Brechdurchfall und Mallorca-Akne: Reisepannen von A bis Z

Geschrieben von am 26/10/2009 in Neon mit 0 Kommentare

Im Urlaub ist das Leben am schönsten. Außer die Wurststullen wurden vergessen, der GELDBEUTEL GEKLAUT oder das Kind an der Tankstelle stehen gelassen. 26 Gründe, nächstes Jahr zu Hause zu bleiben.

Angst:

Egal, ob man in die Pistolenmündung eines betrunkenen Polizisten starrt, der nur noch »Njet!« lallt, oder an einem südamerikanischen Grenzübergang plötzlich von stämmigen Männern mit Spiegelsonnenbrillen umringt wird, die Gedankenfolge ist immer die gleiche: »Wenn ich erst wieder eine saubere Hose anhabe und zu Hause bin, wird das eine Supergeschichte zum Rumerzählen!«

Brechdurchfall:

Zwei von drei Touristen bekommen während eines zweiwöchigen Urlaubs in den Subtropen oder Tropen Durchfall. Dagegen hilft: acht Teelöffel Zucker und ein gestrichener Löffel Kochsalz auf einen Liter abgekochtes Wasser oder Orangensaft.

Cluburlaub:

Zwölf Prozent der Deutschen machen gern Urlaub im Club, unter 14- bis 29-Jährigen ist der Anteil noch höher. Pannenfreiheit gibt es jedoch auch dort nicht. Man tauscht nur den Grizzlyangriff aufs Zelt oder den Kreislaufkollaps in der Wüste gegen ein abgegrastes Frühstücksbüfett sowie Bruno und Gisela aus Wuppertal.


Drogenschmuggel:

Wird in vielen Ländern deutlich härter geahndet als zu Hause, weshalb man das »Päckchen für die Familie« für den freundlichen Barkeeper lieber nicht mit nach Deutschland nehmen sollte. In Ländern wie Iran, Singapur und Vietnam steht auf Drogenhandel die Todesstrafe. Doch es müssen nicht immer Drogen sein, die einen in Schwierigkeiten bringen: In Dubai mussten sich zwei Paare wegen »unanständigen Verhaltens « am Strand vor Gericht verantworten, in Schweden ist die Einfuhr von Tränengassprays verboten.

Engländer:

61 Prozent der Deutschen haben sich im Urlaub schon mal von anderen Touristen gestört gefühlt. Am lästigsten finden die Deutschen Engländer (20 Prozent), gefolgt von Russen (18,5 Prozent). Auf Platz drei macht sich deutscher Selbsthass bemerkbar: Andere Deutsche (15 Prozent) sind noch unbeliebter als Niederländer (11,9 Prozent).

Ferien:

Früher hieß Urlaub noch Ferien und wurde mit den Eltern verbracht. Das war damals in Ordnung – wer über sechzehn ist und für mehr als ein Wochenende mit seinen Eltern verreist, muss sich nicht wundern, wenn der Urlaub plötzlich vor vermeintlichen Pannen nur so wimmelt (> Querulant).

Gepäck:

2008 gingen weltweit 33 Millionen Koffer und Taschen verloren – immerhin zwanzig Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa kommt im Schnitt ein verlorener Koffer auf 64 Fluggäste – besonders häufig gehen die Koffer beim Umsteigen in den Anschlussflieger verloren, so eine Studie der EU-Kommission. Die erste Panik vorm leeren Gepäckband ist in den meisten Fällen allerdings unbegründet: 95 Prozent aller verlorenen Koffer tauchen innerhalb von fünf Tagen wieder auf. Bei Totalverlust winkt eine Entschädigung von bis zu 1100 Euro.

Höhenkrankheit:

Dumm, wenn die Trekkingtour im Himalaja abgebrochen werden muss, weil der Schlaumeier, der schon zwei Mal auf der Zugspitze war, über 2500 Metern Schwindelanfälle bekommt. Also bitte nicht den Reinhold Messner geben, wenn man sich schon hundeelend fühlt. Achtzig Prozent der tödlichen Zwischenfälle passieren in organisierten Gruppen, die aber nur vierzig Prozent aller Trekkingreisen ausmachen.

