Twilight, True Blood und Dracula – Vampire von A bis Z

Geschrieben von am 23/02/2011 in Neon mit 0 Kommentare

Bestsellerlisten, Kinocharts und Fernsehzeitungen – die Blutsauger sind überall. Woher kommt der neue Vampirboom? Und sind daran wirklich nur kleine, verliebte Mädchen schuld?

Aberglaube:

Die skurrilsten Mythen über Vampire:

  • Salzmangel der Mutter in der Schwangerschaft führt zur Geburt eines Vampirs.
  • Wer ein von Wölfen gerissenes Schaf verzehrt, wird zum Vampir.
  • Fingergroße Löcher in der Erde eines Friedhofs markieren den Wohnort eines Vampirs.
  • Wer einen Vampir töten will, muss sein Herz in Öl, Essig oder Wein kochen.
  • Oder seinen linken Strumpf mit Graberde befüllen und außerhalb der Ortschaft in ein fließendes Gewässer werfen.

Bram Stoker:

Der »Dracula«-Autor war ein irischer Journalist und litt bis zu seinem siebten Lebensjahr unter einer Art Lähmung, die ihn ans Bett fesselte. Seine Genesung war ähnlich mysteriös wie seine Erkrankung. Die Motive Tod und Wiederauferstehung wurden zu seinen zentralen Themen, 1897 veröffentlichte Stoker »Dracula« und prägte damit maßgeblich das heutige Vampirbild. Stoker starb 1912 zahlreichen Berichten zufolge an der Syphilis. Schon von der Krankheit geschwächt, schrieb er »The Lair of the White Worm«, ein wirres Werk über einen weißen Vampirwurm.

Charlaine Harris:

58-jährige US-Autorin und ehemalige Gewichtheberin, die mit Unterhaltungsromanen Millionen verdient. 2001 veröffentlichte sie »Dead Until Dark«, den ersten Band ihrer Reihe um die Südstaatenkellnerin Sookie Stackhouse, die nach dem Coming- out aller Vampire in deren Amouren und Gleichberechtigungs kampf (>Xenophobie) verwickelt wird. Der Pay-TV-Sender HBO verfilmt die Bücher unter dem Titel »True Blood« mit ungewöhnlich viel Blut und nackter Haut. Die bisher drei Staffeln wurden mit Preisen überschüttet, darunter Golden Globe und Emmy.

Der kleine Vampir:

Kinderbuchreihe von Angela Sommer-Bodenburg um den Jungen Anton Bohnsack und seinen Vampirfreund Rüdiger. Größte Gefahren für Rüdiger sind Regen, >Knoblauch und der Vampirjäger Geiermeier. Aus der Reihe wurde eine Fernsehserie, Comics, Hörbücher, ein Musical und ein Kinofilm.

Empfehlung:

Die Top Five bizarrer Vampirfilme, zusammengestellt von US-Schriftsteller Eric Nuzum, der nach eigenen Angaben 267 Filme für sein Sachbuch zum Thema Vampire gesehen hat:

Fledermäuse:

Es gibt etwa 900 Arten. Nur drei ernähren sich vom Blut anderer Tiere (der Gemeine Vampir beißt selten auch Menschen), die anderen leben von Insekten. Die Vampirfledermäuse findet man vor allem in Zentral- und Südamerika. Da ihr Speichel ein die Blutgerinnung hemmendes Enzym enthält, sind sie wichtig für die medizinische Forschung.

Gesundheit:

Laut Vampirexperte Eric Nuzum geht sogar der Wunsch »Gesundheit!« auf die Annahme zurück, Vampire könnten Menschen mental die Lebenskraft entziehen. Niesen habe als Indiz dafür gegolten, dass jemand von einem Vampir angegriffen wurde. Jemand anders musste dann als eine Art Schutzzauber »Gesundheit!« wünschen (>Aberglaube) – es gibt aber auch zahlreiche andere Erklärungen für das Ritual.

Humor:

Dass man auch Blutsauger nicht todernst nehmen muss, beweist die Vampirserie »True Blood« (>Charlaine Harris) mit zahlreichen humorvollen Anspielungen und Referenzen. In einer Folge sieht man eine Klatschzeitung herumliegen, deren Schlagzeile verkündet: »Angelina adoptiert Vampirbaby!« I nterview mit einem Vampir: Blockbuster aus dem Jahr 1994, der auf dem Bestseller von Anne Rice aus den Siebzigern beruht. Die Hauptfigur, der Vampir Lestat, wird von Tom Cruise gespielt, der jeden Drehtag dreieinhalb Stunden in der Maske verbringen musste – und in manchen Szenen auf einer erhöhten Plattform steht, um nicht kleiner zu sein als die anderen Vampire.

