Andreas Altmann: Mein Medien-Menü (Folge 5)

Geschrieben von am 12/03/2012 in Was ich lese mit 0 Kommentare

In der Reihe “Mein Medien-Menü” stellen interessante Menschen ihre Lese-,  Seh- und Hörgewohnheiten vor. Ihre Lieblingsautoren, die wichtigsten Webseiten, tollsten Magazine, Zeitungen und Radiosendungen – aber auch nützliche Apps und Werkzeuge, um in der immer größeren Menge von Informationen, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jeden Montag also ein neues Medien-Menü – diese Woche mit Andreas Altmann, Reisereporter und Autor des Bestsellers „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“.

 

Wie informierst du dich morgens als erstes?

Via Radio, ich habe vier Stück und Null Glotze.

Welche Zeitungen oder Magazine hast du im Abo oder liest du regelmäßig?

Kein Abo, weil ich sonst irgendwann ein Anwaltsbüro mit zwölf Mann/Frau brauche, um wieder aus dem Abo zu kommen.

Regelmäßig lese ich, wenn in Paris:

Was liest du auf Reisen?

Die lokalen Zeitungen. Und Bücher – aus Papier oder mit dem Kindle.

Welche Nachrichtenseiten im Netz sind Dir wichtig?

Keine, ich lese nur im Notfall Nachrichten im Netz.

Welche Blogs liest du?

Keine, Herr bewahre!

Welche Art von Büchern liest du am liebsten?

Ich lese NIE Romane, meist Sachbücher, bisweilen Biografien

Welches Buch hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Der Mann, der die Wörter liebte”, von Simon Winchester, über das ich folgenden kleinen Text verfasst habe:

1857 beschloss eine Gruppe seriöser Herren ein monumentales Projekt: The Oxford English Dictionary. Simon Winchester beschreibt elegant das Werden dieses siebzig Jahre dauernden Coups. Aber das ist es nicht. Man fiebert die 288 Seiten entlang, weil ein Mann darin auftaucht, der grandioser als jeder andere zum Gelingen dieses Geniestreichs beitrug: Ein gewisser W. C. Minor, Amerikaner, Mörder, Wahnsinniger, Insasse der berüchtigsten Irrenanstalt Englands. Aus seiner Zelle lieferte er Tausende von Beiträgen, die später alle in dem Jahrhundertwerk auftauchten. Ist das nicht herzbewegend? Dass Sprache – egal welche – jeden verzaubern kann: auch Närrische, auch Missetäter, auch die Einsamsten!

Welche Bücher sind all-time favorites?

Viel zu viele, um sie aufzuzählen, viel zu viele, die beunruhigend gut schreiben

Wie viel liest du auf dem Bildschirm (Smartphone, Tablet, Laptop)?

Ich habe nur einen Schlepptop. Ich lese dann nur auf dem Bildschirm, was ich aktuell recherchiere.

Gibt es tägliche oder wöchentliche Leserituale?

Nein, kein Ritual, denn ich lese überall, wann immer dafür Zeit ist: auf der Schüssel, in der Badewanne, im Café, im Zug, im Flugzeug, vor dem Flugzeug, auf Rolltreppen, in Warteschlangen vor Supermarktkassen, im Bett, bim Friseur. Immer dann halt, wenn ich nicht mit dem Gedröhn des Blödsinns  beschäftigt bin.

Wer sind deine Lieblingsautoren?

Hunderte, die Konkurrenz schläft nie.

Gibt es eine Radio- oder Fernsehsendung, die du möglichst nie verpasst?

Nein, das geht schon aus technischen Gründen nicht, da ich zu oft unterwegs bin. Aber wäre ich nicht Schreiber, ich wäre Radiomensch geworden.

Wie haben sich deine Lesegewohnheiten in den letzten Jahren geändert?

Keine Bücher über 150 Seiten. Mehr Presse, mehr Ungeduld, wenn ich spüre, dass die Wörter mich nicht anspringen. Da ja unheimlich viel Scheiße täglich von einer Nullgasse in die andere rinnt.

Irgendetwas, das ich vergesse habe, du aber trotzdem gerne liest?

Nein, bin vollkommen erschöpft vom Nachdenken über einigermaßen smarte Antworten.

Andreas Altmann ist Reporter und Buchautor. Zuletzt erschien seine Autobiografie  „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“, davor vor allem Reisereportagen wie „Triffst du Buddha, töte ihn„, „Sucht nach Leben – Geschichten von unterwegs“ oder „Im Herz ein Feuer – unterwegs von Kairo in den Süden Afrikas„. Altmann wurde mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis und zahlreichen anderen Preise ausgezeichnet. Er lebt in Paris. Mehr infos unter andreas-altmann.com.

Foto: Wolfgang Schmidt

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Vielen Dank an “The Atlantic Wire” für das wundervolle Format (dort heißt es “What I Read”). Wer Vorschläge hat, wer in dieser wöchentlichen Rubrik auch einmal zu Wort kommen und seine Lieblingsmedien vorstellen und empfehlen sollte, kann mir gerne schreiben.

Disclosure: Mit vielen der Menschen, die hier in “Was ich lese” ihre Mediengewohnheiten vorstellen (werden), bin ich befreundet oder zumindest leidlich bekannt.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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