Dirk Mönkemöller: Mein Medien-Menü (Folge 10)

Geschrieben von am 23/04/2012 in Was ich lese mit 0 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü – diese Woche mit Dirk Mönkemöller – Grafiker und Zeitschriftenmacher.

Ich habe keine Tageszeitung, aber der Tag beginnt für mich meist mit Radiohören (wahlweise Funkhaus Europa oder Radio Eins vom rbb) und oder/Computern. Wobei ich besonders morgens sehr unkreativ umgehe mit den Möglichkeiten, die mir per WLAN zur Verfügung stehen – häufig scrolle ich etwas lustlos durch Spiegel online, an Donnerstagen und Freitagen prüfe ich zudem, ob sich der Kauf der Printausgabe der ZEIT bzw. der SZ (wegen des Magazins) lohnt. Wenn ich es nicht eilig habe, schaue ich bei Magculture vorbei, um mich über die neuesten Entwicklungen der internationalen Magazinszene zu informieren.

Tagsüber prasseln dann die Nachrichten berufsbedingt auf mich ein: Ich arbeite beim Kölner Stadt-Anzeiger als Layouter für die tägliche Tablet-Ausgabe. So kriege ich ständig mit, „was geht“ – ohne natürlich jemals ernsthaft Texte lesen zu können bzw. mich mit Themen etwas tiefer zu beschäftigen. Dafür geht in der Regel alles zu schnell, zumal mein Alltag u.a. aus Copy&Paste besteht. Selbst die ausliegenden Zeitungen, die zum Verlag gehören, können mich nur selten zum Durchblättern animieren – ab und zu schaue ich mal durch die Frankfurter Rundschau bzw. Berliner Zeitung. Wenn ich Glück habe, finde ich im Altpapier, das hier auf den Fluren in Rollcontainern gesammelt wird, eine alte FAS oder WamS. Die nehme ich dann mit nach Hause.

Am Abend bzw. nach Feierabend beginnt mein paralleles Berufsleben: als Herausgeber des quartalsweise erscheinenden Independent-Magazins The Weekender tauche ich ab in einen Strudel aus Heftbestellungen abwickeln, Themen finden und angeleierte Themen voran bringen, Blogs abstalken, Rechnungen schreiben, Werbekunden umgarnen und so weiter. Ich scanne regelmäßig Magazine wie AD, Schöner Wohnen, Case da Abitare, Monocle, Port und was sonst so gerade herumschwirrt. Im Abo habe ich übrigens nichts. Ich mag den Gang zum Kiosk. Wenn ich Zeit habe, fahre ich sogar extra zum Hauptbahnhof, um dort ein Bad im Papiermeer des Bahnhofsbuchhändlers zu nehmen.

Wie steht es um neue Medien? Ehrlich gesagt: mau. Ich habe zwar ein Smartphone, aber eines ohne Mobilfunkvertrag. Ich benutze es eigentlich nur, um zu telefonieren und Musik zu hören. Mit Heckmeck wie Twitter oder RSS-Feeds habe ich auch nichts am Hut, nur Facebook nutze ich (weil es eine wichtige „Werbeplattform“ für The Weekender ist).

Das TV-Gerät (kastig nicht flat!) läuft bei uns quasi täglich, wir schauen auch sehr viel Mist (Stichwort: CSI), aber wenn meine Freundin wieder mal bei Science Fiction oder Fantasy hängen bleibt, lese ich auch mal ernsthaft Zeitung (Die Zeit, weil hier die Themen der hektischen Woche in Ruhe zusammengefasst und in der Regel auch gut lesbar sind) oder ein Buch (aktuelle Tendenz: viel zu dicke Bücher). Zuletzt lagen auf meinem Nachttisch u.a. „Eine Frau bei 1000°“ von Hallgrímur Helgason (u.a. berufsbedingt, das Buch hatten wir als Aboprämie für den Weekender im Angebot) – wirklich amüsant, aber leider zu dick für mich – und „Skunk“ von Justin Courter – mindestens ebenso amüsant, aber auch viel zu dick. Gerade heute habe ich zudem seit Jahren mal wieder ein Buch bei amazon bestellt, allerdings kann ich nicht verraten welches, da es evtl. Basis für eine neue Weekender-Geschichte werden könnte und ich mir hier nicht zu sehr in die Karten schauen lassen möchte, Sie verstehen… ?

Auf dem iPad gucke ich mir eigentlich nur an, was wir selbst und andere „so machen“. Längere Texte lese ich darauf kaum.

Was man so durchaus auch als Fazit meines Medienkonsums sagen könnte: Viel Scanning, wenig tiefgründiges Lesen. Was ich blöd finde, ich möchte gerne wieder mehr Zeit haben und in Ruhe gute Geschichten lesen. Mein Appetit auf Häppchen ist langsam gestillt.

Dirk Mönkemöller (oben im Bild links) gibt gemeinsam mit Christian Schneider seit einem Jahr das Magazin The Weekender heraus. Darin geht es um die Themen Wohnen, Reisen, Natur und Kulinarisches. Die 5. Ausgabe erscheint Mitte April.

Text: Dirk Mönkemöller
Foto: privat

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Disclosure: Mit vielen der Menschen, die hier in “Was ich lese” ihre Mediengewohnheiten vorstellen (werden), bin ich befreundet oder zumindest leidlich bekannt.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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