Markus Albers: Mein Medien-Menü (Folge 19)

Geschrieben von am 09/07/2012 in Was ich lese mit 2 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü. Diese Woche: Markus Albers – Journalist, Agenturgründer und Sichselbstverleger.

Wie informierst du dich morgens als erstes?
Nachdem ich meine alte Elektra-Espressomaschine angestellt habe, sind die nächsten zwei Handgriffe: Radio anstellen, Deutschlandfunk hören. Und auf dem iPhone ein bisschen die Twitter-Timeline der letzten Nacht anschauen. Wenn die Elektra heiss ist, habe ich meistens zwei oder drei Artikel an mich selbst gemailt, auf die ich über Twitter gestoßen bin. Die lese ich dann später am Tag. Der Deutschlandfunk (bestmögliche Nachrichten-Übersicht, Presseschau, aktuelle Interviews, Agenda-Setting für den Tag) bleibt an, bis meine kleine Tochter zum Frühstück kommt und ihre Musik hören will.

Welche Zeitungen / Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Wie man an meiner ersten Antwort sieht, habe ich keine Tageszeitung im Abo. Hatte ich übrigens noch nie. Ich bin 1969 geboren, also vermutlich gerade auf der Grenze jener Generationen, für die eine Zeitung noch zum Frühstück gehörte (meine Eltern) und denen, die News lieber aktuell, sprich online (oder per Radio) konsumieren. Ich habe in den 90er- und 00er-Jahren viele internationale Zeitschriften gekauft und abonniert: The Face, Arena, Wired, Vanity Fair … die Faszination für diese Art von Medien hat stark abgenommen. Ich bekomme Monocle und Brand Eins geschickt, weil ich für die schreibe – darüber freue ich mich und die lese ich auch. Mein einziges bezahltes Print-Abo ist der Economist. Der deckt meinen Bedarf an schlauer Analyse politischer und wirtschaftlicher Themen komplett ab. Tolles Magazin, sehr zeitgemäß. Kann ich als Abonnent kostenlos auf iPhone oder iPad lesen, davon sollten sich deutsche Verleger mal eine Scheibe abschneiden.

Was liest du auf Reisen?

Auf Geschäftsreisen: Bücher auf dem Kindle, Economist. Im Urlaub: Kindle, Taschenbücher für den Strand.

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Ich bin da schlicht. Wenn ich nachschauen will, was der aktuelle Meldungsstand oder was in einer bestimmten Angelegenheit passiert ist, von der ich gehört habe, schaue ich auf Spiegel Online nach. Nachrichten sind eine Commodity, da brauche ich nicht viel Varianz. Nur, wenn ich das Thema dort nicht (hinreichend) abgedeckt finde, suche ich auf Google News.

Welche Blogs liest du?

Ich lese Blogs ausschließlich über meinen RSS-Reader. Den räume ich regelmäßig auf und schaue, dass nicht zu viele Quellen darin sind. Sonst schaffe ich das einfach nicht, und das schlechte Gewissen, permanent 400 ungelesene Posts angezeigt zu bekommen, verringert meine Lebensqualität zu sehr. Aktuell finden sich in meinem Reader: PSFK, Berg, Christoph Niemann, Better Taste Than Sorry, Tyler Brûlés FT-Kolumne (interessant, dass der gleichmacherische Effekt des Feedreaders einen Zeitungskolumnisten auf der selben Ebene einordnet wie einen Blogger), Michael Sprengs ‚Sprengsatz‚, Third Wave, Jeff Jarvis ‚Buzzmachine‚, e-book-news, emedia vitals, Mario Garcias Blog, Smartworkers und der Blog von Holger Schmidt sowie Sebastian Waters Tumblr „Interior Likes„. Die Liste wechselt monatlich.

Was ist wichtige berufliche Lektüre für dich?

Berufliche Informationen für die Agentur beziehe ich tatsächlich größtenteils aus den oben genannten Blogs und von Menschen, denen ich auf Twitter folge. Für meine journalistische Arbeit: Prinzipiell kann alles interessant sein, was mir über den Weg läuft.

Welche Art von Büchern liest du am liebsten (Sachbücher, Fiction, Biografien)?

Als ich jünger war, habe ich sehr viel Belletristik gelesen und war sicher, dass das meinem Schreibstil gut tut. Irgendwann wurden mir die vielen fiktionalen Geschichten zu beliebig, und ich hatte eine lange Sachbuchphase. Heute mische ich das. Auf zwei Sachbücher kommt etwa ein Roman. Derzeit lese ich Daniel Kahnemans „Thinking Fast and Slow„, danach kommt A.J. Jacobs „Drop Dead Healthy„, dann entweder „Viva La Madness“ von J.J. Conolly oder „The Last Six Million Seconds“ von John Burdett, mal sehen. Ihr merkt schon: Englischsprachige Bücher lese ich immer im Original. Und, ja: Ich habe eine Menge Bücher im Regal und auf dem Kindle, die ich noch lesen will. Das hat bei mir System: Wenn ich von einem Buch lese oder höre, das mich interessiert, kaufe ich es sofort. Immer und ohne zu zögern, auf Papier oder zunehmend auch elektronisch. So habe ich immer eine Reserve und kann lesen, wonach mir gerade ist.

