Test iPhone 5 vs Samsung Galaxy S3: Smartphone-Flaggschiffe im Vergleich

Geschrieben von am 16/10/2012 in Wollt grad sagen mit 5 Kommentare

Ganz früher hieß es „Beatles oder Stones?“, später dann „Geha oder Pelikan?“. Heute ist die Frage, an der sich die Geister scheiden „iPhone oder Android?“ Ich habe mir mal für einen – absolut subjektiven – Test mal die beiden derzeit besten Telefone beider Systeme – das iPhone 5 und das Samsung Galaxy S3 – angesehen.

Look & Feel

Das Samsung Galaxy S3 (ich hatte es in weiß) sieht gut aus, mir gefällt vor allem die ganz leichte, kaum wahrnehmbare Wölbung. Die Verarbeitung sieht sehr gut aus, obwohl das Gehäuse des S3 vor allem aus Plastik besteht, wirkt es trotzdem nie billig oder klapprig. Das iPhone 5 wirkt mit seiner Aluminiumrückseite dennoch deutlich wertiger.

Handhabung

Die ersten Tage hatte ich beim S3 ständig das Gefühl, es würde mir jeden Moment aus der Hand fallen. Es ist das größte Smartphone, das ich je in den Händen hatte und auch wenn diese bestimmt nicht klein sind, so musste ich den Daumen doch ganz schön strecken, um das S3 mit einer Hand zu bedienen. Mit beiden Händen geht es deutlich besser, aber gerade unterwegs hat man eben nicht immer beide Hände frei.

Das iPhone 5 hat sich in der Breite zu seinen Vorgängern nicht geändert und ist lediglich länger geworden. Das sorgte für Tausende lustiger Photoshop-Witze, in denen jemand ein, hihihi, waaaaahnsinnig langes iPhone zusammengepixelt hatte. In der Realität sorgte es dafür, dass man einen größeren Bildschirm bekommt, das Gerät aber immer noch genauso gut in der Hand halten kann wie vorher. Schon sehr komfortabel auch wenn sich der amerikanische Technikjournalist Anil Dash bereits beschwert hat, dass das länge iPhone jetzt aus der Tickettasche seines Anzugs herausgucke.  Vielleicht ist das aber auch eher ein First-World-Problem.

Bildschirm

Ein größeres Smartphone lässt sich zwar etwas schwieriger halten, bedeutet aber auch: größerer Screen. Und der Bildschirm des Samsung Galaxy S3 ist schon deutlich größer als der des iPhones. 4,8 versus 4,0 Zoll in der Diagonale um genau zu sein. Das macht bei Spielen und beim Filmegucken schon deutlich mehr Spaß. Beides mache ich mit dem Smartphone allerdings nicht so häufig – wo ich den größeren Bildschirm aber zum Beispiel sehr geschätzt habe, war bei der Monatsansicht des Terminkalenders. Während beim iPhone die Termine nur in einer Tagesliste unter die Monatsübersicht passen, kann man sie auf dem großen Screen des S3 direkt im jeweiligen Tag des Monatskalenders sehen. Eine Kleinigkeit, aber wie ich finde, ein sehr angenehmes Feature.

Schaut man sich die Auflösung genauer an, merkt man jedoch, dass der Unterschied zwischen beiden „Telefonen“ (mag man eigentlich gar nicht mehr schreiben) gar nicht so groß ist. Das Galaxy S3 hat eine Auflösung von 720 x 1280 Pixel, das iPhone 640 x 1136 Pixel. Ich habe mir auf beiden Filme angesehen und konnte in Sachen Schärfe keinen Unterschied feststellen, das iPhone liegt hier faktisch mit 326 Pixels pro Zoll vor dem S3 mit 306 Pixel pro Zoll, aber dafür sehe ich vielleicht einfach nicht mehr genug und freue mich, wenn beim S3 das Bild insgesamt ein bisschen größer ist.

Geschwindigkeit

Auch hier kann man erst mal prima Zahlenhuberei betreiben: Das S3 ist offiziell mit 1,4 GHz schneller als das iPhone 5 mit „nur“ 1,02 GHz. Benchmarktests sagen, dass das iPhone aber deutlich schneller läuft, weil Soft- und Hardware so gut aufeinander angestimmt sind. Aus der Nutzerperspektive kann ich sagen, dass ich bei beiden Geräten von der Schnelligkeit begeistert war – was aber auch daran lag, dass ich mich lange mit einem iPad der ersten Generation und einem Nexus One herumgeschlagen habe. Ich empfand also beide Telefone als fast beängstigend schnell, nicht nur beim Prozessor, sonder auch in Sachen Internetverbindung.

