Wolfram Kähler: Mein Medien-Menü (Folge 24)

Geschrieben von am 20/08/2012 in Was ich lese mit 0 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche: der Kölner Radiomacher Wolfram Kähler. 

Wie informierst du dich morgens als erstes?

 

Nachdem ich runter in die Küche komme, geht das Radio an. Morgens läuft das Mosaik in WDR 3: Informationen aus der Kultur, klassische Musik und Nachrichten. Das reicht erst einmal als entspannte Grundversorgung. Während ich frühstücke, lese ich die SZ, wobei ich mich oft auf die Überschriften beschränke, weil mir die Zeit fehlt. Die Nachrichten sind von gestern und wie eine Zeitung im Jahr 2012 an einem Donnerstagmorgen mit Spielberichten von Dienstagabend aufwarten kann, finde ich schon erstaunlich. Aber während des Frühstücks mit einer Zeitung zu hantieren, fällt mir leichter als mit einem Tablet.

Welche Zeitungen/Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Im Abo die schon erwähnte SZ und weil ich mit einer Lehrerin zusammen bin, bekommen wir natürlich auch Die Zeit. Ansonsten eher gestreut: Monocle (liest man das eigentlich oder guckt es sich an?), Das Gespräch aus der Ferne und wenn ich beim Spiel bin auch gerne Fußball- und Ultra- Fanzines. Weil ich lebenslanges Mitglied der Alumni Association meiner Alma Mater, der Michigan State University, bin, freue ich mich natürlich auf jede Ausgabe des MSUAA Magazins.

Das bringt mich aber zu einer Frage die ich mir gerne selbst stellen will:

Welche Zeitungen/Zeitschriften vermisst du, weil es sie nicht mehr gibt?

Ich war sehr gerne Abonnent der Zeitung „Die Woche“ und ich verstehe bis heute wirklich nicht, warum diese Zeitung nicht wirtschaftlich tragfähig war. War sie zu gut? Das Layout zu progressiv? Vielleicht trügt mich meine Erinnerung, aber haben nicht fast alle großen Tageszeitungen inzwischen Layout-Ideen aus „Der Woche“ integriert? Ganz besonders die FAS. Eine Zeitschrift, die ich auch immer interessant fand, war „The Face“. Optisch immer überzeugend und oft mit Themen, die ich zum ersten Mal dort gelesen habe.

Welche Nachrichtenseite im Netz sind dir wichtig?

Wenn es wirklich um Nachrichten geht, vertraue ich der Tagesschau. Ich bin ein überzeugter Fan der Tagesschau-App auf meinem iPad und rege mich sehr auf über die widerliche und peinliche Agitation der Zeitungsverleger gegen dieses tolle Angebot. Liebe Menschen, dafür zahle ich meine GEZ-Gebühren.

Welche Blogs liest du?

Ganz ehrlich? Regelmäßig? Keines! ich freue mich aber, wenn ich auf einen spannenden Eintrag via Facebook oder Twitter hingewiesen werde.

 

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir informiert zu sein?

Die eben schon erwähnte Tagesschau-App, oder wenn ich mal ganz ungeduldig bin, kann ich auch, dank meines Arbeitgeber, am Rechner oder auf dem Blackberry die gängigen Nachrichtenagenturen durchflöhen.

Merkwürdigerweise stelle ich öfter fest, dass die Apps von großen Nachrichtenwebseiten in Funktionalität und Content an die ursprüngliche Website nicht herankommen, z.B. bei USA Today, kicker oder ESPN. Da bleibe ich doch lieber auf der Old-School-Webseite statt die App zu benutzen.

 

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Natürlich lese ich meine Mails auch auf dem Blackberry und das ist bekannterweise mit Vorsicht zu genießen, besonders abends oder am Wochenende, denn ich will nicht immer nur an die Arbeit denken. Ich kam mir eine ganze Zeit lang doof vor, weil ich zwei Smartphones besitze, aber inzwischen finde ich es gut, weil es mir tatsächlich hilft Job und Privates zu trennen. Inzwischen klappt das ganz gut. Auf dem iPad lese ich schon gerne, aber die Grenze zwischen lesen, hören, und sehen verwischt von einer Seite zur nächsten.