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Kahnemans Buch ist toll. Davor habe ich William Gibsons Non-Fiction-Sammlung sehr gemocht (‚Distrust That Particular Flavor‚). Emotional hat mich in letzter Zeit Cormac McCarthys „The Road‚ am meisten mitgenommen. Unfassbar hart, unnachahmlicher Stil. Ich versuche, immer mal wieder einen Klassiker einzuschieben, nicht nur modernes Zeugs zu lesen. Die Buddenbrooks neulich zum Beispiel – waren erstaunlich gut.

Welche Apps/Tools/Programme helfen dir, informiert zu bleiben?

Ich mag meinen Feedreader. Versuche es immer mal wieder mit Archiv-Tools wie Instapaper oder Aggregatoren wie Zite, aber irgendwie nutze ich das dann doch nicht regelmäßig genug, um eine Gewohnheit daraus zu machen.

Wie viel liest du auf dem Smartphone, Tablet, o.ä.?

Auf beiden nur, wenn es nicht anders geht. Die Kindle-App ist gut gemacht, synchronisiert sich ja auch über alle Plattformen, und wenn ich meinen Kindle mal wieder auf dem Nachttisch vergessen habe, lese ich ein Buch unterwegs schon mal auf dem iPhone weiter. Macht aber nicht so besonders viel Spaß. News, Blogs und Artikel lese ich natürlich ständig auf dem Ding.

Gibt es tägliche oder wöchentliche Leserituale?

Ich lese immer. Es fällt mir schwer, einen Moment lang nichts zu tun und dann aber auch nichts zu lesen zu haben. Ist wahrscheinlich eine Mischung aus der Tatsache, dass ich immer schon gern gelesen habe und der ständigen Verfügbarkeit von Lesestoff auf dem iPhone. Vermutlich nicht gesund. Meine Freundin schimpft jedenfalls schon, dass ich ständig auf das Ding schaue, sobald sie mal eben was anderes macht.

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Ich höre, wie gesagt, jeden Morgen Deutschlandfunk und beim Sport höre ich auf dem iPhone immer Monocle24. Fernsehen schaue ich fast nie, außer Serien oder Filme auf DVD oder per Apple-TV. Zuletzt: Alle Staffeln „Breaking Bad„, dann die letzte von „30Rock„. Aktuell die neue Staffel von „Entourage“ und „Game of Thrones„, das ich aber irgendwie nicht verstehe und albern finde. Wieso sind die Frauen da immer nackt? Allein im Hotel schaue ich meist Frühstücksfernsehen, keine Ahnung, warum. Ist gar nicht schlecht.

Hast du einen Lieblings-Podcast?

Gilt Monocle24 als Podcast? Da mag ich alle möglichen Formate: The Entrepreneurs, The Globalist, The Monocle Weekly, Midori House …

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Ich bin immer weniger bereit, mittelmäßiges Zeug zu lesen. Klingt banal, hat mich aber früher nicht abgehalten. Irgendwann wird einem klar, dass man in seinem Leben nur so und so viele Bücher wird lesen können – das dauert ja auch immer recht lange. Lebenszeit ist begrenzt, und dass ich die jemals mit schlechter Fantasy (mit 12), deutschen Popliteraten (mit 20) oder hermetischen Postmodernisten (mit 25) vergeudet habe, bedauere ich doch.

Irgendetwas, das ich vergesse habe, du aber trotzdem gerne liest?

Meine Tochter ist zweieinhalb und ich lese also mit ihr viele Kinderbücher. Manche sind Schrott, viele großartig. Ich empfehle zum Beispiel „That’s How!“ von meinem netten Nachbarn Christoph Niemann. Bitte kaufen, auch, wenn Ihr keine Kinder habt.

 

Markus Albers ist ein Journalist und Buchautor aus Berlin. Er schreibt regelmäßig für die Zeitschriften Monocle und Brand Eins und hat zwei Sachbücher über neue Arbeitswelten geschrieben: „Morgen komm ich später rein“ und „Meconomy„. Er ist außerdem Gründer und Partner der Agentur Rethink.

 

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Disclosure: Mit vielen der Menschen, die hier in “Was ich lese” ihre Mediengewohnheiten vorstellen, bin ich befreundet oder zumindest leidlich bekannt.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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2 Leserkommentare

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  1. Ray Bones sagt:

    Da macht der werte Herr Albers auf Obertechniknerd-Freak und dann telefoniert er im Juli 2012 mit einem iPhone 3…
    Hat ihm wohl der Economist empfohlen…
    Grüße Ray

  2. @Ray: Du weißt ja nicht, ob das Foto von Juli 2012 ist. Inzwischen telefoniert Herr Albers meines Wissens mit dem Nokia 1100.

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