Backroom Cantina: Das neue Hinterzimmer-Restaurant in der Berliner Bar Tausend

Geschrieben von am 23/11/2009 in zitty mit 0 Kommentare

Unter der S-Bahnbrücke Friedrichstraße, wo nur ein wenig Neonlicht die Mülltonnen erhellt, führt eine unscheinbare Stahltür in die Cantina. Eigentlich ist es nur ein Lieferanteneingang – aber diese sind seit der Anfangssequenz des Mafia-Epos „GoodFellas“ schon immer die cooleren gewesen. Vorne an der Straße stehen später am Abend die Menschen an, um in der eleganten Bar Tausend einen Drink zu nehmen und anderen dabei zuzusehen.

Till Harter, der schon das 103 an der Kastanienallee zum Lieblingsort schöner Mitte-Menschen machte, hat das Tausend vor zwei Jahren eröffnet und im September um das ebenso hochklassige Hinterzimmer-Restaurant erweitert. Das hohe Tonnengewölbe ist in Anthrazit  gestrichen, sonst dominiert Schwarz: Von der dezenten Einrichtung über die Outfits der aufmerksamen Kellner bis zur Kleidung der Gäste. Die Küche ist ein offenes Carré und Hoheitsgebiet von The Duc Ngo, ehemals Besitzer und Küchenchef des Nobelrestaurants „Shiro i Shiro“ und Mitinhaber der Sushi-Legende „Kuchi“.

Man wolle sich vom klassischen Vorspeise-Hauptgang-Prinzip verabschieden, erklärt der für Berliner Verhältnisse sehr freundliche Service. Die Portionen sind in der Tat nicht übermäßig groß, man kann also wunderbar herumprobieren, gemeinsam bestellen, tauschen, teilen. Ein Highlight der überschaubaren Karte ist zweifellos der Miso Cod (19 Euro), ein gegrilltes und mit Sojasauce glasiertes Dorschfilet,  das dem Griff der Stäbchen gerade noch standhält, um anschließend auf der Zunge zu zerschmelzen. Gleiches gilt für den kurz gegrillten und mit Foie Gras veredelten Tunfisch auf Kräuterrisotto (17 Euro). Doch dass der vietnamesische Küchenchef auch die lateinamerikanische Seite der Karte beherrscht, beweist er mit der Ceviche (14 Euro), einem hervorragenden Meeresfrüchtesalat mit Red Snapper, Tintenfisch, Limone, Zwiebeln und Koriander.

Während man sich an den offenen Weinen – wie dem Weißburgunder von St. Antony für 5,50 Euro oder dem Haut de Lissac aus dem Languedoc-Roussillon für 4,50 Euro – erfreut, vergisst man ganz, dass über einem die S-Bahn rumpelt. 45 Plätze hat die Cantina; diese werden in der Regel zweimal vergeben. Doch wenn der 20-Uhr-Schicht um 22 Uhr für die nächsten Gäste weichen muss, wartet nebenan ja das Tausend – und dort eine umfassende Auswahl an Digestifs.

Cantina@Tausend, Schiffbauerdamm 11, Mitte, Tel. 2758 2070, S+U Friedrichstraße, Mi-Sa ab 20 Uhr, www.tausendberlin.com

Text: Christoph Koch
Erschienen in: Zitty




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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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