Jesus Christ Vampire Hunter:

Vermutlich der schlechteste Vampirfilm aller Zeiten (>Empfehlungen). Die Hauptfigur Jesus kann Kung-Fu – und geht mit dem mexikanischen Wrestlingstar El Santo auf Kreuzzug. Um das Grauen perfekt zu machen, wurde der Film als Musical angelegt. Ähnlich bizarr könnte die Verfilmung des Buches »Abraham Lincoln: Vampire Hunter« werden, die Regisseur Tim Burton angekündigt hat.

Knoblauch:

Gewürz- und Heilpflanze, auch »Vanille des armen Mannes« genannt. Knoblauch enthält Alliin, eine geruchlose, schwefelhaltige Verbindung, sowie das Enzym Alliinase. In der Knolle sind beide voneinander getrennt. Wird das Fruchtfleisch durch Hacken oder Schneiden verletzt, kommen beide zusammen, und das Alliin wird in Aromastoffe umgewandelt – der Knoblauchgeruch, den man später ausdünstet. Der Glaube, Knoblauch könne Vampire fernhalten, lässt sich auf den empfindlichen Geruchssinn zurückführen, den Menschen mit Tollwut entwickeln. Auch die Lichtempfindlichkeit ist bei Tollwut gesteigert – manche Forscher vermuten, dass es sich bei angeblichen Fällen von Vampirismus stattdessen um besagte Krankheit gehandelt habe.

Liebe :

Das Erfolgsgeheimnis der boomenden Vampirfilme und -romane ist wahre, romantische Liebe – ohne störenden Sex. Zumindest, wenn man den Forschern der University of Missouri glaubt, die 4000 »Twilight«-Fans befragt haben, was sie an der »paranormal romance« reizt (so heißt das neue Genre, in dem es um Liebe zwischen Mensch und Fabelwesen geht). Vor allem Teenagermädchen, die Kernzielgruppe, fänden in den Geschichten »etwas anderes als die übersexualisierte Kultur des Rummachens«, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Melissa Click. »Den Mädchen gefällt es, dass es der Mann ist, der in Sachen Sex auf die Bremse tritt«, so Click. »Für sie unterstreicht das die romantische Entwicklung der Beziehung.«

Mythen:

Die Regeln, was Vampire können und nicht können, was sie umbringt und was sie antreibt, sind in den zahlreichen kursierenden Geschichten ganz unterschiedlich. Mal halten sie es im Sonnenlicht aus, mal nicht. Mal tötet sie eine Silberkugel, manchmal nur ein Pfahl durchs Herz, dann wieder ein ausgestopfter Strumpf (>Aberglaube). Manche Vampire ernähren sich von Menschen – andere von Tierblut, in der Serie »True Blood« ist es Wissenschaftlern gar gelungen, eine synthetische Blutkonserve herzustellen, die den Durst der Nachtgestalten stillt.

Nosferatu:

Film des deutschen Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau von 1922. Die Darstellung des »Grafen Orlok« durch Schauspieler Max Schreck wirkt so verstörend, dass gemunkelt wird, er sei tatsächlich ein Vampir (>Empfehlungen). Der Vampir im Film musste »Graf Orlok« heißen, weil Murnau sich geweigert hatte, die Rechte an »Dracula« von >Bram Stokers Witwe zu kaufen. Diese verklagte prompt die Macher von »Nosferatu «. Als Florence Stoker nach jahrelangem Rechtsstreit gewann, forderte sie statt Geld die Zerstörung des Films. Deswegen ist jede existierende Kopie von »Nosferatu« streng genommen eine Raubkopie.

Olympic Peninsula:

Halbinsel im US-Bundesstaat Washington nahe der kanadischen Grenze. Das Städtchen Forks und die umliegenden Strände und Wälder sind die zentralen Handlungsorte der Bücher von >Stephenie Meyer. Sie siedelte »Bis(s) zum Morgengrauen « und ihre anderen verregneten Vampirromane dort an, nachdem sie bei Google »regenreichster Ort der USA« eingegeben hatte.