Akku & Akkumanagement

Mein Vater klagte neulich darüber, sein Handyakku würde nicht mehr so gut halten, er müsse ihn inzwischen alle vier Tage aufladen. Als Smartphonebesitzer, eigentlich egal welchen Geräts, gewöhnt man sich ja besser daran, das Ding jeden Abend an die Steckdose zu hängen. Auch das iPhone 5 und das Samsung S3 sind da keine Ausnahme. Das S3 hat den Vorteil, dass der Akku wechselbar ist, man kann also entweder einen zweiten mitnehmen, wenn man weiß, dass man lange unterwegs ist oder den alten nach einer Weile auswechseln, wenn seine Kapazität langsam nachlässt.

Auch beim iPhone war ich jedoch von der langen Laufzeit des Akkus positiv überrascht, hatte ich doch wegen der geringeren Größe des Geräts mit weniger langem Atem gerechnet. Am Ende hatte ich aber doch das Gefühl, mich in Notfällen besser auf das S3 verlassen zu können: Mit dem eingebauten Energiesparmodus kann man in einer Sekunde die größten Stromfresse runterregeln, wenn der Akku knapp wird – und mit einer App wie „Juice Defender“ sogar noch detaillierter in das Energiemanagement eingreifen. Aber letztlich ist das genau sinnbildlich für den großen Unterschied zwischen iPhone und Android: Apple sagt „Wir machen das Akkumanagement im Hintergrund so perfekt, dass er maximal hält“ – bei Android darf man selber rumschrauben und individualisieren und fummeln und dem Gerät beibringen, den WLAN-Empfang automatisch abzuschalten, wenn man das Haus und damit das heimische Netzwerk verlässt.

Speicher

Das iPhone 5 gibt es mit 16, 32 und 64 GB Speicher. Das Samsung S3 ebenso, allerdings kann man es noch mit einer Micro-SD-Karte um bis zu 64 GB aufstocken. Selbst wenn man gar nicht so viel Speicher braucht, ist eine Micro-SD ein deutlich günstigerer Weg um ihn aufzustocken als das teurere Telefonmodell zu nehmen. Aber wenn es nur um den Preis geht, darf man bei Apple natürlich sowieso nicht so haargenau hinsehen.

Ein weiterer Vorteil in meinen Augen ist, dass man durch den SD-Speicher auch viel einfacher Dateien zwischen Smartphone und Computer austauschen kann. Während man beim iPhone immer über iTunes und die entsprechenden Apps gehen muss (oder über die Cloud), hat man beim Galaxy S3 ein klassisches Dateisystem, Ordner und alles das. Drag & Drop, Kopieren, Löschen – aber auch hier gilt vermutlich: Manch einer will das alles gar nicht mehr. Will gar nicht Angst haben, aus Versehen, irgendwelche wichtigen Dateien löschen zu können und so weiter. Will nicht in Verzeichnissen wühlen und sich Dateipfade merken müssen.

Betriebssystem

Wie oben schon angedeutet: Letztlich eine Glaubensfrage. Will man es einfacher, übersichtlicher, automatischer? Dann ist vermutlich das iPhone die bessere Wahl. Will man mehr Freiheiten, mehr rumdoktern, mehr individualisieren? Dann landet man relativ schnell bei einem Android-Gerät.

Was ich beim iPhone am meisten vermisse, sind die Widgets, also Fenster in verschiedener Größe, die man auf den Homescreens ablegen kann. Die können vom Wetter über bestimmte Nachrichtenkanäle, Tweets oder der aktuellen To-Do-Liste so ziemlich alles anzeigen, was man sich wünscht. Beim iPhone dagegen nur die immergleichen Apps-Kästchen. Der Wildwuchs beim Androidsystem sorgt jedoch dafür, dass es kein einheitliches Design gibt und der Bildschirm mit ein paar Widgets drauf schnell so kunterbunt und durcheinander aussieht wie eine Geocities-Homepage von 1996. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass Apple Widgets ermöglicht – eben in dem guten Design, dass man bisher von dem Betriebssystem gewohnt ist.

Apps

Bei den Apps geht die Glaubensfrage letztlich weiter: Apple kontrolliert seinen App-Store bekanntlich relativ rigide. Das führt dazu, dass auch mal schnell eine App rausfliegt, sei es weil sie einen Busen zeigt, sei es weil sie die mit ihrem Geschäftsmodell den Interessen von Apple oder einem wichtigen Partner im Wege steht. Wo Apples App-Store also eine ordentliche Gemeinde ist, in der der Schutzmann regelmäßig durch die Straßen schlendert, ist das Android-Ökosystem vielleicht eher ein unaufgeräumtes Hafenstädtchen. Es gibt deutlich weniger Restriktionen – und selbst wenn Google etwas aus dem Play-Store wirft, kann man sich nahezu jede App trotzdem installieren, wenn man sie sich anderweitig besorgt. Das bedeutet aber auch, dass man sich regelmäßig mit wahnsinnigem Mist rumschlagen muss. Nicht nur optisch, wie oben beschrieben, sonder auch inhaltlich. Bevor man sich beispielsweise eine Kompass-App herunterlädt, muss man erst mal eine mehrwöchige Recherche absolvieren, welches Programm am besten mit dem eigenen Gerät harmoniert und dabei nicht sämtliche Adresskontakte ausspioniert. Hat man seinen Jahresurlaub dann dafür aufgewendet und die App installiert, kommt zwei Wochen später ein Update, das erst sämtliche Adressdaten ausspioniert und anschließend nicht mehr funktioniert. Zugegeben, das war jetzt einerseits übertrieben und ist in Teilen so auch auf iPhone-Apps anwendbar, aber ich fand es deutlich aufwändiger und schwieriger, gute Apps für meine verschiedenen Bedürfnisse im Android-System zu finden als bei Apple. Nicht, weil es weniger Apps für Android geben würde – sondern eher aus dem gegenteiligen Grund: Ich hatte das Gefühl, es gibt zu viele. Und eben auch zu viel Schrott.

