Testverfahren: Wie realistisch sind „Frankenstein“ und „Gattaca“?

Geschrieben von am 17/04/2008 in Fluter mit 0 Kommentare

Experimente am Menschen haben Filmemacher immer fasziniert. Wie realistisch sind die Geschichten in Filmen, die sich beispielsweise mit Gentechnik auseinandersetzen?

Frankenstein
von James Whale (1931)

Darum geht’s: Dr. Frankenstein und sein Assistent setzen aus den Körperteilen Verstorbener ein neues Wesen zusammen, das sie mit Elektrizität zum Leben erwecken. Leider haben sie dabei das Gehirn eines Kriminellen erwischt.
Darum geht’s wirklich: Um ein Urbild des verrückten Wissenschaftlers, der sich für Gott hält und dessen Forschungsdrang ihn jede Vernunft vergessen lässt.
So geht’s aus: Nachdem Frankensteins Monster (Boris Karloff) aus dem Labor ausbricht, will es seinen Schöpfer töten. Dieser überlebt den Kampf jedoch und heiratet auf dem Schloss seines Vaters. Dorfbewohner töten das Monster.
Gut zu wissen: Eigentlich sollte Bela Lugosi, der später als „Dracula“ bekannt wurde, die Hauptrolle spielen. Sein Konzept fiel bei den Machern jedoch durch.
Das war 1931: Der litauische Wissenschaftler Phoebus Leven beschreibt die Zusammensetzung der DNA. Allerdings hält er die Proteine für die Träger des Erbguts, die DNA hingegen sei „dumm“.


Die Körperfresser kommen
von Philip Kaufman (1978)

Darum geht’s: Menschen werden durch gefühllose Duplikate ersetzt, die von Pflanzen aus dem Weltall „geboren“ werden. Als ein Arzt (Donald Sutherland) und seine Assistentin dem Grauen auf die Spur kommen, will ihnen niemand glauben – denn fast alle anderen sind bereits konvertiert.
Darum geht’s wirklich: Um die Frage, ob alle Menschen außer einem selbst Teil einer großen, fiesen Verschwörung sind.
So geht’s aus: In einer der dramatischsten Schlussszenen der Filmgeschichte verrät der ebenfalls umgewandelte Hauptdarsteller seine gute Freundin Nancy durch einen schrillen Alienschrei.
Gut zu wissen: Der Regisseur und der Hauptdarsteller des Originals von 1956 haben in dem Remake kurze Gastauftritte als Taxifahrer beziehungsweise panischer Passant.
Das war 1978: Am 25. Juli wird Louise Brown in Oldham bei Manchester geboren. Sie ist der erste Mensch, dessen Befruchtung in einem Reagenzglas stattfand.

Gattaca
von Andrew Niccol (1997)

Darum geht’s: In einer durchgestylten Zukunftsgesellschaft werden durch Gentechnologie und Präimplantationsdiagnostik Kinder gezüchtet, die die besten Eigenschaften ihrer Eltern vereinen. Der auf natürlichem Weg gezeugte Vincent (Ethan Hawke) will trotzdem Raumfahrer werden – auch wenn er aufgrund seiner suboptimalen Gene als „Invalide“ gilt. Er leiht sich die genetisch einwandfreie Identität des querschnittsgelähmten Jerome (Jude Law).
Darum geht’s wirklich: Um DNA-Diskriminierung und die Schaffung einer neuen Klassentrennung zwischen genetisch perfektionierten Zuchtmenschen und „Gotteskinder“ genannten Nichtmanipulierten.
So geht’s aus: Vincent fliegt trotz seiner akribisch ausgearbeiteten Tarnung kurz vor dem Start seines Raumfahrtprojektes auf. Der Arzt, der ihn entdeckt, lässt ihn jedoch gewähren, da sein Sohn auch von einer Karriere als Raumfahrer träumt.
Gut zu wissen: Als Teil der Marketingkampagne wurden zum Filmstart Anzeigen geschaltet, die werdenden Eltern anboten, ihre Kinder genetisch zu optimieren – Tausende meldeten sich auf dieses fiktive Angebot.
Das war 1997: Am 22. Februar wird in der Zeitschrift „Nature“ das Klonschaf Dolly vorgestellt. Es ist das erste geklonte Säugetier überhaupt.

Die Insel
von Michael Bay (2005)

Darum geht’s: 2019 wird eine Gruppe Menschen in einer abgeschotteten Gemeinschaft gehalten – in dem Glauben, sie seien die einzigen Überlebenden einer riesigen Umweltkatastrophe. In Wirklichkeit werden sie getötet, wenn der Mensch, von dem sie geklont wurden, in der realen Welt einen Unfall hat und neue Organe benötigt.
Darum geht’s wirklich: Um die Möglichkeit, durch Stammzellenforschung menschliche Ersatzteillager zu klonen, deren Leben nichts wert ist.
So geht’s aus: Die zwei Hauptfiguren (Ewan McGregor und Scarlett Johansson) entdecken, dass sie in einer Scheinwelt gefangen gehalten werden, brechen aus und befreien anschließend ihre Schicksalsgenossen. Am Ende segeln sie zu einer tropischen Insel – diese Reise war stets den Gefangenen versprochen worden, die abtransportiert wurden.
Gut zu wissen: Die DreamWorks Studios wurden von den Machern des Films „Parts: The Clonus Horror“ von 1979 verklagt, die behaupteten, Regisseur Michael Bay habe große Teile der Handlung übernommen. Nach einer Gerichtsentscheidung einigten sie sich 2006 auf einen Vergleich mit DreamWorks in siebenstelliger Höhe.
Das war 2005: Britische Forscher klonen zum ersten Mal menschliche Embryos. Einer der Klone überlebt fünf Tage.

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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