Patty:

Kosename für Robert Pattinson (im Internet auch: RPattz). Der US-Schauspieler mimt in »Twilight « den Vampir Edward Cullen. Pattinsons erste große Filmrolle war die des Harry-Potter-Konkurrenten Cedric Diggory in »Harry Potter und der Feuerkelch«.

Quileute:

Indigener Volksstamm, der in einem Reservat auf der >Olympic Peninsula lebt. >Stephenie Meyer ließ sich durch die Schöpfungsgeschichte des Stammes für ihre Bücher inspirieren: Kwati der Wandler kam in das Gebiet, in dem die Quileute heute leben, und entdeckte dort zwei Wölfe. Diese verwandelte er in Menschen – die ersten Quileute. Meyer machte aus den Quileuten >Werwölfe und den Teenager Jacob Black (gespielt von Taylor Lautner) zum direkten Widersacher von Vampir Edward Cullen (>Patty).

Reinbitten:

Für Ängstliche: In vielen Vampirfiktionen gilt die Regel, dass Vampire nur Häuser betreten, nachdem sie der jeweilige Bewohner hereingebeten hat. Stehen unangemeldete bleiche Gäste mit Cape vor der Tür, diese also einfach wortlos zuknallen.

Stephenie Meyer:

Eindeutig die erfolgreichste Lieferantin für Vampirgeschichten: Laut einer Forbes- Liste der reichsten Autoren verdiente sie zwischen Juni 2009 und Juni 2010 rund 40 Millionen Dollar – und das, obwohl sie in diesem Zeitraum kein neues Buch veröffentlicht hatte. Die Gesamtauflage ihrer »Bis(s) zum …«-Reihe, die in mehr als fünfzig Ländern verkauft wird, liegt bei über 100 Millionen. Die ersten drei »Twilight«-Filme spielten allein in den US-Kinos zusammen bislang rund 800 Millionen Dollar ein.

Transsilvanien:

Von den Karpaten gerahmte Waldlandschaft in Rumänien. Der Name Transsilvanien geht auf eine lateinische Bezeichnung zurück und bedeutet »jenseits der Wälder«.

Unvollendet:

Der im Jahre 2001 vom rumänischen Tourismusminister angekündigte Themenpark »Dracula Land«. Der 32 Millionen teure Freizeitpark hätte schon vor Jahren bei Sighisoara eröffnen sollen, dem Geburtsort von »Graf Dracula« >Vlad III. Aufgrund internationaler Proteste – unter anderem von Greenpeace und Prince Charles – wurde das Projekt aber dann doch fallen gelassen.

Vlad III.:

Slawischer Adliger, der den Beinamen »Draculea« und aufgrund seiner liebsten Hinrichtungsmethode auch »der Pfähler« trug. Er diente >Bram Stoker als Inspiration für »Dracula«.

Werwölfe:

In vielen Varianten der Vampirlegenden (>Mythos) sind sie die erklärten Widersacher der Vampire.

Xenophobie:

Fremdenfeindlichkeit ist (neben Homophobie) das große Metathema der Vampirserie »True Blood«: Wie Afroamerikaner zur Zeit der Rassentrennung kämpfen Vampire in der Serie um Gleichberechtigung und gegen viele Vorurteile. Nichtvampirfrauen, die sich mit Vampiren einlassen, werden von intoleranten Rednecks als »Fangbanger« beschimpft, während die Vampire mit der »American Vampire League« eine eigene Bürgerrechtsorganisation gegründet haben.

Y

Mit Y schreibt der amerikanische »Vampir« Jonathon Sharkey seine Partei »Vampyres Witches Pagans Party (»Vampyre, Hexen, Heiden«), mit der er bereits für das Amt als US-Präsident und als Gouverneur von Minnesota kandidierte

Zählen:

Angeblich haben Vampire eine Zwangsstörung, die sie dazu zwingt, ständig irgendwelche Dinge zu zählen. Deshalb ist zum Beispiel Graf Zahl, der Kindern in der Sesamstraße das Zählen beibringt, ein – wenn auch harmloser – Vampir. Auch der alte Brauch, bei Hochzeiten Reis zu werfen, könnte von dieser Zählmanie stammen: Ein Vampir soll die Reiskörner sehen, beginnen sie zu zählen – und dabei dann ganz vergessen anzugreifen.

Text: Jessica Braun & Christoph Koch
Erschienen in: NEON

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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