Stefan Kesselhut: Mein Medien-Menü (Folge 22)

Geschrieben von am 06/08/2012 in Was ich lese mit 0 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche: der Journalist Stefan Kesselhut. 

Wie informierst du dich morgens als erstes?

Seit ich ein Smartphone besitze, greift eine meiner Hände morgens nach dem Aufwachen vollautomatisch danach, ohne dass ich noch irgendeinen bewussten Gedanken vorschalten müsste. Nachdem ich meine E-Mails gecheckt habe, lese ich Nachrichten mit der Tagesschau-App. Danach meist noch Spiegel Online. Während ich in die Küche gehe, schalte ich auf die App des Deutschlandfunks um, den ich meist während des Frühstücks höre. Mittlerweile ist mein Gehör so auf den Sender konditioniert, dass es die sehr ausführlichen Staumeldungen von selbst herausfiltert.

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Im Abo habe ich nur den Economist, den ich auf meinem Kindle oder dem Telefon lese. Der Kindle ist mir jetzt schon zum zweiten Mal kaputt gegangen, ab und zu lese ich das Magazin deshalb jetzt auf dem Telefon, was nicht nur komisch aussieht, sondern bei längeren Artikeln einfach unbequem für die Augen ist.

Einigermaßen regelmäßig auf Papier lese ich DIE ZEIT, wobei ich auch schon einmal wochenlang vergesse, sie zu kaufen. Gelegentlich hole ich mir die bemerkenswerterweise immer noch in weiten Teilen sehr interessante brand eins, sehr selten den Spiegel. Gern lese ich das kostenlose Magazin “fluter”, für das ich auch schreibe. Seit Oliver Gehrs und sein Dummy Verlag das Heft für die Bundeszentrale für politische Bildung produzieren, hat sich das Magazin in punkto Layout und Inhalt sehr gut entwickelt. Leider kennen es noch zu wenige.

Was liest du auf Reisen?

 Ich suche mir keinen speziellen Reise-Lesestoff aus, sondern lese das, was ich sonst auch lesen würde. Natürlich nehme ich mir regelmäßig vor, jetzt doch endlich mal diesen dicken Klassiker in einem Stück durchzulesen und genauso regelmäßig scheitere ich auch daran.

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Die heilige Dreifaltigkeit des deutschen Onlinejournalismus: tagesschau.de, spiegel.de und sueddeutsche.de. Hin und wieder angereichert durch Ausflüge auf zeit.de und den Guardian.

Welche Blogs liest du?
Ich bin seit langer Zeit Fan von Jason Kottke, der unter kottke.org aus meiner Sicht eines der besten Blogs des uns bekannten Universums betreibt. Sehr persönlich, sehr witzig, sehr gut. Daneben gelegentlich die Herren Niggemeier und Spreng (sprengsatz.de). Ich lese auch andere Blogs, aber dann eher im Abstand von mehreren Wochen und oft so selten, dass ich mich kaum noch an die Namen erinnern kann.

Was ist wichtige berufliche Lektüre für dich?

Logischerweise alle Dokumente, Artikel, Videos, Organigramme und Strichmännchenzeichnungen, die ich für einen Artikel recherchiert habe und die ich dann relativ systematisch durcharbeite. Im Grund ist aber natürlich alles, was man so den Tag über liest, potenziell berufliche Lektüre. Das ist ein klassischer Journalisten-Allgemeinplatz. Stimmt aber. Manchmal findet man sogar sinnvolle Dinge auf Facebook.

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Am wichtigsten ist mir, dass es sich um ein gutes Buch handelt, das mich nicht langweilt und mit Sprache allzu schludrig. Das Genre ist mir dabei ziemlich egal. Wenn das Buch langweilig ist, höre ich auf zu lesen und ärgere mich schwarz. Meistens bewahrt mich jedoch die Vernunft davor, dem Autor eine zornerfüllte E-Mail zu schreiben.

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Mein Buchgedächtnis ist unfassbar schlecht. Vieles, was ich gelesen habe, habe ich auch wieder vergessen. “Sand” von Wolfgang Herrndorf ist aber ein hervorragendes Buch. Auch wenn ich mittendrin manchmal etwas verwirrt war: Ein erfrischender Krimi/Roman, der sich angenehm abhebt von dem anderen Kram, der Tag um Tag von den Verlagen tonnenweise in die Buchhandlungen hineingekippt wird.

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

Mein wichtigstes Werkzeug ist der Browser, mehr brauche ich nicht. RSS-Reader und anderes Gedöns habe ich ausprobiert. Hat mich alles deutlich mehr genervt als dass es mir Nutzen gebracht hätte.

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Medizinisch gesehen leide ich wahrscheinlich unter Internetabhängigkeit. Allerdings ist das Vorhandensein von Internet für mich vergleichbar mit dem Vorhandensein von elektrischem Strom und fließendem Wasser. Deshalb lese ich vor allem abends und morgens beim Frühstück auf meinem Telefon, meistens im weitesten Sinne Nachrichten. Denn auf Brötchenkrümel und Butterreste auf der Laptoptastatur möchte ich gern verzichten.

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Ich höre recht oft das Morgenprogramm im Deutschlandfunk. Von wichtigen Fußballspielen einmal abgesehen lasse ich mir ansonsten aber nicht meine Tagesplanung von Programmplanern diktieren. Sollte ein Sender einmal aus Versehen eine interessante Sendung gesendet haben, kann man sich die ja immer noch im Internet ansehen.

Hast du einen Lieblings-Podcast?

Mit dem klassischen Podcast, wo eine(r) irgendwie über irgendwas spricht, kann ich nichts anfangen. Es gab und gibt den ein oder anderen guten professionell produzierten Podcast, zum Beispiel “Weekly Football” vom Guardian.

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Noch nie habe ich so viele Texte online gelesen wie heute. Teilweise über abstruseste Themen, auf die ich ohne die unendlichen vielen Querverbindungen und Merkwürdigkeiten im Netz wahrscheinlich niemals gestoßen wäre. Ich bin sehr dankbar, dass das Internet diesen feinen Charakterzug hat. Längere Texte lese ich aber meist entweder auf Papier oder mit dem Kindle. Auf dem Laptop verfalle ich schnell in ein aufreibendes, stressiges Multitasking-Verhalten, lese und erledige mehrere Dinge, mehr oder weniger gleichzeitig. Da kann man sich nicht wirklich auf einen Text einlassen, wenn er das verdient.

Stefan Kesselhut ist freier Journalist. Er schreibt unter anderem für Spiegel Online und das fluter Magazin und lebt in Berlin.

Foto: privat

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Disclosure: Mit vielen der Menschen, die hier in “Was ich lese” ihre Mediengewohnheiten vorstellen, bin ich befreundet oder zumindest leidlich bekannt.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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