 

Welche Rolle spielen Leseempfehlungen/Links durch Soziale Netzwerke?

Ich vertraue gerne meinen Freunden bei der Vorauswahl von Inhalten, schließlich ist das inzwischen der Hauptjob von Redakteuren und von der Sorte kenne ich eine Menge. Insofern spielt diese Variante eine immer größere Rolle. Ich finde es durchaus interessant wie man Menschen noch mal neu dadurch kennenlernt, was sie so empfehlen oder teilen. Und es ist auch eine Form der gegenseitigen Information, denn ich werde ja nicht nur durch das Lesen des Links informiert sondern auch darüber, was den anderen beschäftigt. Das gefällt mir.

 

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Nicht nur weil ich in der Branche arbeite, finde ich Radio immer noch super und tatsächlich auch sehr zeitgemäß: Es ist schnell, schneller als Fernsehen oder Print, es ist mobil, also überall empfangbar, egal ob über UKW, Satellit, DAB oder Online-Stream. Durch mein Radio fühle ich mich mit der Welt verbunden. Das Internet funktioniert ähnlich, aber ist doch anders. Zu hören ist nicht zu lesen oder zu sehen. Seit ein paar Monaten habe ich ein W-Lan-Radio in der Küche stehen. Kurioserweise von der Bedienung und dem Sound her gesehen, geradezu anachronistisch anmutend, aber von der Funktionalität wunderbar. Mit einem Knopfdruck wechsle ich von einem Kontinent zu nächsten. Da gibt es viel zu entdecken und auch wiederzuentdecken.

Im Moment in meiner Hot Rotation: Studio Brüssel, das junge Musikprogramm von den flämischen Kollegen mit einem sehr eigenwilligen und bunten Musikmix. BBC Radio 3, tolle klassische Musik mit perfekter Präsentation. Bei den Stimmen liegt die BBC immer noch sehr weit vorne. KRCW, einem Sender (des National Public Radio) aus Santa Monica, mit all den tollen NPR-Sendungen wie „Morning Edition“ oder „All Things Considered“, dazu aber eine unglaublich wunderbare Musik. Die Musik gibt es auch als No-Nonsense Stream unter Eclectic 24.

Lineares Fernsehen spielt eigentlich keine Rolle mehr. Bestenfalls noch beim Fußball.

 

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Natürlich auch bedingt durch technische Innovation und Konvergenz, aber tatsächlich noch mehr durch Veränderung der Lebensumstände. Als ich in den USA gelebt habe, habe ich andere Zeitungen gelesen als heute in Deutschland. Wenn meine Freundin Die Zeit abonniert, lese ich Die Zeit. Als ich als Redakteur für eine Live-Lesung mit deutschsprachigen Autoren zuständig war, habe ich sehr viel junge deutschsprachige Literatur gelesen. Nun mache ich die Sendung nicht mehr, also lese ich andere Bücher. Seit ich ein iPad habe, lese ich manche Seiten auf dem Sofa liegend, statt am Schreibtisch sitzend. Die Inhalte haben sich weniger geändert, weil sich meine Interessen oder mein Geschmack vermutlich weniger verändert haben.

Wolfram Kähler ist stellvertretender Programmbereichsleiter bei WDR 3. Vorher arbeitete er beim WDR als 1LIVE-Redakteur für Musikthemen und die Sendungen „Kultkomplex“ und „Lauschangriff“. 2007 übernahm er als Redakteur vom Dienst die abendliche Sendestrecke „1LIVE Plan B“

Foto: privat

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Disclosure: Mit vielen der Menschen, die hier in “Was ich lese” ihre Mediengewohnheiten vorstellen, bin ich befreundet oder zumindest leidlich bekannt.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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