In der Luft:

2009 wird die ansonsten rückläufige Zahl der Todesopfer durch Flugzeugabstürze zum ersten Mal seit 2005 wieder ansteigen – unter anderem durch den Crash der AirFrance-Maschine über dem Atlantik. Laut Luftfahrtverband IATA gibt es in der Unfallstatistik jedoch große regionale Unterschiede:
Nordasien, das China und die Mongolei umfasst, schnitt 2008 am besten ab, danach kamen Europa, Nordamerika und die Asien- Pazifik-Region. Die meisten Unfälle gab es mit 6,43 je Million Flügen in den Staaten der GUS, die einen Großteil der ehemaligen Sowjetunion umfassen. Auch in Afrika sei die Unfallrate erhöht, habe sich aber in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Jammerlappen:

Stark nervender Reisebegleiter, der beim allerkleinsten Missgeschick (> Mallorca-Akne, Brechdurchfall) in großes Wehklagen ausbricht: »Zu Hause wäre das nicht passiert … Wo ist denn nur die Police meiner ADAC-Plus-Zusatzversicherung? Kannst du dich vielleicht auch mal um irgendwas anderes als deine Sonnenbrille kümmern??«

Kokosnüsse:

Leckerer Inhalt, aber die haarigen Biester sind weitaus gefährlicher, als man annimmt: Mit bis zu vier Kilo Gewicht und achtzig Stundenkilometer Fallgeschwindigkeit töten herabfallende Kokosnüsse ungefähr 150 Menschen pro Jahr – rund doppelt so viele, wie durch Haiangriffe sterben. Berühmtestes Kokosnussopfer: Keith Richards – der bekam allerdings keine auf den Kopf, sondern stürzte vor einigen Jahren auf den Fidschis von einer Kokospalme fünf Meter in die Tiefe und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu.

Mallorca-Akne:

Ärgerliche Sonnenallergie, die meist zu Beginn des Urlaubs auftritt; nicht zu verwechseln mit: Mallorca- Grippe (auch »Schweinegrippe« genannt) oder Mallorca-Herpes. Der wird angeblich auch durch zu viel Sonneneinstrahlung ausgelöst – oder durch fröhlich herumgereichte Strohhalme in bunten Sangria-Eimern.

Nepp:

In China sollen Bilderrahmen, Lesezeichen und Statuen für Touristen künftig aus Pandakot hergestellt werden. 300 Tonnen Fäkalien wurden bereits verarbeitet. Da die Kacke der Pandas zu siebzig Prozent aus Bambus besteht, ist auch der Geruch der Gegen stände von Holzarbeiten angeblich kaum zu unterscheiden.

Orgasmus:

Auch Sex kann den Urlaub kaputt machen: Die beste Freundin, die im entspannten Mädchenurlaub plötzlich jede Nacht mit dem Tennislehrer loszieht – oder die Zimmernachbarn, die es super finden, beim Sex Tiernamen zu schreien oder einander in Ekstase gegen das Kopfteil des Bettes zu donnern.

Pannenarten:

Hier die häufigsten Ausprägungen von Pannen – und wie sie sich in der Urlaubserzählung später anhören:

  1. Die Angeberpanne: »… und dann sprang auch das Auto nicht an, und ich musste das verletzte Kind acht Kilometer barfuß zum nächsten Krankenhaus tragen!«
  2. Die Spießerpanne: »In Wirklichkeit war der Pool aber erst ab dem späten Vormittag auf die Temperatur hochgeheizt, die im Prospekt stand.«
  3. Die Chaotenpanne: »Ich meine, woher soll ein normaler Mensch bitte schön wissen, dass man für Pakist an ein Visum braucht?«
  4. Die Snobpanne: »Richard ist normalerweise sehr zuverlässig, was seine Learjets angeht, aber wegen Nelsons Geburtstag geriet natürlich alles ein wenig in Verzug.«
  5. Die Trinkerpanne: »… und dann bin ich am nächsten Morgen vierzig Kilometer weiter in einem Müllcontainer mit dieser Federboa um den Hals und einer abgesägten Parkuhr im Arm aufgewacht.«

Querulant:

Seine Passion ist die Reklamation, und deshalb ist er richtig enttäuscht, wenn im Urlaub nicht wenigstens eine Lebensmittelvergiftung, eine angetrocknete Scheibe Mortadella, zerklatschte Mücken an der Zimmerdecke oder ein schmutziger Pool zu beanstanden ist. Er weiß genau, dass lauwarmes Essen ein Preisminderungsgrund ist, und organisiert einen Sitzstreik auf dem Steg vor der Fähre, wenn die Crew trotz viertelstündiger Verspätung nicht zu einem Nachlass bereit ist. Der Querulant nervt – aber sitzt man mit ihm in einem Boot, erledigt er die Drecksarbeit für alle.

