Tilo Jung: Mein Medien-Menü (Folge 17)

Geschrieben von am 18/06/2012 in Was ich lese mit 1 Kommentar

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü – diese Woche: Tilo Jung, gut aussehender und freiberuflicher Mitarbeiter des Internets.

Ein einheitliches, tagtägliches Medien-Menü lässt sich bei mir gar nicht so leicht zusammenstellen. Zu groß ist, je nach Ablenkung am Tage, die Spannweite. Gerade wenn ich unterwegs oder bei einem Job bin, muss der Informationsjunkie in mir Pause machen. Da muss ich mich dann auf das Nötigste, sprich Nachrichtenseiten und Twitter verlassen.

Wenn ich morgens aufwache bzw. in der Aufstehphase stecke, beschäftige ich mich lediglich mit den Nachrichten und Seitenhieben von Freunden, mache den Maileingang leer, schreibe der besten Mama und schaue, wie die Stimmung auf Facebook ist. Mit der ersten Kaffeetasse in der Hand schmeiße ich den Laptop an, öffne Tweetdeck und den Browser mit 25 Tabs vom Vortag, die unbedingt noch gelesen werden müssen. (Oft surfe ich nachts noch kurz vorm Bubu machen und hebe mir gute bzw. too-long-to-read Geschichten fürs Frühstück auf.)

Sind die Tabs durchgearbeitet, tweete ich die Stories und Links, die für mich eine Neuigkeit darstellen. In einer nicht festgelegten Reihenfolge widme ich mich dann den deutschen Nachrichtenseiten wie SpiegelOnlineSüddeutsche.de sowie Tagesspiegel.de – wobei sich z.B. mein Spon-Konsum von Woche zu Woche verringert. Nach der Sicht auf die Welt durch die deutsche Nachrichtenbrille, mache ich mir meinen zweiten Kaffee und lenke mich mit Sport ab: Spox.comKicker allesaußersport reichen mir dabei fürs Grobe. Die restlichen Sportnachrichten beziehe ich aus meiner Twitter-Timeline, wo ich zumeist europäischen Sportjournalisten folge.

Wenn ich mit dem sportlichen Lesestoff durch bin, gehe ich meine tech- und US-lastige Timeline auf Google+ durch, wo ich denen folge, die nicht twittern.  Nebenbei habe ich mir die „Rachel Maddow„-Sendung von letzter Nacht geladen und lasse sie laufen. Rachel ist mein, mit Abstand, Liebling des amerikanischen Nachrichtenfernsehens. Ihre einstündige, tägliche Show ist journalistisch hochwertig und ein willkommenes Gegenwicht zur Satire von der „Daily Show“ und dem „Colbert Report“.

Meistens muss ich nicht vor der Mittagszeit aus dem Haus, sodass ich auch noch in diversen deutschen Blogs stöbere. So versuche ich täglich Rivva, den Bildblog sowie die „Hinweise des Tages“ auf den Nachdenkseiten durchzugehen und schaue bei Fefe vorbei. Der Großteil deutscher Blog interessiert mich allerdings nicht. Gute Blogposts erreichen mich so oder so via Twitter.

Meinen Unsinn und Spaß finde ich auf der Linkschleuder-Institution Reddit. Teilweise sind da Diskussionen und Threads noch viel unterhaltsamer als die ursprünglichen Posts. Reddit ist eine wahre Goldgrube! Davor oder danach checke ich meine tumblr-Timeline. I’m a sucker for pictures.

Gegen 13 Uhr schneien in der Regel die „Stuff you need to know today“-Mails herein. Die Hälfte der News hab ich meist schon durch, auf andere stoße ich dann aber dank der Übersichten. Ich empfehle hierbei die Listen vom Business Insider (für Tech-Themen) und The Week.

Bei den amerikanischen Politblogs verfolge ich seit Jahren die Meinung von Andrew Sullivan mit seinem „Daily Dish„. Auch wenn wir politisch nicht auf derselben Wellenlänge sind, ist er ein toller Debattierer und kann mir verständlich erklären, wie die konservative Sichtweise zustande kommt. Anderen US-Journalisten folge ich überwiegend auf Twitter.

Der Nerd in mir lässt sich eigentlich immer befriedigen, wenn ich ein- zweimal am Tag bei „The Daily What„, GeekosystemGeeksare sexy und Laughing Squid vorbeischaue. Der Rest kommt per Twitter rein.

Artsy Fartsy stuff findet sich neben Tumblr (Tipp: this isnthappiness) und Reddit noch auf dem Blog von „My Modern Met„, lostateminor und Ignant.

Bin ich (mit dem Fahrrad) unterwegs und weg vom Laptop, lade ich mir vorm Losfahren die Podcast-Updates vom Deutschlandfunk und NPR runter. Der Berliner Verkehr kann ziemlich stressig sein, die Interviews und Hintergrund-Features vom dradio sowie die buddhistischen Interviews von Terry Gross sind da der willkommene Ausgleich auf dem Sattel (beim Sport sowieso.) Anfangs der Woche lade ich mir zudem den aktuellen Podcast vom radio eins Medienmagazin. Neben all den Info-Podcasts liebe ich die wöchentlichen Ausgaben von „WTF with Marc Maron“, Tummelvision und This Week in Google. Science-Podcasts wie „StarTalk“ mit Neil deGrasse Tyson und „The Infinite Monkeycage“ gibt’s leider nur unregelmäßig.

Abseits vom bösen Internet lese ich auch das ein oder andere Buch. Allerdings viel zu wenige und das auch zu langsam. Gerade stecke ich in meiner Sachbuchphase. So bin ich erst seit kurzem mit Rachel Maddows erstem Buch „Drift“ durch und lese gerade Freuds „Der Witz und seine Beziehung zum Unterbewussten„.

Spätabends schalte ich meistens erst den Fernseher an. Deutsche TV-Fiktion läuft bei mir eigentlich gar nicht mehr. Den Tatort verabscheue ich. Die Privatsender habe ich abbestellt. Das lineare Fernsehen der Öffis und von Sky reicht mir. Auch bei Serien warte ich nicht bis diese synchronisiert sind, sondern lade sie mir in der Regel frisch am nächsten Morgen. So ist beispielsweise für die Amis der Sonntag „Mad Men“-Tag. Für mich der Montagabend. Wenn nicht gerade Sommerpause ist, kommen an neuen Folgen meiner Lieblingsserien ca. 10 pro Woche zusammen. Das reicht praktisch für jeden Abend.

Ach, und Printprodukte lese ich eigentlich nur noch in Cafés.

Text: Tilo Jung

Tilo Jung ist freier Chefredakteur und professionelle Linkschleuder. Er arbeitet regelmäßig für das Medienmagazin auf Radio Eins und verdient sein Geld auch in der Werbung.

  

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Disclosure: Mit vielen der Menschen, die hier in “Was ich lese” ihre Mediengewohnheiten vorstellen, bin ich befreundet oder zumindest leidlich bekannt.

Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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1 Leserkommentar

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  1. Schwaneberg sagt:

    Danke, Tilo für die tolle Linkliste. Ein paar Links haben mir richtig gut gefallen und ich werde sie mir neben Deinen Facebook Mashups anschauen!

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