Kamera

Beide Kameras haben 8 Megapixel, das iPhone hat den sehr schönen (und narrensicher anwendbaren) Panoramamodus, das S3 macht dafür manchmal die etwas brillanteren Fotos hatte ich den Eindruck. Das kann aber auch an dem kräftiger eingestellten Bildschirm des Galaxy S3 liegen, denn dieser Kameravergleich von TechRadar zeigt, dass wenn man die Bilder nachher auf einem neutralen Bildschirm betrachtet, die Kamera des iPhone oftmals die kräftigeren Farben bietet.

Tethering

Tethering – also den Internetzugang eines Smartphones zu nutzen um dann mit einem anderen Gerät zum Beispiel Laptop online zu gehen – geht mit dem Galaxy S3 deutlich einfacher. Egal, ob man die Option bei seinem Mobilfunkanbieter freigeschaltet hat oder nicht (kostet in der Regel um die 10 Euro extra), kann man sofort einen mobilen WLAN-Hotspot einrichten oder per USB oder Bluetooth tethern. Falls es das letzte Wort überhaupt gibt. Das Problem: Dabei verstößt man in der Regel gegen die AGB seines Mobilfunkanbieters, der ein solches Tethering ausschließt, wenn die Option nicht explizit gebucht (und bezahlt) wurde. Das iPhone hält sich da strenger an die Regeln von T-Mobile, O2 und Co und erlaubt Tethering nur, wenn es vertraglich vereinbart wurde.

Sonstiges

 Beim iPhone wurden seit dem Start vor allem die neuen Karten-App und schnelle Verkratzung auf der Rückseite kritisiert. Das mit den Kratzern kann ich nicht bestätigen und ich habe das Telefon ohne Schutz in meiner Hosentasche, die  sicher nicht immer einem Reinraum gleicht. Und in Sachen Karten-Navigation: Sich Google Maps als Web-App auf den Homescreen zu installieren, dauert etwa drei Sekunden.

 Preis

 Das iPhone kostet je nach Speicher zwischen 679 Euro (16GB) und 899 Euro (64 GB). Das Samsung Galaxy S3 ist mit momentan 476 Euro (16 GB) und 784 Euro (64 GB) ein ganzes Stück günstiger – vor allem wenn man bedenkt, dass man das S3 mit einer Micro-SD erweitern kann, bei der 32 GB Speicher nur um die 20 Euro kosten.

Faktenkram

Das hier ist kein Spezialistentest, sondern einfach nur eine Sammlung von Eindrücken, die ich in jeweils einem Monat mit den beiden Geräten gesammelt habe. Subjektiv und sicher unvollständig. Wer die harten Zahlen braucht, kann sie eigentlich überall googeln. Ein paar zentrale Daten seien jedoch auch hier genannt: Das iPhone 5 hat 1GB RAM und einen A6 Dual-Core-Prozessor (1,02 GHz). Das Samsung Galaxy S3 hat ebenfalls 1GB RAM sowie einen  Exynos 4412, Quad-core Prozessor mit 1,4 GHz getaktet. Das iPhone  misst 123,8 x 58,6 x 7,6 Milimeter und wiegt 112 Gramm, das Samsung Galaxy S3 wiegt 133 Gramm und hat die Maße 136,6 x 70,6 x 8,6 Milimeter.

Offenlegung: Ich habe beide Geräte von den jeweiligen Firmen für einen begrenzten Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank.

Text & Fotos: Christoph Koch

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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5 Leserkommentare

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  1. MalTe sagt:

    Und, für welches haste Dich entschieden?

    • Ah, schwierige Frage. Die Geschworenen sitzen immer noch über einem dicken Eisbecher. Außerdem kann man das Problem durch „iPhone plus Android Tablet oder S3 plus iPad?“ ja noch verkomplexisieren.

  2. Sven sagt:

    Danke, super Bericht allerdings bin ich jetzt durch die vielen Gegenüberstellungspunkte auch super verwirrt. Ich glaube ich brauche jetzt auch mehr als einen Eisbecher um mich zu entscheiden. Klasse!!! ;-)

  3. Mike sagt:

    Der Prozessor des iPhone 5 ist mit 1,30 GHz getaktet.

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