„Was bleibt mir anderes übrig, als über Sex zu singen?“

Geschrieben von am 13/02/2008 in zitty mit 0 Kommentare

Auf dem letzten Album der kanadischen Breitwand-Romantiker von den Stars hieß es noch „Your Ex-Lover Is Dead“ und auch das neue Werk spielt im Schlafzimmer: „In Our Bedroom After The War“. Zeit für ein Interview mit dem Sänger Torquil Campbell über Liebe, Sex und Zärtlichkeit.

Auch wenn Eure Texte – gemessen an beispielsweise Hiphop-Lyrics – nie wahnsinnig explizit sind: Ihr macht sehr sexuelle Musik, oder?

Ja, auf jeden Fall. Danke! Ich hoffe sehr, dass wir sexuelle Platten machen. Meine liebsten Pop-Alben handeln auf die eine oder andere Art von Sex.

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Was war noch mal so wichtig an Sex?

Er kann Dinge erschaffen und zerstören. Es kann ein Kind daraus entstehen oder er kann eine Beziehung vernichten. Es ist die eine Sache, die wir alle gemeinsam haben, die so unglaublich dramatisch und lebendig ist. Sex liefert guten Stoff für Geschichten, für menschliche Emotionen und für deshalb auch für Popsongs. Ich bin dieser weiße Typ ohne musikalisches Talent, der Soulplatten machen will (lacht) – was bleibt mir anderes übrig als über Sex zu singen?

Sprecht ihr innerhalb der Band offen über Sex?

Nein, dazu sind wir viel zu kanadisch, zu britisch, zu unsicher, zu schüchtern. Aber die Musik gibt uns die Möglichkeit, diese Menschen zu sein, die darüber offen und tabulos sprechen.

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Wird Sex wichtiger oder unwichtiger, wenn man älter wird?

Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in meiner Jugend mit meinen Freunden nie über Sex gesprochen. Alles, worum es ging, waren Musik und Drogen – vielleicht noch Baseball. Erst im Lauf der Jahre haben wir entdeckt welche Kraft Sex hat – ich glaube, niemand aus der Band hat sich sexy gefühlt bevor er 30 war. Man braucht wohl eine gewisse Zeit, um sich selbst zu akzeptieren.

Warum handeln viele Eurer Lieder vom Rückblick auf alte Beziehungen, von ehemaligen Liebhabern und vergangenen Zeiten?

Weil man sich bei jedem dieser Rückblicke fragt, ob dabei etwas von einem verloren ging. Jede Beziehung, jede Affäre, die man hat, ist der Beginn einer neuen Zeit. Man lernt etwas, das man vorher nicht wusste. Das ist schön, aber auch traurig, denn es bedeutet, dass dieser Teil von dir, der nicht wusste, verschwunden ist. Die Lebensweisheit, die man gewinnt, bedeutet immer auch den Verlust von Unschuld. Und Unschuld ist ein Geschenk.

Googelst du manchmal deine Exfreundinnen?

(lacht) Nein, das habe ich noch nie getan. Aber dafür, das ich so viel über Sex und Liebe singe, habe ich auch nur erstaunlich wenig Exfreundinnen.

Interview: Christoph Koch

Erschienen in: zitty

Fotos: City Slang

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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