Neue Folge der Hotel-Kolumne: Das Hotel Post in Bezau

Geschrieben von am 13/02/2009 in Wollt grad sagen mit 0 Kommentare

Nach langem Warten endlich wieder eine neue Folge der beliebten Reihe „Hotels für Verliebte“ (für den angelsächsischen Markt unter dem Titel „Hotels für lovers, not for fighters“ erhältlich). Diesmal ging es in den Bregenzerwald, genauer gesagt ins schöne Bezau:

Im Winterurlaub gibt es nur zwei Sorten Menschen: die Skifahrer und die anderen. Wir sind die anderen. Das fällt uns schon auf, als wir den Bodensee hinter uns lassen und die Serpentinen in das Dorf Bezau im Bregenzer Wald hinauffahren. Es liegt Schnee, die Sonne scheint. In jedem Skiort sind die Straßen verstopft mit Busladungen von Menschen, die unter sportlich geschulterten Skiern Richtung Schlepplift stapfen.

In Bezau dagegen: herrliche Ruhe. Das Schindeldach des Hotel Post – 1850 als Poststation gegründet – schimmert schneeweiß vor dem blauen Himmel, auf den Bänken neben der Tür liegen Decken. Die Begrüßung ist herzlich. Nur unsere Freunde wirken nervös: „Seid ihr endlich da?“ Sie wollen auf die Piste. Warum nur?

Die Betten im Hotel Post

Auf der Alm da gibt's koa Sünd: Die Betten im Hotel Post

Ausschlafen

Wir inspizieren lieber erstmal unser Zimmer. In den zwei Hauptgebäuden und dem Anbau der Post treffen zwei Extreme aufeinander: Alpen-Gemütlichkeit und Lounge-Coolness. Den Besitzern, Susanne Kaufmann und ihrer Familie, ist gelungen, die beiden zu vereinen. Verantwortlich für diesen Kunstgriff ist auch ihr Bruder, der Architekt Oskar Leo Kaufmann, dessen Entwürfe vergangenen Sommer im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen waren.

Jeder Gast hat die Wahl, ob er lieber in einem zwar modernen, aber doch traditionellen Zimmer mit viel Holz und Kuschelsofa logieren möchte, oder den Ausblick auf die Berge von der puristischen Ledercouch aus genießen will. Wir sind im Anbau untergebracht: Helles Holz und vanillefarbenes Leder lassen den Raum mit Panoramafenster so frisch wirken wie eine Bergwiese im Frühling. Im Bad stehen die Produkte aus Susanne Kaufmanns eigener Spa-Linie – nicht umsonst gilt die Post laut „Geo Saison“ als das beste Wellness-Hotel Europas. Sollen die anderen ruhig Skifahren gehen. Wir legen erstmal die Füße hoch.

Diskretion

Sich in der Post zu entspannen ist einfach. Das Hotel ist weitläufig genug, damit man sich nicht auf die Füße tritt. Aber die Wege zur Sauna, zum Spa oder ins Restaurant sind angenehm kurz. Die tägliche Hauszeitung informiert über wechselnde Ausflugsmöglichkeiten oder Sportangebote und das immer mit lokalem Flair. Man fühlt sich sofort wie ein Stammgast. Auch deshalb, weil sich das Personal zwar ausgesucht höflich, aber gutgelaunt um die Gäste kümmert. Die Uhren ticken einfach anders in Bezau. Und nach ein paar Stunden ist man bereit zu glauben, die Welt sei überall so in Ordnung wie hier.

Auftanken

Sauna und Solebecken stehen genau wie die Sportanlagen allen Gästen zur Verfügung. Intimer ist aber ein gemeinsames Bad in der Sprudelwanne des Spas. Verspannungen werden bei der Einzel- oder Partnermassage weggeknetet. Und auch um Sorgenfalten kümmert sich das Spa-Personal professionell mit Masken und Peelings. Die Räume selbst sind eine Oase in Weiß, ein eleganter Ort der Ruhe. Susanne Kaufmanns Konzept funktioniert so gut, dass sie nun auch die erste Spa-Filiale in Berlin eröffnet hat. Allerdings muss man dort auf die gute Bergluft verzichten.

