Paparazzi-Kurse: In Südkorea ist Denunziation ein gutes Geschäft

Geschrieben von am 23/12/2009 in Neon mit 0 Kommentare

In was für einer Welt leben wir eigentlich? Menschenhass ist viel angenehmer, wenn man damit auch noch Geld verdienen kann.

Das ermöglicht der südkoreanische Staat seinen Bürgern. Wer einen Passanten dabei filmt, wie er eine Zigarettenkippe auf die Straße wirft, oder einen Händler, der verbotenerweise Plastiktüten verschenkt, kann für den Videobeweis vom Staat eine Belohnung von umgerechnet dreißig bis zu mehreren hundert Euro kassieren.

Um dieses boomende Privat-Stalkinggeschäft ist eine eigene Industrie entstanden: Diese schult in Paparazzikursen potenzielle Petzen darin, versteckte Kameras zu bedienen und die gedrehten Digitalvideos zu editieren. So ein Kurs kostet 200 bis 1500 Euro. Anscheinend eine lohnende Investition: Die Kundschaft reicht von Studenten über Hausfrauen bis zu Alten, die sich die Rente aufbessern wollen. Oft sind die Paparazzi auf Motorrollern unterwegs und spezialisieren sich als »Ssuparazzi« auf Müllvergehen oder als »Seongparazzi« auf Prostitution, die in Südkorea verboten ist.

Die kompromisslose Ahndung von Delikten dieser Art hat die südkoreanische Regierung übrigens eingeführt, um das »gesellschaftliche Zusammenleben« zu verbessern.

Text: Christoph Koch
Erschienen in: NEON

Tags: , , , , , , , , , , , ,

Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

Abonnieren

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, lassen Sie sich über ähnliche informieren.

RSS-Feed abonnieren Fotos auf Instagram Bei Google Plus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top