Rums:

Nichts beendet Urlaubsfreude so schnell wie ein Auffahrunfall im Kreisverkehr eines Landes, über dessen Schriftzeichen man vorher nur Witze machen konnte. Und egal, wie gut man sich die Sätze »Herr Wachtmeister, dieser Wagen hat nicht mal einen Blinker!« und »Ich bin nicht betrunken, nehmen Sie bitte die Feuerwaffe von meiner Schläfe!« in der Landessprache aufgeschrieben hat: Am Ende hat immer der die Schuld, der aus dem Land mit dem höheren Bruttosozialprodukt kommt.

Strandnähe:

Hoch lebe Google Earth. Nicht nur der Begriff »fußläufig« kann endlich schon vor Reiseantritt interpretiert werden, auch Großraumdiskos und Kläranlagen sind weltweit klar zu erkennen.

Top Five

der wirklich schlimmsten Urlaubspannen:

  1. Bettwanzen, die von der örtlichen Apotheke in dem Moment klassifiziert werden, in dem man den Namen seines Hotels nennt.
  2. Das Auto geklaut kriegen und dem bewaffneten Dieb beim Anschieben helfen müssen.
  3. Feuerquallenangriff beim Nacktbaden.
  4. Im Amazonas zufällig den letzten unentdeckten Kannibalenstamm aufspüren – der seit Wochen Hunger leidet.
  5. Sich im Italienurlaub in den Nachwuchs des örtlichen Camorra-Bosses verlieben – während man selber gerade die Polizeischule beendet hat.

Ueber Bord:

Nach einem Bericht des amerikanischen Kongresses gingen allein zwischen Januar 2003 und März 2006 über 24 Passagiere auf Luxuskreuzern weltweit »verloren «. Die Ursachen – Unfall, Selbstmord oder Mord – sind selten zu klären. Auf der Webseite inter nationalcruisevictims.org schildern Angehörige der Betroffenen das mysteriöse Verschwin den.

Vergessen:

Neben den Klassikern Zahnbürste, Pass oder Badehose vergessen immer wieder Eltern ihre Kinder auf der Reise. Ein Mann aus Bayern beispielsweise bemerkte unlängst erst zu Hause, dass seine Tochter Stunden vorher an einer Tankstelle ausgestiegen war. Das Handy hatte er während der Weiterfahrt ausgeschaltet.

Wasserqualität:

Algen, Quallen, Kinderkot – es gibt viele unschöne Badeüberraschungen. Die Europäische Umwelt agentur liefert auf ihrer Internetseite ec.europa.eu Informationen zur Wasserqualität europäischer Strände. Besonders schmutzig ist es momentan in Slowenien.

Xanthippe:

Schlaumeierisch für zanksüchtige Frau. Männer sind aber auch nicht besser: Zwei Drittel der Deutschen verderben sich die Pärchenreise mit Streit, häufigste Ursache sind Eifersucht und unterschiedliche Reisepläne.

Yacht:

Europäische Gewässer gelten mit Ausnahme der albanischen Küste für Freizeitsegler als sicher. Für den Fall des Falles trotzdem hier die Verhaltensanleitung der »International Chamber of Shipping« bei einem Piratenangriff auf hoher See: Versuchen Sie auszuweichen, erhöhen Sie das Tempo! Eventuell Wasser aus Hochdruckwasserschläuchen spritzen! Schusswaffen und aggressives Verhalten vermeiden!

Zahnbürste:

Jeder kennt die Geschichte: Nach der Rückkehr entwickelt ein Ehepaar seine Urlaubsfotos und findet darunter Bilder von Übeltätern, die in ihr Zelt eingebrochen sind und sich die Zahnbürsten in den Hintern stecken, mit denen sich das Paar noch den Rest des Urlaubs die Zähne geputzt hat.
Leider – oder zum Glück – allen Weitererzählungen zum Trotz nur eine urbane Legende.

Text: Christoph Koch & Lisa Seelig
Erschienen in:
NEON

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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