Kerzenschein

Man könnte die Tage im Hotel Post sicher nutzen, um ein paar Pfunde loszuwerden: Schneeschuhwandern, Saunieren und sich im Spa die Pölsterchen wegkneten lassen. Doch die Küche ist so gut, dass ihr die besten Vorsätze nur schwer standhalten. Die Zutaten der meist österreichischen Gerichte kommen weitestgehend von Bauern, Metzgern und Jägern aus der Region. Beim Abendessen sind wir uns einig, dass das Reh von dem die Nüsschen stammen, ein glückliches war – das Fleisch zergeht auf der Zunge wie Marzipan.

Die Weinempfehlungen sind durchweg Treffer und nicht der Nachtisch ist eine Sünde, sondern der Gedanke daran, ihn wegzulassen. Mit Griesflammeri, Nockerln oder Marillenknödeln kommt das Beste, das Österreich an Süßem zu bieten hat auf den Tisch. Gekrönt von einem der vielen köstlichen Obstler der Karte wird so jedes Abendessen in der Post zum Festmahl. Der Gault Millau sah das ähnlich und verlieh 16 Punkte.

Raus aus den Federn

Jedes Bergdorf hat einen guten Geist. Und ein uriges Original. In Bezau sind beide in einer Person vereint: Pius heißt der Bergführer, der sich um Ausflüge für die Dorfgäste kümmert. Im Sommer kann man mit ihm bei einer Kräuterwanderung die Pflanzenwelt erkunden. Im Winter lädt er zur nächtlichen Laternenwanderung ein, scheucht einen mit Schneeschuhen auf die Berge oder lässt Erwachsene bei einer gemeinsamen Rodelpartie den vom Bremsen aufgewirbelten Schnee schmecken. Für Verliebte (und Nichtskifahrer) empfiehlt sich besonders das Schlittenfahren.

Zwei Rodelstrecken gibt es um Bezau: eine steile für Faule und eine flache für Sportler. Die steile ist am Besten mit der Bergbahn zu erreichen: In der Gondel geht es hinauf zur Mittelstation Sonderdach, wo auch die Schlitten verliehen werden, und dann weiter auf 1500 Meter Höhe. Die Abfahrt ist steil und nicht ungefährlich, aber auf 3,6 Kilometer eine Riesengaudi.

Romantischer aber anstrengender ist die Bezauer Naturrodelbahn. Als wir zu zweit zu Fuß mit den Schlitten durch den nächtlichen Wald stapfen, geht uns nach der Hälfte des Wegs fast die Puste aus. Doch es lohnt sich: Der Wald ist mit kleinen Laternen beleuchtet, der Himmel sternenklar und die Stille fast übermächtig. 1,6 Kilometer lang sind Aufstieg und Abfahrt. Unten wartet Pius in einer kleinen Hütte mit Glühmost und Lagerfeuer auf die Rodler. Mehr Winteridylle geht kaum.

Fazit

Sie sagt: Eine Winterwoche in der Post in Bezau ist, als würde man im Video zu „Last Christmas“ mitspielen. Rodeln, Wandern, Saunieren und gutes Essen sorgen für vollendetes Wohlgefühl. Eigentlich möchte man bleiben. Oder zumindest wiederkommen.

Er sagt: Kässpätzle, Schneeballschlachten und waghalsige Rodelabfahrten – ein Aufenthalt in Bezau ist, als wäre man noch mal Kind. Nur, dass man länger aufbleiben und rodeln darf, so oft man will. Und von Erwachsenensorgen wie Wirtschaftskrise scheint man im idyllischen Vorarlberg, wo die Welt wirklich noch in Ordnung ist, auch noch nichts gehört zu haben.

Infos
Hotel Post, Brugg 35, A – 6870 Bezau, Tel. +43 55 14 22 07, Zimmer ab 140 Euro, Suiten ab 160 Euro pro Nacht.
www.hotelpostbezau.com

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Text: Jessica Braun & Christoph Koch
Foto: Jessica Braun

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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