 Jahren „Die Sportschau“. Außerdem habe ich eine masochistische Vorliebe für Sendungen wie „Hart aber fair“ oder „Günther Jauch“. Was das deutsche Fernsehen angeht, bin ich also frühvergreist. Nie verpassen würde ich neue Folgen von „Breaking Bad“, „Girls“, „Game of Thrones“, „Sons of Anarchy“ und „The Walking Dead“ – aber das passiert ja alles auf Blu-Ray oder im Stream.

 

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Es ist traurig und ich fühle mich schlecht, aber im Alltag lese ich praktisch keine Tageszeitungen mehr. Dennoch habe ich das Gefühl, nichts zu verpassen, denn ein Text, der es wert ist, wird seinen Weg zu mir finden. Vielmehr ist es ein Ruhemoment geworden, sich einem gedruckten Medium zu widmen und das vermaledeite Smartphone-Infogewitter auszublenden: Am Strand, im Park, im Café. Lesen als Wellness, herrlich eigentlich.

 

Dominik Schütte ist Diplom-Journalist und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er bei der Süddeutschen Zeitung, dem SZ-Magazin und GQ. Nach einigen Jahren bei NEON, kehrte er 2010 als Stellvertretender Chefredakteur zu GQ zurück. Außerdem schreibt er Bücher. Sein Debütroman heißt „Was würde der Boss tun?

 

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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